Um fuenf Uhr morgens nahm ich den Bus von Ushuaia in Richtung Chile, die Reise sollte ungefaehr 12 Stunden dauern. Das war nur halb so schlimm, denn die Landschaft war ausserordentlich abwechslungsreich: Zuerst die Berglandschaft um Ushuaia, dann die Steppe und schliesslich der Atlantik. Nach dem Grenzuebertritt, der wieder langes Anstehen bedeutete, erreichten wir die Faehre an der Magellanstrasse. Die Stelle, an der wir die Meeresenge ueberquerten, war mit 4.5km eine der schmalsten Stelle der Magellanstrasse.
Der Bus hatte dann Probleme mit der Kuehlung, so dass wir dann nur noch mit ca 40 bis 50 km/h Richtung Punta Arenas tuckerten und schliesslich nach 19 Uhr da ankamen. Die Zeit reichte aber noch, um mir einen Platz in einer Tour zu einer Pinguinkolonie fuer den naechsten Tag zu sichern.
Punta Arenas gefiel mir auf den ersten Blick sehr gut. Etwas Grossstadtcharme nach einigen Wochen Patagonien tat mir gut. Uebrigens ist ein paar Kilometer suedlich von hier der geografische Mittelpunkt Chiles. Toent komisch, ist aber so. Wenn man naemlich die von Chile beanspruchten Gebiete der Antarktis beruecksichtigt, ist man hier tief im Sueden trotzdem im Mittelpunkt des Landes.
Da der Ausflug zur Pinguinkolonie erst am Nachmittag auf dem Programm stand, besichtigte ich am Vormittag den Friedhof von Punta Arenas. Laut Eigenwerbung einer der schoensten Friedhoefe Suedamerikas. Da ich schon in Buenos Aires den Friedhof La Recoleta gesehen habe, fand ich das ein bisschen ein grosses Versprechen. Aber sie haben nicht uebertrieben: einige der Mausoleen in Arenas wuerden auch eine gute Figur in Buenos Aires machen.
Von Oktober bis Maerz brueten die Magellanpinguine am Strand des Otway-Sound, ein Meeresarm des Pazifiks. Diese Pinguinkolonie ist ca 60km von Arenas entfernt. Da die Pinguine von morgens acht Uhr bis Nachmittags 15 Uhr im Wasser sind, starten die Tours in die Kolonie jeweils um 16 Uhr.
Die Magellanpinguine sind monogam und nutzen jedes Jahr den selben Brutplatz. Die kleinen Pinguine verlassen schon im Alter von 60 Tagen das Nest und folgen dem kalten Meerestrom nordwaerts – manche werden bis Rio de Janeiro gesichtet. Die Eltern raeumen den Nistplatz auf und folgen dann ein paar Tage spaeter ihren Jungen.