Archive for November, 2006

Chiloé

Monday, November 27th, 2006

Der urspruenliche Plan war es eigentlich, auf der Reise in den Sueden zwischen Pucón und Puerto Montt noch einen Abstecher nach Chiloé zu machen. Das Regenwetter und die dadurch resultierende Verzoegerung der Besteigung des Villarrica machte aber einen Strich durch diese Rechnung und ich beschloss eigentlich, ein anderes Mal nach Chiloé zu gehen.

Urspruenglich dachte ich auch, ich wuerde die Laguna San Rafael, die zwischen Puerto Natales und Puerto Montt liegt, besuchen. Nach dem ich aber schon die Gletscher Pio XI, Grey und Perito Moreno gesehen habe, verschob ich diesen Trip auf spaeter und flog direkt von Punta Arenas nach Puerto Montt.
Gletscher
Leider war Patagonien an diesem Tag mit Wolken ueberdeckt, so dass ich leider aus meinem Flugzeugfenster nicht viel erkennen konnte. Ich vermute aber, den Nationalpark Torres del Paine gesehen zu haben mit dem Lago Nordenskjöld. Ausserdem konnte ich viele beeindruckende Gletscherzungen erkennen.

ChiloéVon Puerto Montt fahren unzaehlige Busse nach Chiloé, meist muss man weniger als 15 Minuten warten.

Was wusste ich zuvor ueber Chiloé:

    • Regen an 366 Tagen – auch in Nicht-Schaltjahren
    • Alle Kirchen sind komplett aus Holz
    • Chiloé ist die zweitgroesste Insel Suedamerikas (nach Feuerland)

        Chiloé hat aber noch andere Sachen zu bieten. Durch die isolierte Lage und dadurch, dass die Insel vor der Gruendung Puerto Montts 1850 voellig ignoriert wurde, entwickelte sich hier eine eigene Kultur mit eigenen Taenzen, Architektur und typischem Essen.

        PalafitosNach vierstuendiger Busfahrt von Puerto Montt her kam ich in Castro, der Hauptstadt Chiloés an.
        Sehenswert hier waren die Holzkirche San Francisco und die Palafitos (“Pfahlbauer-Haeuser”).

        Chiloé ist mit einem guten Busnetz versehen, das es einem leicht macht, die Insel zu erkunden. So habe ich mich entschieden, am Nachmittag nach Tenaún zu fahren, wo die scheinbar schoenste Holzkirche der Insel steht.
        Am Busterminal habe ich dann rausgefunden, dass die Anzeige “Castro – Tenaún 1300-1330″ nicht bedeutet, dass der Bus um ein Uhr abfaehrt und man 30 Minuten spaeter in Tenaún ankommt, sondern dass der Bus irgendwann zwischen eins und halb zwei abfaehrt. Nach einer etwas ungemuetlichen Fahrt habe ich um halb drei mal gefragt, wie lange es noch nach Tenaún ginge: so etwa 30 Minuten mehr… Um 1510 sind wir dann in Tenaún angekommen und der einzige Bus von diesem Ort weg fuhr um 1530…

        Die Kirche von TenaúnIch habe dann also die Kirche fotografiert, bin noch etwas im Kaff rumgelaufen und schlussendlich in den selben Bus wieder eingestiegen, der mich schon hierher gebracht hatte. Der Busfahrer hat mich irgendwie komisch angeschaut. Er dachte wohl, ich sei ein bisschen bescheuert, ueber drei Stunden Bus zu fahren nur um ein Holzkirche zu fotografieren…
        Also geniesst diese Fotos, sie haben mich eine Menge Einsatz gekostet ;)

        Am Abend habe ich dann wieder Simone und Gregor getroffen, die ich im Nationalpark Torres del Paine kennengelernt habe und mit denen ich noch ein paar Tage rumgereist bin. Die Welt ist schon klein. Wir haben Curanto gegessen, die lokale Spezialitaet (Eintopf aus Muscheln, Hühnerfleisch, Würsten, Speck und Kartoffeln) und dann das Nachtleben von Castro erkundet.

        Am dritten Tag haben wir wieder einen Bus genommen und via Dalcahue auf die Insel Quinchao gefahren. Auch da waren saemtliche Haeuser aus Holz gebaut. Wir haben dann die obligatorischen Fotos der Kirche gemacht, etwas am Meer entlang gelaufen und schliesslich im einzigen geoeffneten Restaurant noch etwas getrunken.

        Uebrigens: Geregnet hat es in knapp vier Tagen ueberhaupt nicht, das Wetter war sensationell – wie schon in den letzten vier Wochen, die ich hier im Sueden verbracht habe.

        Punta Arenas

        Friday, November 24th, 2006

        Um fuenf Uhr morgens nahm ich den Bus von Ushuaia in Richtung Chile, die Reise sollte ungefaehr 12 Stunden dauern. Die FaehreDas war nur halb so schlimm, denn die Landschaft war ausserordentlich abwechslungsreich: Zuerst die Berglandschaft um Ushuaia, dann die Steppe und schliesslich der Atlantik. Nach dem Grenzuebertritt, der wieder langes Anstehen bedeutete, erreichten wir die Faehre an der Magellanstrasse. Die Stelle, an der wir die Meeresenge ueberquerten, war mit 4.5km eine der schmalsten Stelle der Magellanstrasse.

        Der Bus hatte dann Probleme mit der Kuehlung, so dass wir dann nur noch mit ca 40 bis 50 km/h Richtung Punta Arenas tuckerten und schliesslich nach 19 Uhr da ankamen. Die Zeit reichte aber noch, um mir einen Platz in einer Tour zu einer Pinguinkolonie fuer den naechsten Tag zu sichern.

        Das Mausoleum von MenendezPunta Arenas gefiel mir auf den ersten Blick sehr gut. Etwas Grossstadtcharme nach einigen Wochen Patagonien tat mir gut. Uebrigens ist ein paar Kilometer suedlich von hier der geografische Mittelpunkt Chiles. Toent komisch, ist aber so. Wenn man naemlich die von Chile beanspruchten Gebiete der Antarktis beruecksichtigt, ist man hier tief im Sueden trotzdem im Mittelpunkt des Landes.

        Da der Ausflug zur Pinguinkolonie erst am Nachmittag auf dem Programm stand, besichtigte ich am Vormittag den Friedhof von Punta Arenas. Laut Eigenwerbung einer der schoensten Friedhoefe Suedamerikas. Da ich schon in Buenos Aires den Friedhof La Recoleta gesehen habe, fand ich das ein bisschen ein grosses Versprechen. Aber sie haben nicht uebertrieben: einige der Mausoleen in Arenas wuerden auch eine gute Figur in Buenos Aires machen.
        Von Oktober bis Maerz brueten die Magellanpinguine am Strand des Otway-Sound, ein Meeresarm des Pazifiks. Diese Pinguinkolonie ist ca 60km von Arenas entfernt. Da die Pinguine von morgens acht Uhr bis Nachmittags 15 Uhr im Wasser sind, starten die Tours in die Kolonie jeweils um 16 Uhr.
        Magellan-Pinguine
        Die Magellanpinguine sind monogam und nutzen jedes Jahr den selben Brutplatz. Die kleinen Pinguine verlassen schon im Alter von 60 Tagen das Nest und folgen dem kalten Meerestrom nordwaerts – manche werden bis Rio de Janeiro gesichtet. Die Eltern raeumen den Nistplatz auf und folgen dann ein paar Tage spaeter ihren Jungen.

        El fin del mundo: Ushuaia

        Tuesday, November 21st, 2006

        Von El Chaltén gab es zwei Moeglichkeiten, nach Ushuaia zu gelangen: zuerst mit dem Bus vier Stunden nach El Calafate zu fahren und dann weitere 19 Stunden mit dem Bus zu fahren (50$) oder eine Stunde zu fliegen (150$) – keine wirklich schwere Entscheidung…

        UshuaiaGut erholt kam ich also am Ende der Welt an: Laut Eigenwerbung ist Ushuaia die suedlichste Stadt der Welt. Sie ignorieren damit, dass Puerto Williams (Chile) auf der anderen Seite des Beagle-Kanals noch 1,5 Grade tiefer liegt und immerhin auch fast 3000 Einwohner hat – aber so sind sie halt, die Argentinier ;)
        Auf jeden Fall war ich ueberrascht, wie viele hohe Berge es hier noch hat.

        Die Stadt wurde uebrigens Ende 19. Jahrhundert als Straeflingskolonie gegruendet, als Vorbild dienten den Argies Australien (Grossbritannien) oder Neukaledonien (Frankreich). Das Gefaengnis wurde 1947 geschlossen und zu einem Museum umgebaut. Heute ist Ushuaia vor allem Ausgangspunkt oder letzte Haltestelle auf einem Trip in die Antarktis.
        Unser BootGestern habe ich eine Bootstour im Beagle-Kanal unternommen. Habe extra noch gefragt, ob das Meer ruhig sei oder ob die Gefahr der Seekrankheit besteht. Der Typ hat mir gesagt, dass das Wasser voellig ruhig sei. Ich habe ihm trotzdem misstraut und meine Navimag-erprobten Medis eingeworfen. Und tatsaechlich, das Wetter verschlechterte sich ein bisschen und die Wellen wurden ca einen Meter hoch – also ziemlich hoch fuer meinen Geschmack. Aber ich hab mich hier schon zum Seebaer entwickelt (oder aber die Medikamente wirkten): Ich fuehlte mich absolut wohl.

        Kormorane und SeeloewenWir fuhren also ein paar Stunden im Beagle-Kanal rum und sahen einige Kormorane und Seeloewen.

        Zufaelligerweise war auch die Englaenderin, die ich in Pucón traf und mit der ich auf dem Schiff war, auch gerade in Ushuaia. Hab mich mit ihr auf ein Bier getroffen und sie hat mir den Tipp gegeben, moeglichst bald ein Busticket nach Punta Arenas zu besorgen, weil die Gefahr besteht, dass die Busse oft tagelang ausgebucht sind.

        Ich habe auf jeden Fall ein Ticket fuer den Mittwoch gekriegt und werde morgen wieder Chile und damit das Festland betreten. Die Fahrt beinhaltet auch noch eine Fahrt mit der Faehre ueber die Magellanstrasse und wird deshalb ungefaehr zwoelf Stunden dauern…

        El Chaltén: Fitzroy und Pferdereiten

        Sunday, November 19th, 2006

        Die Fahrt von El Calafate nach El Chaltén war eine der schoensten und eindruecklichsten, die ich je unternommen habe: Pampas, flach, keine Menschen, steckengerade Strassen bis zum Horizont, kitschiger Sonnenuntergang ueber dem Fitzroy. (Muss ich erwaehnen, dass der Kamera-Akku gerade leer war und der Ersatz unten im Bus lag?)

        Fitz Roy
        El Chaltén ist das neueste Dorf in Argentinien – es wurde 1985 von den Argentiniern gegruendet, bevor die Chilenen Anspruch erheben konnten. Die Grenzstreitigkeiten an dieser Stelle sind bis heute noch nicht geloest. Der Berg Fitzroy heisst in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén – deshalb der Name des Dorfes. Chaltén bedeutet eigentlich “Vulkan”… die Indianer haben es irgendwie nicht so genau genommen. Das Dorf hat einen gewissen Charme, da die Berge unmittelbar sichtbar sind und man nicht noch eine stundenlange Busfahrt vor sich hat wie in Puerto Natales oder in El Calafate. Ausserdem gibt es hier keine Bankautomaten, keine Handyantennen und keine Zeitungen – wirklich sehr abgelegen.

        Am ersten Tag haben wir uns fuer den Aufstieg zu einem Aussichtspunkt auf den Fitzroy entschieden. Wir waren vier Stunden unterwegs. Am Schluss folgte ein harter Aufstieg zur Laguna de los Tres von wo aus ein unglaublich blauer Bergsee sichtbar wurde… irgendwie scheinen das Wasser und die Gletscher hier in Patagonien blauer als in den Alpen…?

        Gaucho RomanAm zweiten Tag wollten wir die Cerro Torres besichtigen. Ein Berg uebrigens, der immer noch unbestiegen ist – sogar Reinhold Messner ist hier schon gescheitert. Und ich probierte mal etwas ganz neues aus: Pferdereiten!
        Auf einem Weg ueber drei Stunden sollten wir an einen Aussichtspunkt gelangen, von wo wir den Cerro Torres besichtigen koennten.
        Wir kriegten noch schnell eine kleine Einfuehrung im Reiten: Der Guide schaffte es, uns innerhalb einer Minute zu kleinen Gauchos auszubilden. Aber die Aufregung war nur halb so wild, ich sass einfach oben drauf und mein Pferd folgte brav dem Guide.
        Der Weg fuehrte durch Baeche, Moore, Stock und Stein. Eine kleine Aufregung gabs fuer mich jeweils wenn ich spuerte, dass das Pferd rutschte… aber im Grossen und Ganzen war das Pferd sehr sicher. Spektakulaer wurde es dann, als Gregors Pferd einen Umweg durch die Baeume einschlug aber die Koerperhoehe des Reiters nicht einkalkulierte. Gregor landete mit dem Hintern im Moor. Ich sah es passieren, aber mein Minimum an Anstand verbot es mir, die Kamera zu zuecken….

        Cerro Torres ohne Wolken ;)Als wir dann den Aussichtspunkt erreichten, war der Cerro Torres dann voellig in den Wolken und es gab keine Aussicht auf Besserung, so dass wir dann nochmals drei Stunden auf den Pferden talwaerts verbrachten… Am Abend waren wir fast noch mehr kaputt als nach fuenf Tagen Torres del Paine und gewisse Koerperteile schmerzten sehr ;)

        Puerto Natales – El Calafate

        Sunday, November 19th, 2006

        Als naechstes stand der argentinische Teil Patagoniens auf dem Programm. Auf der (vorwiegend Schotterpiste) 200km langen Strecke zwischen Puerto Natales und El Calafate fuhren wir an einigen Minenfeldern vorbei – wohl noch Ueberbleibsel vom Konflikt von 1978. Genau an der Grenze setzte dann ein Hagel- und Schneeschauer ein. Ein erstes Mal bot sich mir ein endloses Bild der Pampa.

        Gletscher Perito Moreno
        Von El Calafate fahren jeden Tag unzaehlige Busse in den Nationalpark “Los Glaciares”, wo der Gletscher Perito Moreno die Hauptattraktion ist. Pro Tag waechst dieser Gletscher ungefaehr einen Meter und es gibt dauernd Abbrueche. Die toenen zwar spektakulaer, aber wirklich grosse Brocken abbrechen sahen wir nicht. Wir hatten drei Stunden Aufenthalt am Gletscher, aber einem Gletscher beim Wachsen zuschauen ist etwa so interessant, wie einer Waschmaschine beim Waschen zuzuschauen.
        Leider gibt es in diesem Park kaum Wanderwege, so dass sich die Zeit bis zur Rueckfahrt ein bisschen hinzog.