Archive for November 19th, 2006

El Chaltén: Fitzroy und Pferdereiten

Sunday, November 19th, 2006

Die Fahrt von El Calafate nach El Chaltén war eine der schoensten und eindruecklichsten, die ich je unternommen habe: Pampas, flach, keine Menschen, steckengerade Strassen bis zum Horizont, kitschiger Sonnenuntergang ueber dem Fitzroy. (Muss ich erwaehnen, dass der Kamera-Akku gerade leer war und der Ersatz unten im Bus lag?)

Fitz Roy
El Chaltén ist das neueste Dorf in Argentinien – es wurde 1985 von den Argentiniern gegruendet, bevor die Chilenen Anspruch erheben konnten. Die Grenzstreitigkeiten an dieser Stelle sind bis heute noch nicht geloest. Der Berg Fitzroy heisst in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén – deshalb der Name des Dorfes. Chaltén bedeutet eigentlich “Vulkan”… die Indianer haben es irgendwie nicht so genau genommen. Das Dorf hat einen gewissen Charme, da die Berge unmittelbar sichtbar sind und man nicht noch eine stundenlange Busfahrt vor sich hat wie in Puerto Natales oder in El Calafate. Ausserdem gibt es hier keine Bankautomaten, keine Handyantennen und keine Zeitungen – wirklich sehr abgelegen.

Am ersten Tag haben wir uns fuer den Aufstieg zu einem Aussichtspunkt auf den Fitzroy entschieden. Wir waren vier Stunden unterwegs. Am Schluss folgte ein harter Aufstieg zur Laguna de los Tres von wo aus ein unglaublich blauer Bergsee sichtbar wurde… irgendwie scheinen das Wasser und die Gletscher hier in Patagonien blauer als in den Alpen…?

Gaucho RomanAm zweiten Tag wollten wir die Cerro Torres besichtigen. Ein Berg uebrigens, der immer noch unbestiegen ist – sogar Reinhold Messner ist hier schon gescheitert. Und ich probierte mal etwas ganz neues aus: Pferdereiten!
Auf einem Weg ueber drei Stunden sollten wir an einen Aussichtspunkt gelangen, von wo wir den Cerro Torres besichtigen koennten.
Wir kriegten noch schnell eine kleine Einfuehrung im Reiten: Der Guide schaffte es, uns innerhalb einer Minute zu kleinen Gauchos auszubilden. Aber die Aufregung war nur halb so wild, ich sass einfach oben drauf und mein Pferd folgte brav dem Guide.
Der Weg fuehrte durch Baeche, Moore, Stock und Stein. Eine kleine Aufregung gabs fuer mich jeweils wenn ich spuerte, dass das Pferd rutschte… aber im Grossen und Ganzen war das Pferd sehr sicher. Spektakulaer wurde es dann, als Gregors Pferd einen Umweg durch die Baeume einschlug aber die Koerperhoehe des Reiters nicht einkalkulierte. Gregor landete mit dem Hintern im Moor. Ich sah es passieren, aber mein Minimum an Anstand verbot es mir, die Kamera zu zuecken….

Cerro Torres ohne Wolken ;)Als wir dann den Aussichtspunkt erreichten, war der Cerro Torres dann voellig in den Wolken und es gab keine Aussicht auf Besserung, so dass wir dann nochmals drei Stunden auf den Pferden talwaerts verbrachten… Am Abend waren wir fast noch mehr kaputt als nach fuenf Tagen Torres del Paine und gewisse Koerperteile schmerzten sehr ;)

Puerto Natales – El Calafate

Sunday, November 19th, 2006

Als naechstes stand der argentinische Teil Patagoniens auf dem Programm. Auf der (vorwiegend Schotterpiste) 200km langen Strecke zwischen Puerto Natales und El Calafate fuhren wir an einigen Minenfeldern vorbei – wohl noch Ueberbleibsel vom Konflikt von 1978. Genau an der Grenze setzte dann ein Hagel- und Schneeschauer ein. Ein erstes Mal bot sich mir ein endloses Bild der Pampa.

Gletscher Perito Moreno
Von El Calafate fahren jeden Tag unzaehlige Busse in den Nationalpark “Los Glaciares”, wo der Gletscher Perito Moreno die Hauptattraktion ist. Pro Tag waechst dieser Gletscher ungefaehr einen Meter und es gibt dauernd Abbrueche. Die toenen zwar spektakulaer, aber wirklich grosse Brocken abbrechen sahen wir nicht. Wir hatten drei Stunden Aufenthalt am Gletscher, aber einem Gletscher beim Wachsen zuschauen ist etwa so interessant, wie einer Waschmaschine beim Waschen zuzuschauen.
Leider gibt es in diesem Park kaum Wanderwege, so dass sich die Zeit bis zur Rueckfahrt ein bisschen hinzog.

Nationalpark Torres del Paine

Sunday, November 19th, 2006

Was macht man in Puerto Natales? Richtig, man bucht seinen Trip in den Nationalpark Torres del Paine.

Als ich also mit der Navimag in Natales ankam, ging es darum, mich fuer eine Route zu entscheiden und einen Platz in den entsprechenden Berghuetten zu reservieren.
Wie die meisten entschied ich mich, das “W” zu machen. das wDer W-Kurs (rot) sieht vor, dass man das Tal der Torres del Paine, dann das Valle Francés und zum Schluss am Lago Grey bis zum Grey-Gletscher wandert und hat eine Laenge von 75km. Es wird empfohlen, fuer diese Route drei bis vier Tage zu planen. Da ich genuegend Zeit habe, habe ich fuenf Tage vorgesehen und habe vier Naechte in Refugios (Berghuetten) gebucht. Trotzdem dass erst November ist und damit Nebensaison, war ein Refugio schon ausgebucht und ich musste dann eine Nacht in einem Zelt verbringen.

Tag 1:
Torres del PaineUm 7 Uhr wurde ich bei meinem Hostal abgeholt und nach zwei Stunden kamen wir im Nationalpark an und wurden beim Eingang aus dem Bus geworfen. Da warteten schon Minibusse, die uns zum Ausgangspunkt der Wanderung zu den Torres fuehren wuerden… fuer 1000 Pesos (2.50CHF) mehr. Irgendwie hatte ich genug von diesen Extra-Sachen. Immer, wenn man in Chile einen Alles-Inklusive-Trip bucht, kommt irgendwo noch ein Typ daher und verlangt zusaetzliche Kohle. Ich bin ja wohl eher jemand, der sein Geld mit beiden Haenden aus dem Fenster wirft, aber dieses Mal hatte ich genug, habe mir das Geld gespart und zusaetzliche 7.5km gelaufen.

Auf dem Weg zu den Torres sind immer nur zwei Tuerme sichtbar, deshalb muss man die ganzen vier Stunden laufen, um dann alle drei zu sehen. Das Wetter wurde immer besser und der Aufstieg wurde mit einer grandiosen Sicht auf die Torres wirklich belohnt.

Weil der W-Kurs aus drei Talwanderungen besteht, muss man die Wege immer zwei Mal machen… was aber andererseits den Vorteil hat, dass man den schweren Rucksack am Anfang des Tales deponieren kann.

Beim Nachtessen habe ich dann Leute wieder getroffen, mit denen ich in Pucón den Vulkan bestiegen habe und habe noch ein schweizer Paerchen – Gregor und Simone – kennengelernt.
Meine Beine waren auf jeden Fall sehr muede nach fast zehn Stunden wandern und ich fragte mich noch, wie sie sich am naechsten Tag anfuehlen werden.

Tag 2:Los Cuernos

Erstaunlicherweise waren meine Beine sehr gut erholt. Gemeinsam mit Gregor und Simone machte ich mich auf den Weg. Die Ruhe und die Einsamkeit unterwegs waren sehr eindruecklich.
Ausserdem war es erstaunlich warm, statt wie erwartet mit Wollmuetze und Winterjacke wanderten wir mit Shirts und Shorts.
Am zweiten Tag sind wir zwar “nur” vier Stunden gelaufen, aber da ich den ganzen Weg den Rucksack trug, war es trotzdem ermuedend. Wir wurden aber mit einer schoenen Aussicht auf die Cuernos del Paine belohnt.
Da das Refugio ausgebucht war, musste ich in einem Zelt schlafen, welches ich aber gluecklicherweise nicht selber tragen musste, sondern vor Ort mieten konnte. In der Nacht regnete es dann, aber weil jemand mit Ahnung (nicht ich ;) ) das Zelt aufgestellt hatte, blieb ich und meine Sachen im Zelt trocken.

Valle FrancésTag 3:

Mittlerweile war unser schweizer Grueppchen schon auf fuenf Personen angewachsen: Carmen und Marco schlossen sich der Expedition an. Der Trip fuehrte uns an den Cuernos vorbei auf den mittleren Arm des W-Rundkurses in das Valle Francés, ein Tal mit Waeldern und Gletschern.
Am Nachmittag setzte Wind und Regen ein und schliesslich kamen wir voellig durchnaesst im naechsten Refugio an – so hatten wir also trotzdem unsere Patagonienerfahrung ;)
Dieses Refugio war brandneu… nicht mit Berghuettencharme wie das zuvor, aber immerhin mit einer grandiosen Aussicht auf den See und die Berge.

Gletscher GreyTag 4:

An diesem Tag stand nur eine Wanderung von 3.5 Stunden am Lago Grey entlang auf dem Progamm. Es war seeeeehr windig und drohte eigentlich dauernd zu regnen, aber es blieb trocken. Nach dem Mittag waren wir im Refugio angekommen, checkten ein und liefen dann noch naeher an den Gletscher. Hier hatte ich dann wirklich das Gefuehl als waere ich am Ende der Welt. Ich war froh, fuenf Tage fuer den Nationalpark geplant zu haben anstatt in drei Tagen hier durchzurennen. So konnte ich mich auch gut erholen, denn der Rucksack fuehlte sich jeden Tag ein bisschen schwerer an :)
Viele Touristen, die ich hier sah, hatten zu wenig Zeit. Die meisten machten ein Gesicht, als ob sie auf einem Gefangenentransport waeren und nicht in ihren Ferien. Ausserdem waren nachts um 10 Uhr immer schon alle anderen im Bett. Unser kleines Grueppchen war regelmaessig das letzte im Restaurant… aber trotzdem morgens nicht das letzte, das aus der Huette ging.

Tag 5:

Wir machten uns schon um 8 Uhr auf den Weg, um den Mittagskatamaran zu kriegen. So wuerden wir den fruehren Bus nach Puerto Natales erreichen und so um 17 Uhr zurueck sein, anstatt erst um 22 Uhr. Das Wetter war einmal mehr sensationell. Unglaublich, in fuenf Tagen hatten wir nur ganz wenig Regen. Ich hatte eher Schnee und Regen erwartet, aber statt dessen lief ich an zwei Tagen mit Shorts.
Am Abend trafen wir uns dann im Mesita Grande und genossen eine sensationelle Pizza. Zum Dessert konnte ich mich nicht zwischen Mousse au (Toblerone-)Chocolat und Panna Cotta entscheiden und hab dann halt schweren Herzens beide gegessen…