Archive for November, 2006

Nationalpark Torres del Paine

Sunday, November 19th, 2006

Was macht man in Puerto Natales? Richtig, man bucht seinen Trip in den Nationalpark Torres del Paine.

Als ich also mit der Navimag in Natales ankam, ging es darum, mich fuer eine Route zu entscheiden und einen Platz in den entsprechenden Berghuetten zu reservieren.
Wie die meisten entschied ich mich, das “W” zu machen. das wDer W-Kurs (rot) sieht vor, dass man das Tal der Torres del Paine, dann das Valle Francés und zum Schluss am Lago Grey bis zum Grey-Gletscher wandert und hat eine Laenge von 75km. Es wird empfohlen, fuer diese Route drei bis vier Tage zu planen. Da ich genuegend Zeit habe, habe ich fuenf Tage vorgesehen und habe vier Naechte in Refugios (Berghuetten) gebucht. Trotzdem dass erst November ist und damit Nebensaison, war ein Refugio schon ausgebucht und ich musste dann eine Nacht in einem Zelt verbringen.

Tag 1:
Torres del PaineUm 7 Uhr wurde ich bei meinem Hostal abgeholt und nach zwei Stunden kamen wir im Nationalpark an und wurden beim Eingang aus dem Bus geworfen. Da warteten schon Minibusse, die uns zum Ausgangspunkt der Wanderung zu den Torres fuehren wuerden… fuer 1000 Pesos (2.50CHF) mehr. Irgendwie hatte ich genug von diesen Extra-Sachen. Immer, wenn man in Chile einen Alles-Inklusive-Trip bucht, kommt irgendwo noch ein Typ daher und verlangt zusaetzliche Kohle. Ich bin ja wohl eher jemand, der sein Geld mit beiden Haenden aus dem Fenster wirft, aber dieses Mal hatte ich genug, habe mir das Geld gespart und zusaetzliche 7.5km gelaufen.

Auf dem Weg zu den Torres sind immer nur zwei Tuerme sichtbar, deshalb muss man die ganzen vier Stunden laufen, um dann alle drei zu sehen. Das Wetter wurde immer besser und der Aufstieg wurde mit einer grandiosen Sicht auf die Torres wirklich belohnt.

Weil der W-Kurs aus drei Talwanderungen besteht, muss man die Wege immer zwei Mal machen… was aber andererseits den Vorteil hat, dass man den schweren Rucksack am Anfang des Tales deponieren kann.

Beim Nachtessen habe ich dann Leute wieder getroffen, mit denen ich in Pucón den Vulkan bestiegen habe und habe noch ein schweizer Paerchen – Gregor und Simone – kennengelernt.
Meine Beine waren auf jeden Fall sehr muede nach fast zehn Stunden wandern und ich fragte mich noch, wie sie sich am naechsten Tag anfuehlen werden.

Tag 2:Los Cuernos

Erstaunlicherweise waren meine Beine sehr gut erholt. Gemeinsam mit Gregor und Simone machte ich mich auf den Weg. Die Ruhe und die Einsamkeit unterwegs waren sehr eindruecklich.
Ausserdem war es erstaunlich warm, statt wie erwartet mit Wollmuetze und Winterjacke wanderten wir mit Shirts und Shorts.
Am zweiten Tag sind wir zwar “nur” vier Stunden gelaufen, aber da ich den ganzen Weg den Rucksack trug, war es trotzdem ermuedend. Wir wurden aber mit einer schoenen Aussicht auf die Cuernos del Paine belohnt.
Da das Refugio ausgebucht war, musste ich in einem Zelt schlafen, welches ich aber gluecklicherweise nicht selber tragen musste, sondern vor Ort mieten konnte. In der Nacht regnete es dann, aber weil jemand mit Ahnung (nicht ich ;) ) das Zelt aufgestellt hatte, blieb ich und meine Sachen im Zelt trocken.

Valle FrancésTag 3:

Mittlerweile war unser schweizer Grueppchen schon auf fuenf Personen angewachsen: Carmen und Marco schlossen sich der Expedition an. Der Trip fuehrte uns an den Cuernos vorbei auf den mittleren Arm des W-Rundkurses in das Valle Francés, ein Tal mit Waeldern und Gletschern.
Am Nachmittag setzte Wind und Regen ein und schliesslich kamen wir voellig durchnaesst im naechsten Refugio an – so hatten wir also trotzdem unsere Patagonienerfahrung ;)
Dieses Refugio war brandneu… nicht mit Berghuettencharme wie das zuvor, aber immerhin mit einer grandiosen Aussicht auf den See und die Berge.

Gletscher GreyTag 4:

An diesem Tag stand nur eine Wanderung von 3.5 Stunden am Lago Grey entlang auf dem Progamm. Es war seeeeehr windig und drohte eigentlich dauernd zu regnen, aber es blieb trocken. Nach dem Mittag waren wir im Refugio angekommen, checkten ein und liefen dann noch naeher an den Gletscher. Hier hatte ich dann wirklich das Gefuehl als waere ich am Ende der Welt. Ich war froh, fuenf Tage fuer den Nationalpark geplant zu haben anstatt in drei Tagen hier durchzurennen. So konnte ich mich auch gut erholen, denn der Rucksack fuehlte sich jeden Tag ein bisschen schwerer an :)
Viele Touristen, die ich hier sah, hatten zu wenig Zeit. Die meisten machten ein Gesicht, als ob sie auf einem Gefangenentransport waeren und nicht in ihren Ferien. Ausserdem waren nachts um 10 Uhr immer schon alle anderen im Bett. Unser kleines Grueppchen war regelmaessig das letzte im Restaurant… aber trotzdem morgens nicht das letzte, das aus der Huette ging.

Tag 5:

Wir machten uns schon um 8 Uhr auf den Weg, um den Mittagskatamaran zu kriegen. So wuerden wir den fruehren Bus nach Puerto Natales erreichen und so um 17 Uhr zurueck sein, anstatt erst um 22 Uhr. Das Wetter war einmal mehr sensationell. Unglaublich, in fuenf Tagen hatten wir nur ganz wenig Regen. Ich hatte eher Schnee und Regen erwartet, aber statt dessen lief ich an zwei Tagen mit Shorts.
Am Abend trafen wir uns dann im Mesita Grande und genossen eine sensationelle Pizza. Zum Dessert konnte ich mich nicht zwischen Mousse au (Toblerone-)Chocolat und Panna Cotta entscheiden und hab dann halt schweren Herzens beide gegessen…

Von Puerto Montt nach Puerto Natales

Thursday, November 9th, 2006

Jedes Mal, wenn in meiner Abteilung bei Siemens jemand gekuendigt hat, wurde fuer diese Person Geld gesammelt. In meinem Fall haben meine Kollegen Geld zusammengelegt fuer die Fahrt mit der Faehre von Puerto Montt nach Puerto Natales. Vielen Dank nochmals dafuer!

Von Pucón ankommend, checkte ich gleich im Hafen ein Navimagund traf sogleich auf 5 Amerikaner, die ich an der Schule in Santiago kennengelernt habe. Auch eine Englaenderin, die im selben Hostal in Pucón untergebracht war, hatte die selbe Fahrt gebucht. Dummerweise war die Englaenderin sogar im selben Schlag wie ich untergebracht. Dummerweise deswegen, weil sie in Pucón so laut schnarchte, dass ich sie in der Nacht jeweils hoeren konnte, obwohl sie im ersten Stock und ich im Erdgeschoss schlief…

Da ich dauernd seekrank werde, habe ich in einer Apotheke Pillen gegen Reisekrankheit gekauft. Die Verkaeuferin hat mir gesagt, ich solle eine Pille zwei Stunden vor der Reise und dann alle acht Stunden eine nehmen. Auf dem Schiff wollte ich dann die erste zu mir nehmen, aber da der Beipackzettel fehlte, wusste ich nicht, ob ich das Medikament schlucken oder kauen sollte. Um ganz sicher zu gehen, habe ich eine Pille geschluckt und eine gekaut.
Auf jeden Fall war ich dann am Abend sehr muede und habe von 21 Uhr bis zum naechsten Tag um 8 Uhr geschlafen.

RegenbogenDas Wetter war hervorragend und die Landschaft sehr schoen und abwechslungsreich. Und zu wissen, dass die Leute die Geld fuer diesen Trip gesammelt haben, zu diesem Zeitpunkt wohl gerade alle arbeiten, machte den Aufenthalt sogar noch schoener ;)  

Danach nahm die Faehre Kurs auf die offene See und fuer die naechsten 12 Stunden waren Wellen angesagt. Ich war maechtig stolz, dass ich diese Phase heil ueberstanden habe.

Die Besatzung unternahm alles, um unseren Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu machen, entweder mit Vortraegen ueber die Region oder mit Filmen. Am Dienstagabend schauten wir den Film “Mi mejor enemigo” (Mein liebster Feind). Der Film spielt in Patagonien im Jahr 1978, als Chile und Argentinien kurz davor waren, einen Krieg um drei Inseln im Sueden anzufangen.

Am dritten Morgen kehrte die Faehre wieder in den Fjord zurueck und das Wasser wurde ruhiger. Wir machten wir einen Halt in Puerto Edén, einem kleinen Fischerdorf, das nur per Faehre erreichbar ist. Die 200 Bewohner gehoeren dem Stamm der Kawesqar an.
Pio XIAm Nachmittag erreichten wir den Gletscher Pio XI., der groesste Gletscher auf der Suedhalbkugel. Sehr eindruecklich: er ist ca 6 km breit und 75m hoch.

Am Abend schauten wir den Film “Machuca”, der sehr beruehrend die Geschichte dreier Kinder vor und waehrend des Militaerputsches in Chile zeigte.

Am vierten Tag passierten wir die schmalste Stelle der Reise, die 80m breit war und um 11 Uhr morgens kamen wir in Puerto Natales an.
Alles in allem eine sehr schoene Reise in einer wunderschoenen Landschaft.

Volcan Villarrica

Saturday, November 4th, 2006

Gestern hatte es auch den ganzen Tag geregnet. Eduardo hat mich zusammen mit seinem Sohn in die Terme Las Puzones (die Pfuetzen) mitgenommen. Ein Teil des Wassers des Flusses wird unterirdisch durch das Magma erwaermt und stroemt mit 80 Grad Celsius aus dem Boden. Im ersten Bad war es circa 45 Grad heiss…

Irgendwann gegen Abend hoerte es dann schlussendlich auf zu regnen und die Wolken rissen auf. Und auf dem Rueckweg von den Termen nach Pucón sah ich ihn dann endlich: Den Vulkan! Bevor es dunkel wurde, waren alle Wolken weg und ich konnte mich auf einen wunderschoenen Tag freuen.

Unsere WandergruppeSchon um halb acht morgens ging es los Richtung Nationalpark bis auf eine Hoehe von 1200m. Was bedeutete, dass noch einiges fehlte bis zur Spitze auf 2840m. Unglaublich, wie viel Schnee es hier noch auf dieser Hoehe hat. Unser Guide schnallte uns zuerst die Steigeisen an und erklaerte uns anschliessend, wie wir uns zu verhalten haben, falls wir ausrutschen sollten.Eine Eruption

In langsamen, aber stetem Tempo erreichten wir nach ueber vier Stunden den Gipfel. Unglaublich! Ich wusste ja, dass der Vulkan aktiv ist, aber ich dachte, dass damit der Rauch gemeint ist. Aber so circa alle 10 Minuten gab es eine Mini-Eruption, wo Lava ausgespieen wird… unheimlich. Aber das Warten nach zwei Tagen Regen hat sich definitiv gelohnt.

Danach rutschen wir auf dem Hosenboden Richtung Tal, ein Riesenspass!

Pucón

Thursday, November 2nd, 2006

Auf meinem Trip Richtung Patagonien stecke ich momentan in Pucón fest. Pucón ist der Ausgangspunkt fuer viele Aktivitaeten wie Bergsteigen, Rafting und alle anderen moeglichen Aktivitaeten. Das Problem ist nur, dass es praktisch seit drei Tagen ununterbrochen regnet und somit die Unternehmungen einschraenkt.

Vulkan VillarricaJeden Tag wird fuer den naechsten Tag schoenes Wetter vorausgesagt. Dieses Mal hoffe ich aber wirklich, dass es morgen Freitag eintrifft, denn ich will den Vulkan Villarrica besteigen. Der Vulkan ist heute noch aktiv und hat 2006 zum letzten Mal Lava gespiehen. Scheinbar raucht es dauernd aus seiner Spitze. Das konnte ich bis jetzt leider noch nicht sehen, denn der Vulkan ist seit Tagen in den Wolken.

In der Stadt hat es auch ueberall Vulkan-Warnsysteme, die bei einem drohenden Ausbruch zur Evakuation auffordern. Im Moment ist aber alles gruen.

Als ich gestern in Pucón ankam, hat mich Eduardo auf dem Busterminal angesprochen und mich dann in sein Hostal mitgenommen. Eigentlich ist Eduardo Journalist fuer seine Internetzeitung Noticias de Pucón. Er nimmt das ziemlich ernst und ist immer vor Ort, wenn in der Region irgendwo ein Sack Mais umfaellt. Ich habe es nun immerhin auch schon in seine Zeitung geschafft.

Aber er ist ein lustiger Kerl und zeigt mir trotz Regens ein bisschen die Umgebung – und wengistens kann ich mein Spanisch anwenden.

Fotos von Pucón und Umgebung: Link1, Link2 

Buenos Aires

Wednesday, November 1st, 2006

Christoph - der Oesterreicher, der in der selben Familie wohnte wie ich – hatte ebenfalls am letzten Freitag seinen letzten Schultag. Und an seinem letzten Wochenende in Suedamerika wollte er noch etwas unternehmen.
Zuerst dachten wir daran, fuer ein paar Tage auf die Osterinseln zu fliegen. Aber weil die nur am Mittwoch und Sonntag angeflogen werden, mussten wir umplanen und kamen so auf die Idee, fuer ein paar Tage nach Buenos Aires zu fliegen.

Plaza San MartinSelten hat mich eine Stadt so schnell in ihren Bann gezogen wie Buenos Aires. Diese schoene Architektur, die vielen Parks, die grossen Plaetze. Daneben kam mir Santiago wie eine Provinzstadt vor.

Am Sonntag waren wir im Quartier La Boca und haben all die farbigen Haeuser bestaunt. Nachher gings nach San Telmo an einen Markt und liefen ein bisschen den Staenden entlang. Aus diesem “ein bisschen” wurden schlussendlich ca 2km. Ich habe noch nie einen Markt gesehen, der sich ueber so eine Laenge gezogen hat.

La Boca 

An meinem letzten Tag habe ich noch den Friedhof in La Recoleta besucht. Hier ist alles beerdigt, was in Argentinien Rang und Namen hatte: Generaele, Staatschefs usw. Auch Evita Peron oder Juan Manuel Fangio liegen da. Einige Mausoleen hatten die Groesse einer kleiner Kapelle.

Nachher habe ich mich im Palermo-Quartier noch mit Kaffee abgefuellt. Ich hatte grosse Probleme mit meinem Koffeinhaushalt nach zwei Monaten Nescafe-Bruehe in Santiago.