Am 12. Oktober wird in Lateinamerika die Entdeckung Amerikas gefeiert. Dieser Feiertag wird jeweils auf den vorangehenden Montag verlegt. So kam es also, dass wir ein langes Wochenende vor uns hatten.
Mit einem von der Schule organisierten Bus fuhren wir am Samstagmorgen los Richtung Anden auf einer der Hauptverkehrsachen zwischen Chile und Argentinien. Wir fuhren an Portillo vorbei, eines der bekanntesten Skigebiete Chiles und es gab immer noch Leute, die Ski fuhren. Auf der Passhoehe auf ungefaehr 3000 Meter ueber Meer brauchten wir dann ungefaehr 3 Stunden um in Chile auszureisen, in Argentinien einzureisen und unser Gepaeck checken zu lassen. Ein spezielles Erlebnis fuer die meisten von uns, an der Grenze so lange warten zu muessen.
Auf der anderen Seite der Anden erwartete uns eine voellig andere Umgebung: Auf der chilenischen Seite war es relativ gruen mit Kakteen, wie ich es schon von der Reise nach Colorado oder La Campana kannte. Auf der Argentinischen Seite war es praktisch eine
Steinwueste.
Nach ueber 8 Stunden Reisezeit kamen wir schliesslich in Mendoza an. Auffaellig waren die vielen Geldwechselstuben in der Stadt. Da wechseln scheinbar alle Chilenen ihre chilenischen in argentinische Pesos um. Dei Stadt lebt von den chilenischen Touristen, die in Mendoza billiges Fleisch und Leder kaufen gehen.
Am Abend ging es auf eine Nacht-Stadtrundfahrt und anschliessend mussten zwei Raetsel geloest werden:
1. Ist das Fleisch in Argentinien das Beste der Welt?
Mein Bife de Chorizo war wirklich exzellent und im Preis unschlagbar (weniger als 5 Franken inklusive Dessert.)
2. Wohen in Argentinien die schoensten Frauen der Welt?
Wenn man sich in Santiago so umschaut, sieht man schon ein wenig Indioeinfluss aber das ist scheinbar kein Vergleich zu Bolivien oder Peru, wo ueber 80% Indios sind. Aber in Mendoza fuehlte ich mich fast so wie in Zuerich, wenn ich so die Leute anschaute. (Ein bisschen zu viele Blondinen fuer eine italienische Stadt
).
Auf jeden Fall habe ich noch nie so viele Fiats ausserhalb Italien gesehen.
Am Sonntag ging es am Vormittag zur Besichtigung von 2 Weinguetern und einer Produktionsstaette von Olivenoel. Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfuegung und wollten eigentlich Velos mieten, um die Stadt zu erkunden. Aber alle Geschaefte hatten geschlossen und wir sind dann zu Fuss durch die Strassen gelaufen.
Auffaellig sind erstmal die vielen Baeume am Strassenrand und die dazugehoerigen Bewaesserungskanaele. Da Mendoza nur 8 Regentage pro Jahr hat, ist die grosse Anzahl von Baeumen und Parks natuerlich auf eine gute Bewaesserung angewiesen.
Ich glaube ich bin noch in keiner Stadt gewesen, die so gruen ist und so viele Parks hat.
Die Strassen waren am Sonntagnachmittag wie leergefegt. Alle Leute klebten entweder vor TV oder Radio und haben den “Superclasico” (Fussballderby zwischen Boca Juniors und River Plate) verfolgt. Schraeg waren dann die Hupkonzerte nach dem Sieg von River Plate. Ungefaehr wie waehrend der WM, wenn die Leute nach einem Sieg ihrer Mannschaft durch die Strassen gefahren sind. Schraeg in dem Sinne, weil erstens Mendoza auch ueber eine Mannschaft in der ersten Liga verfuegt und zweitens Buenos Aires mehr als 1000 Kilometer entfernt liegt. Ich stelle mir gerade ein Hupkonzert in St. Gallen vor nach einem Sieg von Young Boys Bern…
Am Abend gab es dann im Hostel ein grosses Asado (Grillfest). Und wenn ich vorher dachte, dass die Chilenen es nicht so genau nehmen mit der Zeitangabe, dann sind die Argentinier noch einen Schritt weiter: Der Chef sagte, um 21 Uhr wird gegessen und um 2315 Uhr ging es dann auch wirklich los
Am Montag Morgen konnten wir dann zwischen 3 Aktivitaeten auswahlen: Rafting, Reiten und Paragliding. Da an der Schule noch ein Raftingausflug ansteht und ich noch nie Paragliden war, lag die Entscheidung natuerlich nahe.
Leider machte dann aber das Wetter (der Wind) nicht so mit und lange war es unklar, ob wir fliegen koennen. Wir sind dann aber trotzdem mal auf den Berg gefahren, um wenigstens die Aussicht geniessen zu koennen. Nach einiger Zeit haben sich die Piloten dann doch entschieden zu fliegen – und mich traf das Los, als erster zu fliegen.
Der Start verlief einfach und problemlos aber schon bald kamen wir in die ersten Turbulenzen. Na ja, ich dachte, das gehoert ja wohl ein bisschen dazu. Erst als mein Pilot zu fluchen begann und sagte: “Wir haben einen Notfall!” habe ich meine Kamera zur Seite gelegt
Wir mussten also so schnell wie moeglich landen, was aber auf Grund des Gelaendes nicht so einfach war, da wir noch uber einem Huegel waren und die Flaeche mit Straeuchern, Kakteen und Steinen uebersaet waren. Wir erreichten schliesslich ein flaches Gebiet, konnten da aber nicht auf der Strasse landen, da genau daneben eine Stromleitung war. Wir mussten also in den Straeucher landen. Der Pilot wies mich an, die Beine und Arme anzuziehen. Wir landeten dann punktgenau zwischen Straeuchern auf dem Arsch. Trotz den Problemen in der Luft hatte ich nie grosse Angst, ich hatte immer das Gefuehl, dass der Pilot die Sache im Griff hat. Und in Panik verfallen waere sicher nicht hilfreich gewesen
. Cristian, der Pilot, musste dann schliesslich jede einzelne Schnur aus den Straeucher befreien und wir warteten am Strassenrand, bis wir abgeholt wurden.
Oben am Berg warteten noch einige Leute von meiner Gruppe, die aber wegen der Windbedingungen unregelmaessig starten konnten. Es erwischte sogar zwei, die acht Stunden auf dem Berg bei bruetender Hitze warteten und schliesslich nicht fliegen konnten!
Aber wir mussten auch langsam ans Heimfahren denken, da ungefaehr 8 Stunden Reisezeit vor uns lag. Schlussendlich sind wir dann um 19 Uhr losgefahren, statt um wie geplant um 14 Uhr.
Dieses Mal lief es sensationell schnell am Zoll. In der Rekordzeit von 90 Minuten haben wir die Grenze passieren koennen. Danach habe ich noch ein wenig gedoest, bis wir um 4 Uhr morgens dann in Santiago angkommen sind. Danach habe ich mit einem Amigo das Taxi geteilt. Als wir – beladen mit Weinkartons – einen Taxifahrer stoppten, sagte der gleich: “Ihr kommt aus Mendoza.” Aber ueber die Tatsache, dass wir in Argentinien Wein gekauft haben, konnte er nur den Kopf schuetteln. “Der Wein in Chile ist doch der Beste der Welt.”