Archive for January, 2007

Offiziell

Tuesday, January 30th, 2007

So, nun bin ich auch offiziell in Santiago angemeldet.

Bin heute mit dem Heimatschein auf die schweizerische Botschaft, die nur gerade zwei Metrostationen vom Arbeitsort entfernt liegt, gegangen.

Habe alle moeglichen Papiere ausgefuellt, um auch von hier aus die SVP waehlen zu koennen. Den Heimatschein habe ich gerade erst aus der Schweiz erhalten, deshalb bin ich erst jetzt auf die Botschaft gegangen. Dabei habe ich aber herausgefunden, dass ein weiteres Papier fehlt: Die AHV-Karte, damit ich der freiwilligen AHV beitreten kann. Dieses Papier liegt aber irgendwo in der Schweiz und muss mir nachgeschickt werden… *winkmitdemZaunpfahlanmeineSchwester*

Sportliches

Tuesday, January 30th, 2007

Tennis ist hier – nach Fussball – sehr populaer. Viele meiner Arbeitskollegen spielen es und sind natuerlich Fans von Fernando González. Einer hier hat es ein bisschen zu optimistisch gesehen und gegen mich ein Mittagessen gewettet, dass González gegen Federer im Final des Australian Open gewinnen wuerde… komischerweise schwaenzt er nun seit Montag das Mittagessen ;)

Und wenn mich die Chilenen wegen dem Fussball nerven, dass sie ja soviel besser waeren als die Schweizer, dann zeige ich ihnen folgendes Bild, auf dem die 32 Laender aufgefuehrt sind, die an der letzten WM in Deutschland gespielt haben. Ich frage dann: “Zeig mir mal, wo Chile ist…”

Karte

Die meistgehoerte Antwort darauf ist: Aber wir wurden schon einmal Dritte – 1962. *gaehn* :)

Was essen und trinken die Chilenen?

Thursday, January 25th, 2007

Ein wichtiges Thema, denn die Chilenen lieben ihr Essen und essen gerne.

Typische und wichtige Zutaten:

  • Ají: Die Chilischote wird in Chile Ají genannt. Ebenfalls die Chilisauce, die man an jedem Fastfoodstand oder in fast jedem Restaurant findet.
  • Avocado: In Chile Palta genannt und sowas wie die Nationalfrucht. In vielen Gerichten findet man Palta, es gibt sogar Drinks mit Palta (war allerdings nicht wirklich lecker). Zum Fruehstueck zerdrueckt man eine Palta mit einer Gabel (ja, das ist moeglich – hier sind die Avocados schoen zart und nicht so steinhart wie in der Schweiz ;) ) und wuerzt das Mus mit Salz. Diese Avocadosauce schmiert man sich dann auf das Brot und belegt es mit Schinken und Kaese. Also ein ganz normales Sandwich, nur dass man statt Butter Avocado benutzt.
  • ChirimoyaChirimoya: Urspruenglich aus Peru, Ecuador und Kolumbien. Geschmack nach…. mhh? Etwas wie Birne, Erdbeere oder Melone. Schwierig zu sagen. Auf jeden Fall ein bisschen muesahm zu essen, die Chirimoya besteht fast aus mehr Kernen als aus Fruchtfleisch ;) Um den Geschmack zu verstaerken, uebergiesst man die Chirimoyastueckchen in seinem Schaelchen mit Orangensaft. Oder man mixt sie mit Weisswein, das wird Borgoña genannt. (Mix aus Erdbeeren und Rotwein wird ebenfalls Borgoña genannt… lecker.)
  • Choclo: So wird der Mais in Chile und in vielen Laendern Lateinamerikas genannt.
  • Lúcuma: LúcumaEine Frucht, die nur in Ecudaor, Perú und Chile waechst. Schmeckt ein bisschen nach Nuss oder Kastanie. Sehr gut als Mus oder Glace zum Dessert.
  • Papa: Suedamerikanischer Name fuer Patatas (Kartoffeln). Den Namen Patatas findet man nur bei Patatas fritas – die Chilenen meinen damit aber nicht Pommes frites, sondern Pommes Chips. Und ebenfalls nicht zu verwechseln mit Papá (der Vater).
  • Pebre: Steht ebenfalls in jedem Restaurant auf dem Tisch. Besteht aus Tomaten, Zwiebeln, Petersilie und Ají. Kann man sich aufs Brot schmieren oder zum Wuerzen seines Essens benutzen.

Fast Food, findet man fast an jeder Ecke in Chile:

  • Choripan: CompletoSo genannt nach seinen zwei Bestandteilen: Gegrillte Chorizo und Pan (Brot).
  • Churrasco: Rindfleisch, in Streifen geschnitten und gegrillt. In Hamburgerbroetchen serviert und meistens mit Avocadosauce.
  • Completo: Die chilenische Form des Hotdogs. Also logischerweise mit Brot, Wuerstchen, dazu aber noch mit Avocado, Sauerkraut, Tomaten/Pebre, Senf und/oder Ketchup.
  • Empanadas: Teigtaschen, meistens findet man Empanadas de Queso (Kaese) oder de Pina (Hackfleisch, Zwiebeln, Oliven, hartgekochtes Ei). Aber es gibt auch Empanadas mit Meeresfruechten… sehr gut!
  • Lomito: Wie Churrasco, aber mit Schweinefleisch.

Hauptspeisen:

  • Anticucho: Spiess, mit Fleisch, Huhn oder Meeresfruechten.
  • Lomo a lo pobreCarne/Pollo/Pescado a lo pobre: Ein Stueck Fleisch, Huhn oder Fisch mit Pommes frites, gebratenen Zwiebeln und einem oder zwei Spiegeleiern. Der Name bedeutet sowas wie “nach Art der Armen”, ist aber sehr nahrhaft und nicht billig ;)
  • Cazuela: Suppe/Eintopf, entweder mit Rinds- oder Huehnerfleisch und Gemuese (meistens Mais, Bohnen, Kartoffeln und Zwiebeln).
  • Curanto: Eine Spezialitaet aus Chiloé. Hauptsaechlich Meeresfruechte, aber auch Wuerste und Fleisch. Traditionellerweise wird Curanto in einem Loch in der Erde zubereitet. Das Loch wird mit heissen Steinen gefuellt, darauf wird das Fleisch gelegt. Dann wird das ganze mit Pangue-Blaettern (ein Strauch, typisch im Sueden Chiles). Wenn Curanto in einem Topf zubereitet wird – also eigentlich nicht traditionellerweise – nennt man es Pulmay.
  • Ensalada a la Chilena: Tomatensalat mit vielen Zwiebeln und Olivenoel.
  • Humitas: HumitasSowas wie die chilenische Form der Polenta, aber der Mais ist etwas grobkoerniger. Zur Zubereitung wird der Mais in Maisblaettern eingewickelt und in heissem Wasser gekocht. Einige Leute essen Humitas mit Zucker – aber alle essen es mit Tomatenstuecken oder Ensalada a la Chilena.
  • Lentejas: Linseneintopf.
  • Paila Marina: Suppe mit Meeresfruechten. Ein Muss in Santiago im Mercado Central oder natuerlich in Valparaiso auch auf dem Mercado.
  • Pan amasado: Salziges Brot, das man vor allem auf dem Land findet.
  • Panqueques de papa: Kartoffelomeletten.
  • Pastel de choclo: PorotosMaisauflauf mit derselben Fuellung wie in den Empanadas de pino – also Hackfleisch, Zwiebeln, Oliven und hartgekochtes Ei.
  • Porotos granados: Bohneneintopf, mit Mais und Wuerstchen oder Schinken.

Getraenke:

Natuerlich sind die Chilenen sehr stolz auf ihren Rotwein, Pisco Souraber das Nationalgetraenk ist eindeutig der Pisco: Ein Traubenschnaps. Haeufig kriegt man den 35%-Pisco in den Bars, es ist aber zu empfehlen, ein bisschen mehr Geld auszugeben fuer einen >40%-Pisco. Ist erstens besser und gibt zweitens weniger Kopfschmerzen am folgenden Tag ;)
Wenn es ein Nationaldrink gibt, dann ist das natuerlich der Pisco Sour: Pisco (zwei Drittel) und Zitronensaft (ein Drittel) mit Puderzucker und einem Eiweiss. Der Pisco Sour ist uebrigens auch Nationalgetraenk in Perú und der Streit darueber, wer den Pisco “erfunden” hat, dauert noch immer an und wird hart gefuehrt.
Andere typische Getraenke:

  • Aguardiente: Schnaps (Sammelbegriff)
  • Chicha: Auch ein Kandidat fuer das Nationalgetraenk.Eine Art Saurer Apfelsaft. Wird vor allem am Nationalfeiertag getrunken.
  • Cola de mono: Getraenk mit Aguardiente, Milch, Kaffee und Zimt. Schmeckt aehnlich wie Baileys und wird zur Weihnachtszeit getrunken.
  • Fanschop: Bier mit Fanta. Panaché, also Bier mit Sprite, ist unbekannt.
  • Jote: Rotwein und Coca-Cola.
  • Licor de oro: Auch eine Spezialitaet aus Chiloé, die haupsaechlich aus Milch besteht aber die Bestandteile bleiben geheim. Wird nur zu bestimmten Anlaessen gebraut – ich hatte Pech. Als ich in Chiloé war, konnte ich es nicht probieren.
  • Licuados (Milchshakes) und Jugos (Fruchtsaefte).
  • Mote con huesillos: Mote con huesillosSaft von getrockneten Pfirsichen mit einer Art Koernern. Eisgekuehlt sehr erfrischend an heissen Tagen.
  • Nescafé: Die Chilenen trinken haeufig diese braune Bruehe, die man faelschlicherweise mit Kaffee verwechseln koennte. Ich habe ganz Santiago durchsucht und schliesslich eine Cafetera gefunden (Aluminium-Espressomaschine).
  • Piscola: Pisco mit Coca-Cola, wird manchmal analog dem Cuba Libre auch Chile libre genannt.
  • Schop: Ein Bier vom Fass, also die chilenische “Stange”.

Der chilenische Alltag besteht nicht nur aus Desayuno (Morgenessen), Almuerzo (Mittagsessen) und Cena (Abendessen). Die vierte Mahlzeit wird Once – also Elf – genannt. Man sollte zum Once aber nicht um 11 Uhr vormittags auftauchen, die Chilenen wuerden einen schraeg anschauen. Once ist naemlich sowas wie der Geheimname fuer den Schnaps Aguardiente, dessen Name aus elf Buchstaben besteht. ¿Tomamos un once? (Trinken wir einen Once?) hat also seine bestimmte Bedeutung… Zum Once nimmt man haeufig Kaffee und Kuchen.
Strudel und Kuchen (manchmal auch Küchen geschrieben) sind uebrigens regulaere Bestandteile der chilenischen Form der spanischen Sprache.

La Rojita

Sunday, January 21st, 2007

Die Fussballnationalmannschaft wird “La Roja” (die Rote) genannt, die U20 demzufolge “La Rojita”. Zurzeit findet in Paraguay die U20-Suedamerika-Meisterschaft statt, und nachdem die Rojita die Vorrunde ueberstanden und nun Kolumbien 5-0 geschlagen hat, stehen die Chancen gut, sich fuer die U20-WM in Kanada und fuer die Olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren… wieso ich das alles schreibe? Schaut euch mal das Tor zum 5-0 an. ;) (Ab 3 Minuten 15 Sekunden.) Beim Kommentar handelt es sich um die Leute des chilenischen Canal 13 – die schreien bei jedem Goal so, ob Ehrentreffer in einem Freundschaftsspiel oder meisterschaftsentscheidendes Tor :)

Die Erde bebt

Friday, January 19th, 2007

Letzte Woche hatten wir schon ein kleines Temblor (Staerke 2), aber das ist ja hier nicht der Rede wert. Das zittert ein bisschen – als ob draussen ein 40-Toenner vorbeifaehrt.

Heute hat es schon ein bisschen mehr und laenger gerumpelt, und das in zwei Stoessen. Die  anderen haben weitergearbeitet, als ob nichts waere und haben sich lustig gemacht: “Schaut mal, Roman ist schon ganz weiss im Gesicht!”

Wie ich dann spaeter rausgefunden habe, war es nur ein Temblor der Staerke 3… sowas produzieren die Schweizer ja auch selbst ;)
In den Nachrichten wird das Temblor als “Erbeben mit geringer Intensitaet” bezeichnet, das ausserdem vom Oficina Nacional de Emergencia vorausgesagt wurde. Also alles halb so schlimm.