Archive for September 15th, 2006

Harte und weiche Fakten aus Santiago

Friday, September 15th, 2006

Santiagos Wirkung auf mich

Die Menschen hier sehen fuer mich “Spanisch” aus, man kann fast keine Aehnlichkeit mit Indios erkennen. Die Maenner tragen haeufig eine Vokuhila-Frisur. Die Frauen sahen mit ihren schwarzen Haaren und ihren dunklen Augen am Anfang sehr aehnlich aus, aber mittlerweile kann ich besser unterscheiden ;) . Und obwohl ihnen die Werbung schlanke Blondinen als Schoenheitsideal vorschreiben will, stehen sie zu ihren schwarzen Haaren und ihren Kurven. Damit will ich nicht sagen, dass die Frauen uebergewichtig sind oder dick. Aber sie sehen nicht wie magersuechtige Models aus und mir gefaellt das besser.
Ich schaetze die Frauen meistens 3 bis 5 Jahre zu alt… dafuer schaetzen sie mein Alter auf 22 oder 23 Jahre alt.
Ausserdem ist es voellig unbedenklich, Leitungswasser zu trinken. Das Wasser schmeckt zwar ein bisschen nach Chlor… und an Langzeitschaeden forsche ich derzeit ;) Die Wasserqualitaet hat aber leider keinen Einfluss auf den Kaffee. Hier trinkt man nur duennen Nescafé :(

Und wenn man sich in Zuerich ueber die Unwissenheit der Taxifahrer aufregt, sollte man in Santiago nicht unbedingt Taxi fahren. Ausser man kennt die Stadt wirklich gut und kann den Taxifahrer lotsen. Aber dafuer war es billig und ich musste “nur” noch 10 Minuten laufen zu “meinem” Haus. Ich war froh, dass er das Quartier gefunden hat ;)

Meine Wirkung auf Santiago

Die Reaktionen der Einheimischen – wenn sie mich sehen – reichen von Anglotzen (vor allem Frauen ;) ) bis zu Nach-dem-Weg-fragen. Fuer die einen sehe ich also exotisch aus, fuer die anderen wie ein “Einheimischer”. Und die Gespraeche ueber die Schweiz gehen von “Schweiz? Hat es da Schnee?” bis ueber Diskussionen ueber die Neutralitaet der Schweiz im 2. Weltkrieg. Generell kommt man mit den Leuten schnell ins Gespraech und man duzt sich meist, also auch im Restaurant oder wenn man sonst was kauft.

Lebenskosten in Santiago

Jetzt noch ein paar harte Fakten: Die jungen Leute trinken hier in den Bars 1-Liter-Flaschen Bier, welche sie unter 2 oder mehreren Leuten teilen. So eine Flasche kostet zwischen 2.30 und 3.50 Fr.
Ein Mittagessen (Suppe oder Salat, Fleisch mit Beilage, Dessert und 1 Glas Wein) in einem Quartierrestaurant kostet 5.10 Fr.
Eine Busfahrt kostet immer 90 Rappen, egal ob man 10 Meter oder 10 km faehrt. Das Billet ist nur im Bus gueltig, wo man es gekauft hat. Die 380 Pesos sollte man wenn moeglich passend bereit haben. Allenfalls wechselt der Fahrer auf 1000-Pesos-Noten, aber hoeher wird es schwierig. Anderenfalls sollte man nicht mit 1er oder 5er-Peso-Muenzen zahlen. Es koennte sein, dass der Fahrer die Muenzen aus dem Fenster wirft ;) Der Chauffeur macht alles alleine: Er bremst, kassiert, beschleunigt, hupt… meist alles gleichzeitig.

Eine Fahrt mit der Metro kostet zwischen 85 Rappen (normal) und 1.05 Fr (Stosszeiten) und der Preis ist auch unabhaengig von der Anzahl Stationen oder Zeit, die man benoetigt. Monats- oder gar Jahreskarten fuer den oeffentlichen Verkehr gibt es nicht, fuer die Metro gibt es allerdings aufladbare Karten.

Salsaunterricht kostet pro 90 Minuten 3.50 Fr und eine SIM-Karte 11.70 Fr.

El derecho de vivir en paz

Friday, September 15th, 2006

Víctor Jara “Das Recht, in Frieden zu leben”
Víctor Jara, † vermutlich 16. September 1973

Víctor Jara wuchs auf dem Land in Armut auf und zog mit seiner Mutter spaeter in die Vororte Santiagos. Seine Mutter lehrte ihn Gitarre spielen und Víctor Jara widmete sich dem Studium der Folklore.

Mitte der 60er Jahre fing er an, sich auch in der Politik zu engagieren. Jara war eine der grossen Figuren der “Nueva Canción” (Neues Lied) – Bewegung. In deren Liedern wurden politische und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten angeprangert und das alltaegliche Leben der armen Bevoelkerung thematisiert.
Diese Bewegung gab Anfangs der 70er Jahre Konzerte zugunsten Salvador Allende und dessen Partei Unidad Popular.
Am 11. September 1973, am Tage des Putsches durch Pinochet, wurde Víctor Jara festgenommen und waehrend 5 Tagen im Estadio Chile grausam gefoltert und schliesslich erschossen.

30 Jahre nach seinem Tod wurde das Estadio Chile in Estadio Víctor Jara umbenannt. 2004 wurde Anklage gegen den damals maechtigsten anwesenden Militaer erhoben.