Jedes Mal, wenn in meiner Abteilung bei Siemens jemand gekuendigt hat, wurde fuer diese Person Geld gesammelt. In meinem Fall haben meine Kollegen Geld zusammengelegt fuer die Fahrt mit der Faehre von Puerto Montt nach Puerto Natales. Vielen Dank nochmals dafuer!
Von Pucón ankommend, checkte ich gleich im Hafen ein und traf sogleich auf 5 Amerikaner, die ich an der Schule in Santiago kennengelernt habe. Auch eine Englaenderin, die im selben Hostal in Pucón untergebracht war, hatte die selbe Fahrt gebucht. Dummerweise war die Englaenderin sogar im selben Schlag wie ich untergebracht. Dummerweise deswegen, weil sie in Pucón so laut schnarchte, dass ich sie in der Nacht jeweils hoeren konnte, obwohl sie im ersten Stock und ich im Erdgeschoss schlief…
Da ich dauernd seekrank werde, habe ich in einer Apotheke Pillen gegen Reisekrankheit gekauft. Die Verkaeuferin hat mir gesagt, ich solle eine Pille zwei Stunden vor der Reise und dann alle acht Stunden eine nehmen. Auf dem Schiff wollte ich dann die erste zu mir nehmen, aber da der Beipackzettel fehlte, wusste ich nicht, ob ich das Medikament schlucken oder kauen sollte. Um ganz sicher zu gehen, habe ich eine Pille geschluckt und eine gekaut.
Auf jeden Fall war ich dann am Abend sehr muede und habe von 21 Uhr bis zum naechsten Tag um 8 Uhr geschlafen.
Das Wetter war hervorragend und die Landschaft sehr schoen und abwechslungsreich. Und zu wissen, dass die Leute die Geld fuer diesen Trip gesammelt haben, zu diesem Zeitpunkt wohl gerade alle arbeiten, machte den Aufenthalt sogar noch schoener
Danach nahm die Faehre Kurs auf die offene See und fuer die naechsten 12 Stunden waren Wellen angesagt. Ich war maechtig stolz, dass ich diese Phase heil ueberstanden habe.
Die Besatzung unternahm alles, um unseren Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu machen, entweder mit Vortraegen ueber die Region oder mit Filmen. Am Dienstagabend schauten wir den Film “Mi mejor enemigo” (Mein liebster Feind). Der Film spielt in Patagonien im Jahr 1978, als Chile und Argentinien kurz davor waren, einen Krieg um drei Inseln im Sueden anzufangen.
Am dritten Morgen kehrte die Faehre wieder in den Fjord zurueck und das Wasser wurde ruhiger. Wir machten wir einen Halt in Puerto Edén, einem kleinen Fischerdorf, das nur per Faehre erreichbar ist. Die 200 Bewohner gehoeren dem Stamm der Kawesqar an.
Am Nachmittag erreichten wir den Gletscher Pio XI., der groesste Gletscher auf der Suedhalbkugel. Sehr eindruecklich: er ist ca 6 km breit und 75m hoch.
Am Abend schauten wir den Film “Machuca”, der sehr beruehrend die Geschichte dreier Kinder vor und waehrend des Militaerputsches in Chile zeigte.
Am vierten Tag passierten wir die schmalste Stelle der Reise, die 80m breit war und um 11 Uhr morgens kamen wir in Puerto Natales an.
Alles in allem eine sehr schoene Reise in einer wunderschoenen Landschaft.