Archive for October, 2006

Abschied von der Schule

Wednesday, October 25th, 2006

Die Zeit vergeht wie im Flug und meine 8 Wochen an der Schule – und damit auch in der Gastfamilie – neigen sich dem Ende zu.

Gloria y PedroIn der gleichen Familie wie ich wohnt auch Christoph, ein Oesterreicher. Auch er hat am naechsten Freitag seinen letzten Schultag. Deshalb haben wir unsere Gasteltern Gloria und Pedro zum Abendessen im Restaurant Giratorio eingeladen.
Dieses Restaurant befindet sich im 18. Stock eines Hochhauses und dreht sich innerhalb einer Stunde einmal um seine Achse. Die Aussicht war fantastisch.

Ein bisschen komisch war es schon, dass wir fuer das Abendessen mehr ausgegeben haben, als Gloria und Pedro fuer uns pro Monat kriegen. (Wir zahlen 600 US$ pro Monat fuer die Unterkunft, die Schule uebergibt aber nur 90US$ an die Familie.)

Im GiratorioAuf jeden Fall war es ein sehr unterhaltsamer Abend. Die beiden sind sehr nett und Pedro ist wirklich ein Gentleman: Immer, wenn sich eine Frau am Tisch erhoben hat oder wieder zum Tisch zurueckgelaufen ist, ist er aufgestanden.

Stempel, Stempel, Stempel…

Friday, October 20th, 2006

Die Diplomkopie kam letzte Woche in Santiago an. Damit ging ich diese Woche auf die schweizerische Botschaft und heute zum Ministerio de Relaciones Exteriores, um das Diplom beglaubigen zu lassen.
So oder so war es eine gute Idee, eine Kopie des Diplomes anzufordern, denn das Papier sieht jetzt mehr aus wie eine Stempelsammlung als ein offizielles Diplom: Drei Stempel der Staatskanzlei Luzern, zwei Stempel (plus angeheftetes Beiblatt) der schweizerischen Botschaft und noch zwei Stempel des chilenischen Ministerio.
Gleichzeitig habe ich noch eine offizielle Uebersetzung meines Diplomes in Auftrag gegeben. Diese Uebersetzung wird fruehstens am 7. November bereit sein… Eine Ausrede mehr, nach meiner Schulzeit (bis 27. Oktober) erst mal Ferien zu machen und mich erst spaeter auf Jobsuche zu begeben. ;)

Konkret plane ich, im November fuer mindestens drei bis vier Wochen nach Patagonien zu reisen. Und wenn ich dann Ende November / Anfangs Dezember wieder nach Santiago zurueckkomme, sind alle meine Papiere fertig und ich werde konkret mit der Arbeitssuche beginnen.

Valparaíso

Tuesday, October 17th, 2006

Den letzten Samstag verbrachte ich in Valparaíso - eine Hafenstadt, die ca 2 Stunden entfernt von Santiago liegt. Die Stadt gilt als kulturelle Hauptstadt des Landes und der Stadtkern wurde 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklaert.
Nach der Diktatur wurde der Versuch der Dezentralisierung unternommen und man verlegte den Kongresssitz von Santiago nach Valparaiso.

Charakteristisch fuer die Stadt sind die zahlreichen farbigen Haeuser im alten Stil, die an den Huegeln gebaut sind. Es gibt 15 alte Standseilbahnen, die die Besichtigung der Stadt erleichtern.

Am Samstag Morgen fuhren wir zum Busbahnhof, von welchem die Busse ungefaehr alle 15 Minuten wegfahren.
Als erstes in Valparaíso (Valpo – wie wir Chilenen ;) sagen) haben wir den riesigen Markt besucht. Im ersten Stock des Marktes befinden sich einige kleine Restaurants, in denen die frischen Faenge der Fischer verarbeitet werden. Die meisten von uns probierten denn auch die lokale Spezialitaet: Paila Marino, eine Suppe mit allerlei Meeresfruechten.

Danach besuchten wir das Haus von Pablo Neruda, welches seit 1990 ein Museum ist und genossen anschliessend die Aussicht. Wir liefen vorbei an den farbigen Haeusern zu einem der schon erwaehnten uralten Standseilbahnen und besichtigten anschliessend den Hafen. Der Hafen von Valpo war bis zur Eroeffnung des Panamakanals neben San Francisco der wichtigste Hafen der Westkueste Amerikas.

Danach ging es dann auch schon wieder zurueck in die grosse Stadt.

Mir hat vor allem die Architektur und der Charme dieser Stadt gefallen. Durch die vielen Erdbeben fehlen in Santiago die alten Haeuser, was ich sehr vermisse.

 

Ich habe im Moment noch Probleme mit dem Hochladen der Fotos, ich hoffe die folgen morgen noch.

Temblores und Terremotos

Tuesday, October 17th, 2006

Chile hat eine lange Tradition von Erdbeben. Am 22. Mai 1960 wurde in Valdivia ein Erdbeben mit der groessten je gemessenen Magnitude von 9.5 aufgezeichnet.

Da hier in Chile die Erde jede Woche bebt, teilen die Chilenen die Erdbeben in zwei Kategorien ein: Temblor (“Zittern”) und Terremoto (“richtiges” Erdbeben, so ab Staerke 6 auf der Richterskala und Schaeden an Infrastruktur usw.).

Die Temblores waren aber immer so schwach, dass ich nie eines mitbekommen habe. Ich war immer enttaeuscht, wenn am Morgen die Lehrer sagten: “Habt ihr gestern das Temblor gespuert?”

Aber letzten Sonntag war es dann soweit: Ich lag auf meinem Bett, um die Hausaufgaben zu machen, drehte mich um und dachte noch: “Komisch, dass das Bett so zittert…” Aaaah! Ein Temblor!!

Laut dem Oficina Nacional de Emergencia wies das Temblor in Santiago eine Staerke von 2 auf. Das Epizentrum lag in La Serena, ca 470 km noerdlich der Hauptstadt mit einer Staerke von 5. Schaeden wurden keine registriert.

Mendoza, Argentinien

Tuesday, October 10th, 2006

Am 12. Oktober wird in Lateinamerika die Entdeckung Amerikas gefeiert. Dieser Feiertag wird jeweils auf den vorangehenden Montag verlegt. So kam es also, dass wir ein langes Wochenende vor uns hatten.

Mit einem von der Schule organisierten Bus fuhren wir am Samstagmorgen los Richtung Anden auf einer der Hauptverkehrsachen zwischen Chile und Argentinien. Wir fuhren an Portillo vorbei, eines der bekanntesten Skigebiete Chiles und es gab immer noch Leute, die Ski fuhren. Auf der Passhoehe auf ungefaehr 3000 Meter ueber Meer brauchten wir dann ungefaehr 3 Stunden um in Chile auszureisen, in Argentinien einzureisen und unser Gepaeck checken zu lassen. Ein spezielles Erlebnis fuer die meisten von uns, an der Grenze so lange warten zu muessen.

Auf der anderen Seite der Anden erwartete uns eine voellig andere Umgebung: Auf der chilenischen Seite war es relativ gruen mit Kakteen, wie ich es schon von der Reise nach Colorado oder La Campana kannte. Auf der Argentinischen Seite war es praktisch eine
Steinwueste.

Nach ueber 8 Stunden Reisezeit kamen wir schliesslich in Mendoza an. Auffaellig waren die vielen Geldwechselstuben in der Stadt. Da wechseln scheinbar alle Chilenen ihre chilenischen in argentinische Pesos um. Dei Stadt lebt von den chilenischen Touristen, die in Mendoza billiges Fleisch und Leder kaufen gehen.

Am Abend ging es auf eine Nacht-Stadtrundfahrt und anschliessend mussten zwei Raetsel geloest werden:
1. Ist das Fleisch in Argentinien das Beste der Welt?
Mein Bife de Chorizo war wirklich exzellent und im Preis unschlagbar (weniger als 5 Franken inklusive Dessert.)
2. Wohen in Argentinien die schoensten Frauen der Welt?
Wenn man sich in Santiago so umschaut, sieht man schon ein wenig Indioeinfluss aber das ist scheinbar kein Vergleich zu Bolivien oder Peru, wo ueber 80% Indios sind. Aber in Mendoza fuehlte ich mich fast so wie in Zuerich, wenn ich so die Leute anschaute. (Ein bisschen zu viele Blondinen fuer eine italienische Stadt ;) ).

CinquecentoAuf jeden Fall habe ich noch nie so viele Fiats ausserhalb Italien gesehen.

Am Sonntag ging es am Vormittag zur Besichtigung von 2 Weinguetern und einer Produktionsstaette von Olivenoel. Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfuegung und wollten eigentlich Velos mieten, um die Stadt zu erkunden. Aber alle Geschaefte hatten geschlossen und wir sind dann zu Fuss durch die Strassen gelaufen.

Auffaellig sind erstmal die vielen Baeume am Strassenrand und die dazugehoerigen Bewaesserungskanal Bewaesserungskanaele. Da Mendoza nur 8 Regentage pro Jahr hat, ist die grosse Anzahl von Baeumen und Parks natuerlich auf eine gute Bewaesserung angewiesen.
Ich glaube ich bin noch in keiner Stadt gewesen, die so gruen ist und so viele Parks hat.

Die Strassen waren am Sonntagnachmittag wie leergefegt. Alle Leute klebten entweder vor TV oder Radio und haben den “Superclasico” (Fussballderby zwischen Boca Juniors und River Plate) verfolgt. Schraeg waren dann die Hupkonzerte nach dem Sieg von River Plate. Ungefaehr wie waehrend der WM, wenn die Leute nach einem Sieg ihrer Mannschaft durch die Strassen gefahren sind. Schraeg in dem Sinne, weil erstens Mendoza auch ueber eine Mannschaft in der ersten Liga verfuegt und zweitens Buenos Aires mehr als 1000 Kilometer entfernt liegt. Ich stelle mir gerade ein Hupkonzert in St. Gallen vor nach einem Sieg von Young Boys Bern…

Am Abend gab es dann im Hostel ein grosses Asado (Grillfest). Und wenn ich vorher dachte, dass die Chilenen es nicht so genau nehmen mit der Zeitangabe, dann sind die Argentinier noch einen Schritt weiter: Der Chef sagte, um 21 Uhr wird gegessen und um 2315 Uhr ging es dann auch wirklich los ;)

ParapenteAm Montag Morgen konnten wir dann zwischen 3 Aktivitaeten auswahlen: Rafting, Reiten und Paragliding. Da an der Schule noch ein Raftingausflug ansteht und ich noch nie Paragliden war, lag die Entscheidung natuerlich nahe.
Leider machte dann aber das Wetter (der Wind) nicht so mit und lange war es unklar, ob wir fliegen koennen. Wir sind dann aber trotzdem mal auf den Berg gefahren, um wenigstens die Aussicht geniessen zu koennen. Nach einiger Zeit haben sich die Piloten dann doch entschieden zu fliegen – und mich traf das Los, als erster zu fliegen.
Der Start verlief einfach und problemlos aber schon bald kamen wir in die ersten Turbulenzen. Na ja, ich dachte, das gehoert ja wohl ein bisschen dazu. Erst als mein Pilot zu fluchen begann und sagte: “Wir haben einen Notfall!” habe ich meine Kamera zur Seite gelegt ;) Wir mussten also so schnell wie moeglich landen, was aber auf Grund des Gelaendes nicht so einfach war, da wir noch uber einem Huegel waren und die Flaeche mit Straeuchern, Kakteen und Steinen uebersaet waren. Wir erreichten schliesslich ein flaches Gebiet, konnten da aber nicht auf der Strasse landen, da genau daneben eine Stromleitung war. Wir mussten also in den Straeucher landen. Der Pilot wies mich an, die Beine und Arme anzuziehen. Wir landetenNach der Landung dann punktgenau zwischen Straeuchern auf dem Arsch. Trotz den Problemen in der Luft hatte ich nie grosse Angst, ich hatte immer das Gefuehl, dass der Pilot die Sache im Griff hat. Und in Panik verfallen waere sicher nicht hilfreich gewesen ;) . Cristian, der Pilot, musste dann schliesslich jede einzelne Schnur aus den Straeucher befreien und wir warteten am Strassenrand, bis wir abgeholt wurden.

Oben am Berg warteten noch einige Leute von meiner Gruppe, die aber wegen der Windbedingungen unregelmaessig starten konnten. Es erwischte sogar zwei, die acht Stunden auf dem Berg bei bruetender Hitze warteten und schliesslich nicht fliegen konnten!
Aber wir mussten auch langsam ans Heimfahren denken, da ungefaehr 8 Stunden Reisezeit vor uns lag. Schlussendlich sind wir dann um 19 Uhr losgefahren, statt um wie geplant um 14 Uhr.

Dieses Mal lief es sensationell schnell am Zoll. In der Rekordzeit von 90 Minuten haben wir die Grenze passieren koennen. Danach habe ich noch ein wenig gedoest, bis wir um 4 Uhr morgens dann in Santiago angkommen sind. Danach habe ich mit einem Amigo das Taxi geteilt. Als wir – beladen mit Weinkartons – einen Taxifahrer stoppten, sagte der gleich: “Ihr kommt aus Mendoza.” Aber ueber die Tatsache, dass wir in Argentinien Wein gekauft haben, konnte er nur den Kopf schuetteln. “Der Wein in Chile ist doch der Beste der Welt.”