Archive for December, 2006

Augusto Pinochet Ugarte †

Monday, December 11th, 2006

Gestern Sonntag, 10. Dezember 2006, ist Pinochet so gestorben, wie es vielen seinen Gegnern verwehrt blieb: Im Kreise seiner Familie.

Seit dem Infarkt Pinochets am 3. Dezember wurde in Chile darueber geraetselt, ob Pinochet ein Staats- oder “nur” ein Militaerbegraebnis erhalten wuerde. Die Praesidentin wehrte diese Frage mit der Begruendung ab, sie wuerde nicht ueber die Beerdigung noch lebender Personen reden. Nach dem Tod Pinochets wurde dann entschieden, dass der fruehere Diktator ein Militaerbegraebnis bekomme, denn er sei kein demokratisch gewaehlter Praesident gewesen. Unbestritten hingegen ist, dass er 25 Jahre oberster Militaer gewesen ist und sogar 1973 vom damaligen Praesidenten Allende in dieses Amt gehievt wurde.

Dass die Praesidentin Bachelet keine Freundin Pinochets war, ist klar. Sie und viele ihre damaligen Freunde wurden nach dem Staatsstreich gefoltert. Was aber nicht stimmt, ist dass ihr Vater vom Regime zu Tode gefoltert wurde – das konnte ich gestern in mehreren deutschsprachigen Nachrichtenseiten lesen. Bachelets Vater war Militaer unter Allende, weigerte sich aber, Pinochet zu folgen. Er wurde inhaftiert und starb im Gefaegnis an einem Herzinfarkt – also an einem natuerlichen Tode. (Auch wenn das zugegebenermassen zynisch klingt.)

Die Reaktionen der Leute hier war gespalten: Auf der einen Seite gab es Anhaenger, die den Verlust ihres “Padres”, den brennende Alameda Retter des Vaterlandes beklagten und beweinten. Fuer viele Chilenen ist er der Begruender des “modernen Chiles” und ohne ihn waere Chile heute ein sozialistischer Staat wie Cuba. Allerdings haben sich zuletzt einige Anhaenger von Pinochet abgewendet, als auskam, dass er mindestens 27 Mio. US$ auf auslaendische Konten transferiert hat. So wurde ihre Illusion des vaterlandsliebenden Soldaten zerstoert.

Dann gab es natuerlich auch die andere Seite, die den Tod mit Champagner trinken und Hupkonzerten feierten. Wie immer kam es bei den Demonstrationen zu gewaltsamen Aussschreitungen, da sich immer auch Delinquenten unter die Demonstranten mischen und randalieren um des Randalierens willen.

Viele Chilenen sind aber hin- und hergerissen zwischen Wut und Trauer darueber, dass Pinochet nie fuer seine Taten verurteilt wurde. Auch fuer eine Entschuldigung ist es nun definitiv zu spaet – auch wenn es eine Illusion war, darauf zu hoffen. Fuer den Exdiktator waren Werte wie Menschenrechte oder Demokratie nur “Ideen oder Experimente der Marxisten”. Er selbst sagte noch 2002, dass er absolut ein ruhiges Gewissen ueber die Vergangenheit habe.

In diesen Tagen zeigt sich aber auch der Komplex der Chilenen. Durch die Geografie fuehlen sie sich an den Rand der Wahrnehmung der Welt gedraengt und ringen dauernd um Anerkennung. Dreht sich das Scheinwerferlicht der Wahrnehmung der Welt auf Chile, lamentieren sie hingegen, dass nun sowieso nur Negatives wie Diktatur oder Folter hinausgetragen wird.

Eine Wohnung!

Tuesday, December 5th, 2006

Letzten Montag bin ich ueber Nacht von Chiloé wieder nach Santiago gefahren. Ein Katzensprung, der im Bus in nur 17 Stunden zurueckgelegt wurde…

In Santiago ist definitiv der Sommer ausgebrochen:

Wettervorhersage

Das Wetter wird sich bis Ende Februar nicht aendern. Mal schauen, wie angenehm das wird. Es gibt hier zwar den Fluss Mapocho, aber der ist zur Abkuehlung garantiert nicht zu empfehlen. Ihr solltet die Gesichter der Chilenen sehen, wenn ich sage, dass wir in schweizer Staedten in den Fluessen und Seen baden koennen.

Erste Prioritaet hatte in Santiago zuerst die Wohnungssuche. Da Pedro sein Angebot, bei ihm in Halbpension zu wohnen, von $90 auf $600 erhoehte, suchte ich mir eine moeblierte Wohnung an guter Lage. Die Suche gestaltete sich als einfacher als erwartet – definitiv einfacher als in Zuerich. Wer wuerde schon einem Auslaender ohne Job in der Schweiz eine Wohnung vermieten?

Na ja, einige Wohnungen entpuppten sich aber als ziemliche Loecher und ueber den Geschmack der Wohnungseinrichtungen liess sich mehr als diskutieren. Ich habe mich dann schliesslich fuer eine Zweizimmerwohnung mit 40m2 entschieden. Ziemlich klein und das “Bett” besteht aus zwei uebereinander gelegten Matratzen – welche mir Rueckenschmerzen bereiten. Gewoehnungsbeduerftig war auch, dass die Wohnungen hier weder vom Vorgaenger noch vom Besitzer geputzt werden. Ich bin ja definitiv kein Sauberkeitsfanatiker und als Backpacker lernt man auch, seine Hygieneansprueche etwas zurueckzusetzen. Aber als erstes habe ich einen Lappen zur Hand genommen und die Wohnung vom groebsten Schmutz befreit.
Ich konnte einfach nicht widerstehen: Die Lage ist einfach sensationell… und ich werde wohl nicht eine Ewigkeit da wohnen.

Ich wohne nun in der Comuna de Santiago, welche von den Einheimischen oft nur als “Centro” bezeichnet wird. Zum Museum Bellas Artes – das mitten im Parque Forestal liegt – benoetige ich gerade mal zwei Minuten. Ebenfall gerade um die Ecke liegt ein weiteres Wahrzeichen der Stadt: Der Cerro Santa Lucía. Und die Plaza De Armas ist auch gerade nur vier Blocks entfernt – von wo es wieder nur ein Katzensprung zur La Moneda ist. Also viel zentraler geht es nicht! Dafuer zahle ich dann ca 500 CHF (ohne Gas, Wasser und Strom.)

Parque Forestal Bellas Artes Plaza De Armas

Seit Montag gehe ich wieder an die gute alte ECELA – die Spanischschule, wo ich schon im September und Oktober war. Morgens vier Lektionen Spanisch und die Nachmittage verbringe ich damit, Sachen zu scannen und zu uebersetzen, Jobvermittlungsseiten im Internet zu suchen und schliesslich meinen Lebenslauf zu verschicken.