Archive for February, 2007

Arbeiter gesucht

Monday, February 26th, 2007

Da wir sehr viel Arbeit haben, suchen wir noch einige neue Mitarbeiter.

Der Typ, der die Interviews mit den Kandidaten vornimmt, hat seinen Arbeitsplatz gerade neben mir, und so bekomme ich einiges mit. Zum einen die zum Teil katastrophalen Lebenslaeufe mit unzaehligen Fehlern. Einige schaffen es sogar, ihren Namen falsch zu schreiben. Zum anderen dann auch die Kandidaten selbst beim Interview.

Einer tauchte auf mit Shorts und T-Shirt mit den Worten: “Ich war gerade auf dem Weg ins Fitness-Center, da dachte ich, ich koennte vorher noch schnell zum Interview erscheinen.” Ein anderer zeigte seine Knarre, ohne die er seit einem Ueberfall nicht sein Haus verlasse… Einer bewarb sich als Datenbank-Administrator, scheiterte aber schon an elementarsten Fragen. (“Schreib mal ein kurzes Select-Statement.” “Oehm… Select…?”) Viele bekommen gar keine Einladung fuer das Interview, weil sie gar nicht den Anforderungen entsprechen – oder was sollen wir mit einer Masseurin?

Tatsaechlich hat es aber jemand geschafft, die riesiegen Huerden zu ueberspringen und hatte letzten Dienstag seinen ersten Arbeitstag. Sein Gesicht wurde aber irgendwie blass, als er entdeckte, dass auf seiner Maschine das Betriebssystem Linux installiert war. Er hat sich um 13 Uhr zum Mittagessen verabschiedet… und wurde seither nicht mehr gesehen.

Es regnet!

Friday, February 16th, 2007

Jaja, ich kann euch sehen, wie ihr die Augen rollt: Ein Blogeintrag, nur weil es regnet?

Es regnet nicht nur das erste Mal seit letztem November, es ist ein richtiges Sommergewitter. So ein Sommergewitter ist in der Schweiz nichts Aussergewoehnliches, aber hier erwartet man eigentlich von November bis Maerz/April keinen Regen.

Fuer mich ist es lustig, die Chilenen zu betrachten. Bei jedem Donner hoert man im Buero “Ah”s und “Oooh”s. Ich arbeite ganz normal weiter und mache mich lustig ueber sie.
Sie werden sich aber beim naechsten “Erdbeben” revanchieren, wenn ich mit panikartig im Buero rumlaufe und die Chilenen einfach fragen: “Ist was?”

Extranjería

Thursday, February 15th, 2007

Das gute am Arbeiten hier in Chile ist, dass man bereits zu arbeiten beginnen kann, ohne auf ein Arbeitsvisum warten zu muessen. Wenn man bereits die Arbeit aufgenommen hat, kann man sich parallel um ein Visum kuemmern. Langsam wurde es nun auch fuer mich Zeit, das Visum zu beantragen.

Generell gelten Vertraege nicht so viel nur mit den Unterschriften der Beteiligten. Man muss sich die Vertraege bei einem Notar beglaubigen lassen. Das fuehrt dann dazu, dass man in Santiago an jedem Strassenecken entweder eine Apotheke, ein Café con piernas, einen Completo-Imbiss oder eben einen Notar findet. Also habe ich mir den Arbeitsvertrag beglaubigen lassen. Mein Diplom habe ich ja schon vorher vom Auswaertien Amt in Chile beglaubigen lassen. Dazu noch vier Passfotos und dann gings zur Extranjería, die chilenische Fremdenpolizei.

Da die nur von 9 Uhr bis 14 Uhr geoeffnet hat, bleibt einem gar nichts anderes uebrig, als zur Arbeitszeit dahin zu gehen. Das sehen die Chefs hier aber einigermassen locker – es bleibt einem ja aber auch nichts anderes uebrig…
Erst mal musste ich in einer Schlange anstehen, um ueberhaupt ein Ticket zu kriegen. Mal schnell die Nummer anschauen: “282″. Ueber dem Schalter: “Wir bedienen: 150″. *hmpf* Habe mal zehn Minuten gewartet, und als dann endlich die Nummer 160 bedient wurde, beschloss ich, zuerst ausgiebig zu fruehstuecken. Wieder zurueck wurde schon Kunde Nummer 200 bedient…

Ich dachte, ich wuerde mehr Gringos sehen, aber die grosse Mehrheit waren Latinos, die ein Visum beantragten. Ab und zu sah man einen Blonden oder man hoerte jemanden Englisch sprechen, aber das war selten.

Nach zwei Stunden kam dann auch ich schliesslich dran. Ich war froh, dass ich die Unterlagen alle beisammen hatte. Nur verlangte die Beamte den Original-Arbeitsvertrag und mein Original-Diplom. Ausserdem meinte sie, dass ich das Diplom ebenfalls von einem Notar beglaubigen muesse! Auf meinen Einwand hin, dass eine Beglaubigung des chilenischen Ministeriums wohl mehr Wert waere, als eine Beglaubigung eines simplen Notars, hat sie dann schliesslich nachgegeben – wollte aber immer noch das Original. Da es sich beim Diplom eh um eine Kopie handelte – was ich ihr natuerlich nicht sagte – und ich vorher Kopien vom Arbeitsvertrag erstellt hatte, ueberliess ich ihr schliesslich die Papiere… dachte ich.

Sie meinte dann, ich muesste diese Papiere plus ein Antragsformular per Post schicken. Sie koenne keine Antraege direkt annehmen. Hm, na gut… noch ein Couvert organisieren, bei der Post nochmals anstehen (wenn auch keine zwei Stunden ;) ) und schliesslich nach ungefaehr drei Stunden tauchte ich dann wieder bei der Arbeit auf.

Kommunikationsprobleme

Saturday, February 10th, 2007

In letzter Zeit habe ich nicht mehr so fleissig auf Emails geantwortet, da ich nach der Arbeit keine grosse Lust habe, noch in ein Internetcafe zu gehen. Viel lieber haette ich einen Telefon- und Internetanschluss in meiner Wohnung, um aus meiner Wohnung heraus zu kommunizieren… aber das gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Bisher hat alles wie am Schnuerchen geklappt: Diplom legalisieren, Job und Wohnung suchen. Nur renne ich schon seit Dezember den Leuten von Telefónica hinterher, damit ich endlich einen Telefonanschluss kriege. Telefonisch und auch per Mail: Am 3. Januar schickte ich dem Techniker ein Email und schon diese Woche hat er geantwortet ;)

Mail vom Techniker

Lustig auch, dass er sich nicht an mich erinnern konnte, denn ich habe schon ein paar Mal mit ihm telefoniert. Kuerzlich hat er mich abends um 21 Uhr angerufen: “Wo bist du? Bin gerade vor deiner Wohnungstuer.” Da ich gerade beim Abendessen war, hat er mir versprochen, sich am naechsten Tag zu melden – und das ist nun schon mehr als zwei Wochen her… :(

Pago de piso

Wednesday, February 7th, 2007

Eine Tradition in Chile ist es, mit seinem ersten Lohn seine Arbeitskollegen einzuladen. Und das nennt man “Pago de piso” was etwa soviel heisst wie “Zahlen des Stockwerks” oder eben Einladung aller Leute, die im gleichen Buero arbeiten.

Nun arbeite ich ja schon einen Monat hier und so kam auch ich nicht darum, letzten Freitag dem 2. Februar einen Apero zu organisieren. Da noch drei weitere Personen im Januar begonnen hatten, konnten wir die Organisation aufteilen.

Zum Glueck war ich nicht alleine beim Einkaufen. Fuer die etwa 25 bis 30 anwesenden Mitarbeiter haben wir Pizza, Fleisch, Torte, Glace und Pisco fuer etwa 50 Personen eingekauft.

Wie sich dann aber herausstellte, war das nicht zu knapp kalkuliert, denn alle haben tuechtig zugelangt.
Kaum war das Buffet weggeputzt haben sich dann auch alle verabschiedet, was ich ein bisschen komisch fand. In Zuerich waeren wir sicher noch bis Samstag morgen um die Haeuser gezogen. Aber hier scheinen die Leute sehr klar zwischen Arbeit und Privatleben zu trennen. Kaum ist die Arbeitszeit rum, gehen die Leute nach Hause.

Ein bisschen schade, ich haette gedacht, dass ich durch die Arbeit mehr Leute besser kennen lerne. Sie sind zwar alle sehr nett, aber mit einigen habe ich noch nie mehr als “Buenos dias” am Morgen und “Chao” am Abend geredet. Weil eben auch die Kaffeepause fehlt…