Archive for December, 2006

San Pedro de Atacama und Bolivien

Sunday, December 31st, 2006

Atacama-WuesteSan Pedro ist eine Oase in der Atacama- Wueste, der trockensten Wueste der Welt. Einige Wetterstationen hier haben seit ihrem Bestehen keinen einzigen Tropfen Wasser gemessen!Heute dient San Pedro als Ausgangspunkt fuer viele Aktivitaeten: Ausfluege zu Geysiren, ins Mond- und Todestal und zu Lagunen. Zuerst dachte ich, ich wuerde einige Eintagesausfluege machen, es wurde mir aber empfohlen, eine Viertagestour nach Bolivien zu unternehmen, da man da auch Geysire, Lagunen und Salzseen besichtigt und das ganze eindruecklicher sei.

So habe ich also die Tour zum Salar de Uyuni – der groesste Salzsee der Welt – gebucht. Gleich am Dorfrand stand erst mal die Ausreisekontrolle auf dem Programm. Der chilenische Beamte liess seine Kraft spielen und liess vier Frauen (¡que lata! ;) ) aus unserer Gruppe wegen Visumproblemen nicht ausreisen, wonach unsere Gruppe auf sechs Personen schrumpfte. Danach fuhren wir ungefaehr 50km durch das Niemandsland in der Wueste, wo dann mitten im Nirgendwo die Bolivianische Grenzkontrolle auftauchte. In Bolivien wechselten wir dann vom Bus in einen 4WD-Toyota, denn die “Strassen” wurden von nun an sehr holprig.

LaguneAn unzahligen Lagunen fuehrte unser Weg vorbei und wir konnten unzaehlige Flamingos besichtigen. Zu Mittag badeten wir in einer Thermalquelle. Danach stiegen wir mit dem Auto bis auf 4900m hoch um die Geysire “Sol de Mañana” zu sehen. Unglaublich war der Laerm der diese Geysire veranstalten. Der Wasserdampf scheint mit riesigem Druck auszustroemen. Danach fuhren wir zum Hostal, in dem wir die erste Nacht verbringen sollten, das direkt an der Laguna Colorado auf 4300m liegt. Die Laguna Colorado veraendert je nach Wind und Sonne ihre Farbe und beherbergt viele Flamingos.

Ueber Nacht hat die Hoehenkrankeit ein erstes Opfer gefordert: Eine Hollaenderin litt unter starken Kopfschmerzen und Uebelkeit. Wir hofften, dass sich ihre Symptome bessern wuerden im Laufe des Tages, da ein Abstieg auf 3600m auf dem Plan stand.

Arbol de piedraObwohl wir durch eine Wueste fuhren, war die Landschaft extrem abwechslungsreich. Sehr interessant, welche Gebilde Wind und Wasser aus Stein formen koennen. Wir stoppten dann am Arbol de Piedra, eine Steinskulptur mitten in der Steinwueste. Danach stoppten wir an einer weiteren Lagune und sahen noch mehr Flamingos… Ueber Stock und Stein kamen wir am Rande des Salar de Uyuni an: Unsere Unterkunft fuer diese Nacht wurde voellig aus Salz gebaut: Waende, Tische, Stuehle, Bette… alles wurde aus dem Salz des Sees gebaut.

Am dritten Tag wurden wir schon um halb vier morgens geweckt, damit wir auf dem Salar den Sonnenaufgang bewundern konnten. Schon ziemlich eindruecklich, so mitten auf einem Salzsee, dessen Flaeche fast einem Viertel der Flaeche der Schweiz entspricht… Salz bis zum Horizont. Nach dem Sonnenaufgang gings weiter zur Isla de Pescado, die mit unzaehligen Kakteen ueberwachsen ist. Diese Kakteen wachsen pro Jahr einen Centimeter – der groesste Kaktus mit 12m ist also 1200 Jahre alt!Kaktus

Mitten auf dem Salzsee gibt es ein weiteres Salzhotel, das allerdings heute als Museum gebraucht wird. Der Grund fuer die Stilllegung des Hotels war die Verunreinigung des Salzes durch die Toiletten des Hotels. Das Salz des Sees wird von den Anwohnern naemlich abgebaut und entweder gegessen oder auch andersweitig genutzt. (Die obersten sechs Meter des Salzsees bestehen aus purem Salz – bei 120m Tiefe.)

Am Rande des Salzsees kamen wir dann in Uyuni an: Eine Stadt mit 11000 Einwohnern im Nirgendwo. Ausserdem war es eine voellig andere Welt verglichen mit Chile. Frauen traditionell gekleidet, die Menschen sahen sowieso voellig anders aus, keine asphaltierten Strassen… Zu Mittag assen wir bei unserem bolivianischen Fahrer und dessen Familie. Seine Frau servierte Lama-Fleisch. Vom Aussehen her aehnelte das Fleisch Schweinefleisch, wenn da nicht dieser komische sternfoermige Knochen gewesen waere. War auf jeden Fall sehr gut.

Am Stadtrand befindet sich der “Zug-Friedhof” (Cementerio de trenes), wo ein Haufen ausrangierter Dampflokomotiven vor sich hinrostet. Danach fuhren wir etwa vier Stunden weiter Richtung Chile und in einem kleinen Dorf uebernachteten wir schliesslich zum letzten Mal auf unserer Tour…

Salar de Uyuni…aber nur bis drei Uhr morgens. Der letzte “Tag” besteht naemlich nur aus dem Ruecktransfer nach San Pedro. Da die Fahrt ueber Stock und Stein fuehrte, war Schlafen unmoeglich. Ich fragte mich, ob dieser letzte Teil nicht den Menschenrechtskonventionen widerspricht. Es grenzte schon stark an Folter: Schlafentzug, Holpern, Laerm und nichts zu Essen. Schliesslich kamen wir ziemlich kaputt um 10 Uhr an der Grenze an.

Am Nachmittag entspannte ich mich erstmal in der Haengematte und als am spaeteren Nachmittag die Hitze nachliess, mietete ich mir ein Bike und ein Sandboard und ins Valle de la Muerte (“Todestal”) geradelt. Da befindet sich eine 120m hohe Sandduene, die man mit dem Brett runterfahren kann. Im Gegensatz zum Snowboarden kann man aber keine Kurven fahren, es geht einfach nur gerade runter. Valle de la muerte Ausserdem muss man sein Gewicht auf den hinteren Fuss verlagern, da sich sonst dauernd die Spitze im Sand eingraebt. Ausserdem war es auch sehr anstrengend, die Duene raufzulaufen und war ein bisschen entmutigend: Zehn Minuten rauflaufen, um anschliessend 30 Sekunden runterzufahren – aber wenigstens war die Aussicht schoen.

Chuquicamata

Tuesday, December 26th, 2006

Am 25. Dezember bin ich also nach Calama geflogen um mir am naechsten Tag die Kupfermine in Chuquicamata anzusehen und dann weiterzureisen nach San Pedro de Atacama – laut Lonely Planet das Mekka der Backpacker.

Schnell wurde mir im Flugzeug klar, dass es Richtung Wueste geht. Schon kurz nach Santiago kann man kaum noch Vegetation sehen, stattdessen beginnt ein karger Abschnitt, der bis nach Calama nicht aendert.

Calama ist eine Minenstadt und nicht wirklich schoen anzuschauen. Der Ausflug nach Chuquicamata (Chuqui) oder die Weiterreise nach San Pedro sind oft die einzigen Gruende, hier vorbeizuschauen.

Chuqui liegt ca. 15km von Calama entfernt und wird langsam zur Geisterstadt. Die Bewohner werden nach Calama umgesiedelt, da einerseits der Boden verseucht ist, und andererseits durch die Vergroesserung der Mine die Stadt mit abgetragenem Schutt ueberdeckt werden wird.

Am Anfang der Tour wurde die Erzeugung des Kupfers erklaert. Steine mit einem Kupfergehalt von 1% werden abgebaut und anschliessend verkleinert und gemahlen. Nach verschiedenen Prozessen entstehen Kupferplatten mit einem Reinheitsgrad von 99.99%. Chile ist der weltweit groesste Erzeuger von Kupfer (40% des Weltkupfers) und exportiert eine Mehrheit der Erzeugnisse nach Asien (vor allem China). Die Mine ist seit 90 Jahren in Betrieb und wird noch weitere 90 Jahre Kupfer liefern. In der Umgebung rechnet man mit Kupferreserven, die ca 150 weitere Jahre reichen.

Die Mine

Danach ging es mit einem Bus zur Aussichtsplattform, von wo aus man die groesste Mine der Welt besichtigen kann: 5km lang, 3km breit und 900m tief. Voraussichtlich im Jahr 2012 wird die maximale Tiefe von 1.2km erreicht werden. Statische Probleme und eine tektonische Verschiebung, die genau durch die Mine verlaeuft, verhindern eine noch groessere Tiefe. Danach wird unterirdisch abgebaut. Uebrigens enthaelt nur die rechte Seite Kupfergestein. Die linke Seite wird aus Symmetriegruenden abgebaut.

Taeglich werden 180.000 Tonnen Gestein abgebaut. Bei einem 365 Tage/24 Stunden-Schichtbetrieb entstehen so 600.000 Tonnen Kupfer pro Jahr. Rund 22.000 Arbeiter sind in der Mine beschaeftigt.

Lastwagen

Ausserdem steht bei der Aussichtsplattform noch ein ausrangierter Lastwagen. Ziemlich eindruecklich sein Fassungsvermoegen mit 170 Tonnen. Heute arbeiten jedoch Lastwagen mit einer Kapazitaet von 400 Tonnen!

Nach der Tour fuhr ich wieder nach Calama zurueck und sicherte mir einen Platz in einem Bus nach San Pedro.

Millionär!

Sunday, December 24th, 2006

Die Gringos bei Adecco haben mir angekuendigt, innerhalb von zwei Wochen mitzuteilen, ob ich noch im Rennen sei. Aber noch am gleichen Tag haben sie mir angerufen und wollten mich sofort unter Vertrag nehmen! Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber schon fuer das Angebot von BBR entschieden. Zum einen interessiert mich die Arbeit da mehr, die Leute scheinen sympatisch und nach Siemens wollte ich sowieso fuer eine kleine Firma arbeiten. Ausserdem waere die Arbeitssprache bei den Amis englisch und ich sehe eigentlich keinen Grund, nach Chile zu gehen und dann den ganzen Tag englisch zu sprechen ;)

Der Lohn ist mit 1′000′000 Pesos ok, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittslohn in Santiago bei 400′000 Pesos und der Minimallohn bei ungefaehr 200 Franken monatlich liegt. Da die Firma fuer Auslaender keine Abgaben fuer die staatliche Kranken- und Pensionsversicherung zahlen muss, zahlen sie mir diesen Betrag (circa 20% des Lohnes) zusaetzlich aus… nicht schlecht, auch wenn ich diese Kohle dann der freiwilligen AHV “spenden” werde. Auf jeden Fall werde ich mir dann ganz schoen reich vorkommen, wenn ich dann ab Ende Januar siebenstellige Betraege auf meinem Konto haben werde ;)
Mein erster Arbeitstag wird dann schon der 2. Januar 2007 sein. Die Arbeitszeiten liegen fest bei 9 bis 19 Uhr mit einer bis eineinhalb Stunden Mittagspause… ich vermisse die Gleitzeit jetzt schon :( Aber das ist hier so ueblich. Ferien habe ich drei Wochen pro Jahr. Besser als nichts: In Chile kann es auch sein, dass man in seinem ersten Arbeitsjahr bei einem neuen Arbeitgeber gar keine Ferien hat!

So muss ich also meine letzten “Ferientage” hier noch ausnutzen. Habe mir einen Flug nach Calama gekauft, werde mir da die Kupfermine Chuquicamata anschauen und dann weiterreisen nach San Pedro de Atacama. Da hoffe ich dann, eine Tour zu machen zum Salar de Uyuni (Bolivien), dem groessten Salzsee der Welt. Abflug ist am 25. und am 31. werde ich wieder in Santiago sein, um das neue Jahr zu feiern bevor dann frueh schon der Ernst des Lebens wieder los geht.

Die Entscheidung?

Wednesday, December 20th, 2006

Die letzten Tage waren ziemlich ereignisreich. Praktisch taeglich riefen mich Leute an, um ein Vorstellungsgespraech zu vereinbaren.

BBR lud mich gestern zu einem weiteren Interview ein, das allerdings nur daraus bestand, mir den Job anzubieten, fuer den ich mich beworben habe. Ich muss sagen, dass mich diese Arbeit wirklich sehr interessieren wuerde. Sie arbeiten mit den neuesten Technologien und die groessten Firmen Chiles zaehlen zu ihren Kunden. Die Leute machen einen guten Eindruck und wuerden mich natuerlich auch bei der Visabeschaffung helfen, was allerdings kein grosses Problem sein wird.

Der Grund, warum ich nicht sofort zusagte, ist, dass ich durch Adecco zu einem weiteren Interview gekommen bin. Zuerst hatte ich zwei psychologische Tests (Luescher-Farbtest, eine Art IQ-Test, und noch weitere) und da es sich um eine nordamerikanische Firma handelte, musste ich noch am Instituto Chileno Norteamericano den TOEIC-Test ablegen.

Da die Amis scheinbar mein CV mochten und ich den besten Englisch-Test aller Adecco-Kandidaten ablegte, wurde ich heute morgen als erster zum Interview gebeten. Zum Gespraech waren sechs Leute anwesend und ich musste zuerst einen Fuenfminuten-Vortrag halten. Das Thema war voellig offen und so waehlte ich das Thema “Gletscher“. Das Interview lief eigentlich ganz gut. Sie fragten mich, welchen Abschnitt in der Softwareentwicklung ich am wenigsten mag. Ich antwortete, dass ich lieber implementiere und teste als den Unterhalt zu machen. Das Problem war, dass sie gerade Leute fuer diesen Bereich (Maintenance & Customizing) suchen… autsch ;)

Nun, wie weiter? Ich habe BBR gesagt, dass ich mich bis morgen Donnerstag bei ihnen melde betreffend Zu- oder Absage. Von Adecco erhalte ich erst in ca zwei Wochen Bescheid, ob ich noch weiter im Rennen liege. Lohnmaessig ist das Angebot etwa gleich… Groesse: BBR: ca 60 Leute, amerikanische Firma: 12′500.

Entscheidungshilfen nehme ich gerne bis morgen per Mail oder Comment entgegen ;)

Das erste Jobinterview

Wednesday, December 13th, 2006

Gestern hatte ich mein erstes Jobinterview in Chile bei einer kleineren Software-Firma in Santiago. Ich habe mich also in meinen Anzug geschmissen, Krawatte umgebunden – muss ich erwaehnen, dass es gerade ueber 30 Grad heiss war? – und mit der Metro nach Las Condes (der Geschaeftsbezirk Santiagos) gefahren.

Die Ueberraschung meinerseits war dann gross, als der Chef der Entwicklungsabteilung mich auf Deutsch angespochen hat. Er ist Deutscher und lebt seit ueber drei Jahren in Santiago und mit ihm habe ich dann praktisch eine Stunde geredet. Meine Papiere – Lebenslauf, beglaubigtes und uebersetztes Diplom – haben ihn nicht gross interessiert. Papiere seien nicht so viel Wert in Chile, da die Chilenen sehr viele Sachen in ihre Lebenslaeufe schreiben wuerden, die nicht der Wahrheit entsprechen. So wollte er also von meinen vorherigen Projekten hoeren und stellte mir einige technische Fragen. (Was ist Polymorphismus, wozu dienen Interfaces, aus welchen Schritten besteht normalerweise ein Prozess zur Herstellung einer Software…) Eigentlich ueberraschend einfache Fragen, denn die Jobbeschreibung hoerte sich komplexer an.

In der letzten Viertelstunde kam dann noch einer der Geschaeftsleiter dazu und mit ihm fuehrte ich dann mehr oder weniger Smalltalk: Wie lange schon in Chile, wieso Chile, was wissen die Schweizer ueber Chile… Es ist uebrigens ueblich in Chile, beim Absenden der Bewerbung auch seine Gehaltsforderung anzugeben. Meine Forderung ist sicher hoch, bin aber bereit, darueber zu verhandeln. Aber der Boss hat akzeptiert ohne zu handeln.

Das Interview ist also vielversprechend verlaufen. Der einzig schlechte Punkt war, dass die Firma schon einige schlechte Erfahrungen mit Auslaendern gemacht hat, weil einige schon nach drei bis vier Monaten wieder gegangen sind. So oder so kann ich von ihnen in der naechsten Woche die Entscheidung erwarten.