Jetzt, da ich dem arbeitenden Teil der chilenischen Gesellschaft angehoere, fuehre ich eine neue Kategorie in meinem Blog ein: “Typisch Chile”. Hier fuehre ich Sachen auf, die ich in Chile als unterschiedlich zur Schweiz empfinde und als typisch bezeichne.
Zum Beispiel:
- Schau immer, dass du Kleingeld dabei hast. Wenn du einen Eintritt fuer 4000 Pesos mit einer 5000 Pesos-Note zahlen willst, muss du damit rechnen, dass kein Wechselgeld vorhanden ist.
- Verabredungen sind erst dann Verabredungen, wenn der Partner auch wirklich auftaucht. Dass fuenf bis zehn Minuten Verspaetung als ueberpuenktlich gelten, daran habe ich mich gewohnt. Absagen fuenf Minuten vor dem Termin wegen Meinungsaenderung sollten aber nicht persoenlich genommen werden.
- Verlange nicht von Chilenen, dass sie zwei Sachen auf einmal machen oder die unwichtige fuer eine wichtigere Aufgabe unterbrechen: Wenn der Barkeeper Glaeser abwaescht, muss man warten, bis alles sauber ist. Erst danach kann er dir dein Bier bingen.
- Bier bestellt man sowieso in 1-Liter-Falschen und mit mindestens zwei Glaesern um das Bier zu teilen.
- Es wird geduzt: Beim Vorstellungsgespraech, wenn man den (zukuenftigen) Chef zum ersten Mal sieht; die Sekretaerin die mit dir am Telefon den Interviewtermin abmacht; der Verkaeufer, der dir einen Anzug verkauft. Frauen werden zu Beginn auf die Wange gekuesst – immer.
- An jedem Arbeitstag beim Betreten des Bueros am Morgen begruesst man alle bereits Anwesenden mit einem Haendedruck. Weibliche Mitarbeiterinnen werden zusaetzlich auf die Wange gekuesst.
- Beim Jobinterview wird man gefragt, ob man verheiratet ist oder eine Freundin hat. Dies aus dem Grund, weil Beziehungen am Arbeitsplatz verboten sind.
- Der Zitronensaft auf dem Essenstisch ist nicht fuer den Fisch, er gehoert an den Salat! Ebenso Mayonnaise.
- In einem Laden oder in einem Schnellimbiss ist oft der Ort, wo man bestellt, nicht der Ort, wo man bezahlt. Und ebenso nicht der Ort, wo man seine Bestellung erhaelt. Oft sind das drei verschiedene Orte.
- Wenn man irgendwo etwas “Alles inklusive” kauft, taucht meistens noch irgend ein Detail auf, fuer das man noch extra bezahlen muss.
- In Chile gibt es kein Osten und Westen, nur Norden und Sueden. La Serena ist keineswegs nordwestlich von Santiago, sondern einfach nur noerdlich.
- Es ist absolut in Ordnung, die Sachen bereits im Supermarkt zu oeffnen und auf dem (manchmal wirklich langen) Weg vom Regal zur Kasse zu essen. Es genuegt, die leere Verpackung von der Verkaeuferin scannen zu lassen und dann zu bezahlen.
- Buecher sind absolut teuer, allerdings nur die mit Text. Ein 200 seitiges Fotobuch kann man fuer 5 Franken bekommen, ein kleines Woerterbuch geht fuer 25 Franken weg. Diesem Phaenomen liegt scheinbar ein Gesetz von Pinochet zu Grunde, der eine Steuer auf Buecher eingefuehrt hat. Deshalb gibt es in Chile einen Schwarzmarkt fuer Buecher und auf den Buechern ist der Hinweis aufgedruckt: “Fotokopierer toeten Buecher!