Archive for September, 2006

Operation Arbeitssuche laeuft an…

Thursday, September 28th, 2006

Die Operation Arbeitssuche – und damit der Papierkrieg ;) – hat heute angefangen.

Die Schweizerische Botschaft hier hat mir mitgeteilt, dass sie fuer Chile nur Diplome anerkennen koennen, die vorab in der Schweiz von der Kantonalen Staatskanzlei anerkannt wurden. Mit diesem doppelt anerkannten Diplom und der zugehoerigen Beschreibung muss ich dann zum Chilenischen Aussenministerium, welches mir dann mein Diplom offiziel auf Spanisch uebersetzt.

Da ich nun wegen der Anerkennung des Diplomes aber nicht ueber den Teich fliegen werde, gibt es einen Dreieckshandel: Die FH Luzern wird eine Kopie direkt an die Staatskanzlei Luzern schicken. Und diese werden mir dann die Papiere nach Chile senden.

Na ja, vielleicht haette ich diese Situation vermeiden koennen, haette ich mich vorher besser informiert. Aber was solls, das wird nicht das letzte Hindernis auf dem Weg sein.

Fútbol

Monday, September 25th, 2006

Wie ueberall in Suedamerika gibt es auch in Chile zwei eigenstaendige halbjaehrige Wettbewerbe (Apertura und Clausura), für die jeweils ein eigener Meistertitel vergeben wird. Die Apertura wird im ersten Halbjahr gespielt, die Clausura in der zweiten Haelfte. Die Gewinner beider Meisterschaften duerfen an der Copa Libertadores teilnehmen. Um die Absteiger zu bestimmen, wird eine Tabelle erstellt, in welcher die Punkte beider Meisterschaften addiert werden. Die beiden schlechtesten Teams dieser aufsummierten Tabelle muessen in die zweite Liga absteigen.Estadio Nacional

Am Sonntag machte ich mich auf den Weg ins Estadio Nacional, wo das Spiel zwischen Universidad de Chile (“La U”) und Coquimbo Unido ausgetragen wurde. Dieses Spiel wurde von den Chilenen als “sicher” taxiert, einzig beim “Clásico” zwischen ColoColo und “La U” soll es zu Ausschreitungen kommen.

Ich hab ein bisschen rumgefragt, fuer welchen Sektor ich ein Ticket kaufen soll. Ich hab mich schliesslich fuer einen Platz in der Kurve neben den Ultras des Heimteams entschieden. Fuer 7.50 Fr war es das zweitbilligste Ticket.

Los fanaticosDie Stimmung war von Anfang an fantastisch. Die Kurve (der Rest des Stadions war leer) hat die ganzen 90 Minuten ihr Team angefeuert und gesungen, unabhaengig vom Resultat oder Spielgeschehen.
Das Spiel war hoechst mittelmaessig und von Fehlpaessen gepraegt. Kam mal ein Pass an, wurden die klarsten Chancen vergeben. Aber irgendwie gelang es “La U” dann doch noch, ein Tor zu erzielen und mit 1-0 ging es in die Pause.

Waehrend der Pause kam Stimmung auf, als ein Polizist ein Fahne der Fans klaute und damit abhaute. Polizei stuermt die KurveDie Fans drohten darauf, das Feld zu stuermen und nahmen das halbe (baufaellige) Stadion auseinander und bewarfen die Polizei mit Baenken. Die Polizei forderte darauf Verstaerkung an und stuermte immer wieder in den Fansektor. Kaum draussen, lief wieder die Ganze Kurve Richtung Zaun, worauf die Polizei wieder mit Sturm drohte. Dieses Katz-und-Maus-Spiel dauerte so bis ca. in die 60. Minute. Erst als der Schiedsrichter drohte, das Spiel abzubrechen, stellten sich Polizeimaenner in die Kurve und ab da war dann mehr oder weniger Ruhe.

Auf dem Feld versiebte “La U” eine Chance nach der anderen. Aus heiterem Himmel kam Coquimbo kurz vor Schluss zum Ausgleich und wenige Minuten spaeter mittels Eigentor konnte der Aussenseiter das Spiel sogar noch umbiegen. “La U” verlor noch einen Spieler wegen einer Roten Karte und schlussendlich auch das Spiel.
Mein Wortschatz wurde nach dem Schlusspfiff noch um einige schlimme Woerter erweitert ;) aber der Abzug der Fans erfolgte friedlich.

Fiesta Dieciochera

Thursday, September 21st, 2006

¡¡Viva Chile!!Der Name Fiesta Dieciochera (sinngemaess “Das Fest am 18.”) suggeriert eigentlich, dass dieses Fest nur einen Tag dauert. In Wirklichkeit gehen die Festivitaeten aber ueber vier Tage.

Am 18. September 1810 begann die Losloesung Chiles von Spanien und dieser Tag gilt nun als Nationalfeiertag.
Am 16., 17. und 18. September waren wir in Paerken der Stadt unterwegs, um die Chilenen beim Festen zu beobachten. Natuerlich wurde viel Chicha getrunken und Cueca getanzt.
Ausserdem scheint Drachenfliegen der Volkssport zu sein. Viele Familien liessen in den Paerken ihre Drachen steigen.

Ich hatte eigentlich erwartet, dass dieses Fest viel ausgelassener gefeiert wuerde. Aber die Strassen Santiagos waren wie leergefegt und zum ersten Mal fand ich in der Metro einen Sitzplatz ;) Aber die Santiaguinos ziehen es scheinbar vor, den Nationalfeiertag am Meer oder auf dem Land zu feiern. Oder aber es sind die Pendler, die dauernd die Strassen verstopfen… na ja, wohl beides ein bisschen.

DefiléeGestern am 19. September wurden dann am Día del Ejército (Tag des Heeres) die Erfolge des Chilenischen Militaers gefeiert. Obwohl ich erklaerter Militaergegner bin, wollte ich mir das live ansehen. Aber mir wurde es schnell langweilig… Soldaten in grauer Uniform, in gruener, in blauer…. *gaehn*
Lustig war einzig, dass auch Bernhardinerhunde zum Heer gehoeren. Die wurden natuerlich mit kleinem Faesschen (gefuellt mit Pisco? ;) ) um den Hals vorgefuehrt. Ich hab mir das Defilée noch ein bisschen im TV angeschaut, aber interessanter wurde es dadurch auch nicht…

Ihr solltet die Gesichter hier sehen, wenn ich erzaehle, dass die Schweiz nicht nur eine Armee, sondern auch die allgemeine Wehrpflicht hat. Und dass ausserdem ein schweizer Soldat Knarre plus Munition zu Hause hat… Erstaunen bis blankes Entsetzen ist die Reaktion: “Aber wieso denn eine Armee, ihr seid doch neutral?!” ist die haeufigste Antwort. Auch schon gehoert habe ich: “Aber ich dachte, die schweizer Soldaten im Vatikan sei die einzige schweizer Armee”.

Harte und weiche Fakten aus Santiago

Friday, September 15th, 2006

Santiagos Wirkung auf mich

Die Menschen hier sehen fuer mich “Spanisch” aus, man kann fast keine Aehnlichkeit mit Indios erkennen. Die Maenner tragen haeufig eine Vokuhila-Frisur. Die Frauen sahen mit ihren schwarzen Haaren und ihren dunklen Augen am Anfang sehr aehnlich aus, aber mittlerweile kann ich besser unterscheiden ;) . Und obwohl ihnen die Werbung schlanke Blondinen als Schoenheitsideal vorschreiben will, stehen sie zu ihren schwarzen Haaren und ihren Kurven. Damit will ich nicht sagen, dass die Frauen uebergewichtig sind oder dick. Aber sie sehen nicht wie magersuechtige Models aus und mir gefaellt das besser.
Ich schaetze die Frauen meistens 3 bis 5 Jahre zu alt… dafuer schaetzen sie mein Alter auf 22 oder 23 Jahre alt.
Ausserdem ist es voellig unbedenklich, Leitungswasser zu trinken. Das Wasser schmeckt zwar ein bisschen nach Chlor… und an Langzeitschaeden forsche ich derzeit ;) Die Wasserqualitaet hat aber leider keinen Einfluss auf den Kaffee. Hier trinkt man nur duennen Nescafé :(

Und wenn man sich in Zuerich ueber die Unwissenheit der Taxifahrer aufregt, sollte man in Santiago nicht unbedingt Taxi fahren. Ausser man kennt die Stadt wirklich gut und kann den Taxifahrer lotsen. Aber dafuer war es billig und ich musste “nur” noch 10 Minuten laufen zu “meinem” Haus. Ich war froh, dass er das Quartier gefunden hat ;)

Meine Wirkung auf Santiago

Die Reaktionen der Einheimischen – wenn sie mich sehen – reichen von Anglotzen (vor allem Frauen ;) ) bis zu Nach-dem-Weg-fragen. Fuer die einen sehe ich also exotisch aus, fuer die anderen wie ein “Einheimischer”. Und die Gespraeche ueber die Schweiz gehen von “Schweiz? Hat es da Schnee?” bis ueber Diskussionen ueber die Neutralitaet der Schweiz im 2. Weltkrieg. Generell kommt man mit den Leuten schnell ins Gespraech und man duzt sich meist, also auch im Restaurant oder wenn man sonst was kauft.

Lebenskosten in Santiago

Jetzt noch ein paar harte Fakten: Die jungen Leute trinken hier in den Bars 1-Liter-Flaschen Bier, welche sie unter 2 oder mehreren Leuten teilen. So eine Flasche kostet zwischen 2.30 und 3.50 Fr.
Ein Mittagessen (Suppe oder Salat, Fleisch mit Beilage, Dessert und 1 Glas Wein) in einem Quartierrestaurant kostet 5.10 Fr.
Eine Busfahrt kostet immer 90 Rappen, egal ob man 10 Meter oder 10 km faehrt. Das Billet ist nur im Bus gueltig, wo man es gekauft hat. Die 380 Pesos sollte man wenn moeglich passend bereit haben. Allenfalls wechselt der Fahrer auf 1000-Pesos-Noten, aber hoeher wird es schwierig. Anderenfalls sollte man nicht mit 1er oder 5er-Peso-Muenzen zahlen. Es koennte sein, dass der Fahrer die Muenzen aus dem Fenster wirft ;) Der Chauffeur macht alles alleine: Er bremst, kassiert, beschleunigt, hupt… meist alles gleichzeitig.

Eine Fahrt mit der Metro kostet zwischen 85 Rappen (normal) und 1.05 Fr (Stosszeiten) und der Preis ist auch unabhaengig von der Anzahl Stationen oder Zeit, die man benoetigt. Monats- oder gar Jahreskarten fuer den oeffentlichen Verkehr gibt es nicht, fuer die Metro gibt es allerdings aufladbare Karten.

Salsaunterricht kostet pro 90 Minuten 3.50 Fr und eine SIM-Karte 11.70 Fr.

El derecho de vivir en paz

Friday, September 15th, 2006

Víctor Jara “Das Recht, in Frieden zu leben”
Víctor Jara, † vermutlich 16. September 1973

Víctor Jara wuchs auf dem Land in Armut auf und zog mit seiner Mutter spaeter in die Vororte Santiagos. Seine Mutter lehrte ihn Gitarre spielen und Víctor Jara widmete sich dem Studium der Folklore.

Mitte der 60er Jahre fing er an, sich auch in der Politik zu engagieren. Jara war eine der grossen Figuren der “Nueva Canción” (Neues Lied) – Bewegung. In deren Liedern wurden politische und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten angeprangert und das alltaegliche Leben der armen Bevoelkerung thematisiert.
Diese Bewegung gab Anfangs der 70er Jahre Konzerte zugunsten Salvador Allende und dessen Partei Unidad Popular.
Am 11. September 1973, am Tage des Putsches durch Pinochet, wurde Víctor Jara festgenommen und waehrend 5 Tagen im Estadio Chile grausam gefoltert und schliesslich erschossen.

30 Jahre nach seinem Tod wurde das Estadio Chile in Estadio Víctor Jara umbenannt. 2004 wurde Anklage gegen den damals maechtigsten anwesenden Militaer erhoben.