Archive for September, 2006

9/11 in Chile

Tuesday, September 12th, 2006

Waehrend (fast) die ganze Welt am 11. September in die USA schaut und den Opfern der Terrorattaken gedenkt, hat der heutige Tag in Chile eine andere Bedeutung.

Es war am 11. September 1973, als unter Augusto Pinochet ein Militaerputsch gegen die Regierung Salvador Allendes stattfand. Der darauffolgenden Militaerregierung fielen nach offiziellen Schaetzungen ca. 3.000 Chilenen zum Opfer.

Aus diesem Grund gab es heute im Stadtzentrum Demonstrationen und Ausschreitungen wie jedes Jahr an diesem Tag. Mein Gastvater und alle Lehrer der Schule haben mir deswegen empfohlen, nicht in’s Stadtzentrum zu gehen.

Snowboarden in Colorado

Sunday, September 10th, 2006

Die Fahrt ins Skigebiet Colorado von Santiago aus dauert nur etwa eine Stunde. Die Fahrt war irgendwie komisch, ich war noch nie an Kakteen vorbei Snowboarden gegangen.

Vor dem Boarden mussten wir noch die Ausruestung mieten. Also schnell die Quittung zeigen, da wir schon in Santiago gezahlt haben. No no, erst noch ein Formular ausfuellen, dann da anstehen, abstempeln lassen und dann hier wieder anstehen. Ach ja, Hosen und Handschuhe unten mieten, Formular ausfuellen, abstempeln und anstehen. Auch fuer die Miete eines Schliessfaches musste ich wieder ein (anderes) Formular ausfuellen. Natuerlich muessen alle diese Formulare aufbewahrt werden, damit man wieder an sein Pfand kommt.

So laeuft es aber haeufig. Irgendwo anstehen, damit man weiss, wo man fuer welches Formular anstehen muss. Dann mit diesem Formular wieder anstehen, die Sache erledigen lassen, an der Kasse wieder anstehen, bezahlen. Mit der Quittung dann wieder anstehen und die Dienstleistung beziehen… Aber die Chilenen bleiben immer ruhig und auch die Angestellten erklaeren auch 100 Mal geduldig den Ablauf.

Mit dem Board und den Schuhen war ich zufrieden. Nicht gerade das neueste, aber ungefaehr das, was man auch in der Schweiz kriegen wuerde. Leider gab es dann keine Skihosen in meiner Groesse, so dass ich dann in Jeans fahren musste. Das war hart, denn ihr wisst ja, wie gerne Snowboarder auf ihrem Arsch sitzen :)

El ColoradoDas Skigebiet hatte eine anstaendige Groesse, aber die Pisten waren nicht so die Herausforderung. Die Jungs und Maedels aus Andermatt oder Arosa haetten sich schnell gelangweilt ;)

Ob nun der Schnee in der suedlichen Hemisphaere andere Eigenschaften aufweist, weiss ich nicht. Er war aber wie bei uns im Fruehling am Morgen eisig und am Nachmittag nass…

Am Schluss musste ich nur noch die Quittungen der Schule, des Busbueros, des Snowboardverleihs, und des Schliessfachs ordnen und an den richtigen Stellen abgeben und heim gings.

Ich ueberlege mir noch, ob ich am Mittwoch nochmals boarden gehen will. Wenn man ueber die Schule bucht, kann man den Unterricht “schwaenzen” und kriegt an einem anderen Tag gratis Nachhilfe ueber die Themen, die man an dem Tag in den Bergen verpasst hat.

Eindrücke nach der ersten Woche

Saturday, September 9th, 2006

Die Leute hier scheinen nicht sehr gestresst. Man wartet schön, bis die Ampel grün wird und überquert erst dann die Strasse. Nicht wie in Zürich, wo die Leute ihr Leben riskieren, um 10 Sekunden Zeit zu gewinnen und bei Rot über die Strasse rennen. Nur der Verkehr hier ist einfach unglaublich. Es hat ungefähr drei Mal zu viele Autos und zwei Mal zu viele Busse für diese (riesigen) Strassen.

Mein Spanisch ist nach einer Woche bereits besser als die Englischkenntnisse eines Durchschnitts-Chilenen. Das bedeutet, dass ich mein Spanisch täglich anwenden muss. Sei es beim Kauf einer SIM-Karte, nach dem Weg fragen oder dafür schauen, dass meine Wäsche gewaschen wird.

Natürlich bedeutet es nicht, dass die Wäscherei um 9 Uhr offen hat, auch wenn es so an der Tür steht. Ein Mann, der die Parktickets verkauft, hat mir angeboten, ihm die Kleider zu geben und er würde sie dann in der Wäscherei für mich abgeben, sobald diese geöffnet habe. Sehr nett - und die Wäsche war dann auch wie versprochen um 16 Uhr bereit.

Der Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht ist auch etwas, was einem sofort auffällt. Bei Morgentemperaturen von 2-5°C und Tagestemperaturen von über 20°C weiss man eigentlich nie, was man anziehen soll, wenn man morgens aus dem Haus geht. Und da hier wegen des Smogs Zentralheizungen verboten und die Häuser schlecht isoliert sind, ist es auch in den Wohnungen sehr kalt bei Nacht. Zum Glück habe ich eine elektrische Wärmedecke… Aber ich gewöhne mich dran: Anfangs Woche hatte ich auch im Haus immer noch eine Jacke an, jetzt nur noch einen Pullover.

Ach ja, ein erstes Jobangebot habe ich auch schon. Bei meiner Gastfamilie ist eine kanadische Studentin untergebracht. Sie arbeitet im Personalbereich des grössten französischsprechenden Konzern Kanadas, welcher gerade Elektro-Ingenieure sucht. Also wenn es hier in Südamerika mit der Arbeitssuche nicht klappt, dann vielleicht im Norden ;)

Bueno` Dia`

Monday, September 4th, 2006

Sonnenaufgang über den AndenDas Highlight auf dem Flug von Madrid nach Santiago war zweifellos der Überflug der Anden im Sonnenaufgang. Argentinien lag unter einem Nebelmeer, nur die Anden ragten heraus.
Nach der Ankunft wurde ich gleich zu meiner Unterkunft zu Gloria und Pedro geführt. Sie wohnen in Providencia, einem ruhigen Quartier von Santiago, das von Einfamilienhäusern dominiert ist. Gloria ist Krankenschwester und Pedro (pensionierter) Koch. Ich werde also weder an einer exotischen Krankheit noch an Hunger sterben :)

Pedro und Gloria haben mir dann noch gleich gezeigt, wie ich mit den berüchtigten Micros (so heissen hier die Busse) zur Schule gelange. Das war wirklich ein Erlebnis, die Busfahrer fahren wie die Henker. Es ist so, dass der Lohn der Busfahrer stark von ihrem Umsatz abhängt, deshalb ist es ihnen so wichtig, die Haltestellen möglichst schnell und vor allem vor ihren Kollegen zu erreichen – Als Alternative gibt es aber noch die Metro ;)

Abends hat Pedro gekocht (sehr gut) und als ich danach Gloria beim Abwasch helfen wollte, drückte er mich wieder auf meinen Stuhl: “En Chile, ¡los hombres no lavan los platos!” (In Chile waschen die Männer nicht ab!) Naja, Befehl ist Befehl ;) Ich werde hier also auch noch zu einem anständigen Macho erzogen…

Providencia aus der SeilbahnMeine Unterkunft liegt direkt am Cerro San Cristóbal, ein 800m hoher Hügel in Santiago (500m). Heute bin ich mit der Teleferico (Seilbahn) hinaufgefahren und die Aussicht von da oben ist einfach überwältigend. Man sieht einfach nur Häuser, die von den Anden eingeschlossen sind.

Auf der anderen Seite ging es dann runter mit der Funicular (Standseilbahn) in`s Künstlerquartier Bellavista wo ich das Haus von Pablo Neruda angeschaut habe.

Zum Titel “Bueno` Dia`”. So tönt das chilenische Spanisch. Die Konsonanten am Ende des Wortes werden einfach verschluckt (häufig auch mitten im Wort). Das macht das Verstehen etwas schwierig, aber so schlimm wie befürchtet war es auch nicht.

¡Adiós y hasta luego!

Friday, September 1st, 2006


So. Die Wohnung ist geputzt und abgegeben, das letzte Abschiedsbier getrunken, die Abmeldung in der Schweiz erfolgt, die Steuern bezahlt, eine Auslandkrankenversicherung gebucht, alle möglichen Verträge gekündigt, Impfungen und viele viele Abklärungen gemacht worden…

Die Liste der Vorbereitungen ist lang, die Vorfreude gross.