Das gute am Arbeiten hier in Chile ist, dass man bereits zu arbeiten beginnen kann, ohne auf ein Arbeitsvisum warten zu muessen. Wenn man bereits die Arbeit aufgenommen hat, kann man sich parallel um ein Visum kuemmern. Langsam wurde es nun auch fuer mich Zeit, das Visum zu beantragen.
Generell gelten Vertraege nicht so viel nur mit den Unterschriften der Beteiligten. Man muss sich die Vertraege bei einem Notar beglaubigen lassen. Das fuehrt dann dazu, dass man in Santiago an jedem Strassenecken entweder eine Apotheke, ein Café con piernas, einen Completo-Imbiss oder eben einen Notar findet. Also habe ich mir den Arbeitsvertrag beglaubigen lassen. Mein Diplom habe ich ja schon vorher vom Auswaertien Amt in Chile beglaubigen lassen. Dazu noch vier Passfotos und dann gings zur Extranjería, die chilenische Fremdenpolizei.
Da die nur von 9 Uhr bis 14 Uhr geoeffnet hat, bleibt einem gar nichts anderes uebrig, als zur Arbeitszeit dahin zu gehen. Das sehen die Chefs hier aber einigermassen locker – es bleibt einem ja aber auch nichts anderes uebrig…
Erst mal musste ich in einer Schlange anstehen, um ueberhaupt ein Ticket zu kriegen. Mal schnell die Nummer anschauen: “282″. Ueber dem Schalter: “Wir bedienen: 150″. *hmpf* Habe mal zehn Minuten gewartet, und als dann endlich die Nummer 160 bedient wurde, beschloss ich, zuerst ausgiebig zu fruehstuecken. Wieder zurueck wurde schon Kunde Nummer 200 bedient…
Ich dachte, ich wuerde mehr Gringos sehen, aber die grosse Mehrheit waren Latinos, die ein Visum beantragten. Ab und zu sah man einen Blonden oder man hoerte jemanden Englisch sprechen, aber das war selten.
Nach zwei Stunden kam dann auch ich schliesslich dran. Ich war froh, dass ich die Unterlagen alle beisammen hatte. Nur verlangte die Beamte den Original-Arbeitsvertrag und mein Original-Diplom. Ausserdem meinte sie, dass ich das Diplom ebenfalls von einem Notar beglaubigen muesse! Auf meinen Einwand hin, dass eine Beglaubigung des chilenischen Ministeriums wohl mehr Wert waere, als eine Beglaubigung eines simplen Notars, hat sie dann schliesslich nachgegeben – wollte aber immer noch das Original. Da es sich beim Diplom eh um eine Kopie handelte – was ich ihr natuerlich nicht sagte – und ich vorher Kopien vom Arbeitsvertrag erstellt hatte, ueberliess ich ihr schliesslich die Papiere… dachte ich.
Sie meinte dann, ich muesste diese Papiere plus ein Antragsformular per Post schicken. Sie koenne keine Antraege direkt annehmen. Hm, na gut… noch ein Couvert organisieren, bei der Post nochmals anstehen (wenn auch keine zwei Stunden
) und schliesslich nach ungefaehr drei Stunden tauchte ich dann wieder bei der Arbeit auf.