Ihr wisst nun ja, wie viel ich verdiene. Aber wie viel wert ist denn nun der Lohn? Eine Frage, der ich nachgehen wollte.
Da traf es sich gut, als Publimetro – eine Pendlerzeitung – hier titelte: “Santiago auf Platz 7 der Staedte weltweit, in denen am meisten gearbeitet wird.” Die Zeitung analysierte den Bericht “Preise und Loehne” der UBS. So fanden sie raus, dass in Santiago 2077 Stunden pro Jahr gearbeitet wird. Und es ist wirklich hart: Es wird beispielsweise am 2. Januar, am Ostermontag oder auch am 26. Dezember gearbeitet. Seit 2005 gibt es immerhin die 45-Stunden-Woche, vorher lag die woechentliche Arbeitszeit bei 48 Stunden.
Auf ungefaehr gleichem Niveau liegen auch andere lateinamerikanische Staedte wie Buenos Aires (2053h) oder Bogotá (2065h). Spitzenreiter sind die Asiaten: Seoul “gewinnt” die Kategorie mit 2317 Stunden, das sind ueber 50 Stunden pro Woche. Es folgen Hongkong (2231h), Mumbai (2205h), Taipeh (2143h) und Dehli (2121h). In Europa wird im Durchschnitt 1687 Stunden pro Jahr (oder 39 pro Woche) gearbeitet, in Zuerich sind es 1808 Stunden.
Der Warenkorb
Im weiteren werden Preisniveaus auf Grund eines standardisierten “Warenkorbes”, der aus 95 Guetern und 27 Dienstleistungen besteht, untersucht. Die UBS hat den Preis, der der Warenkorb in Zuerich kostet, als 100% definiert. Die gleichen Sachen kosten somit in Santiago ungefaehr 60% des zuercher Warenkorbes. Santiago findet sich damit auf etwa gleichem Niveau wie Warschau, Rio de Janeiro oder Moskau und ist damit teurer als Budapest und Prag – und ist circa 50% teurer als Buenos Aires. Am teuersten ist der Einkauf in Oslo, London und Kopenhagen.
Das Lohnniveau
Wenn die Sachen hier also 60% soviel kosten wie in der Schweiz, muesste ich also auch drei Fuenftel eines schweizer Lohnes kriegen – oder eigentlich mehr, ich arbeite ja schliesslich 300 Stunden mehr pro Jahr als ein Arbeitnehmer in der Schweiz. Aber weit gefehlt, der Durchschnittslohn betraegt nur gerade 20% des Durchschnittslohnes der Schweiz. In Prag, Sao Paolo oder Moskau verdient man etwa gleich viel.
Die Binnen-Kaufkraft
Mit dem Preis des Warenkorbes und des Lohnes kann man nun genau sagen, was das verdiente Geld auch wirklich wert ist. Die Kaufkraft eines Chilenen betraegt knapp 38% der schweizerischen Kaufkraft, wenn man den Netto-Jahreslohn betrachtet. Santiago liegt damit auf dem Niveau von Prag oder Lissabon. Ein Schweizer kann sich den “Warenkorb” 13 Mal kaufen, ein Jahreslohn in Suedamerika reicht dagegen fuer 5 Koerbe.
An dieser Stelle darf natuerlich der Big-Mac-Index nicht fehlen: Wie lange muss man arbeiten, damit man sich einen Big Mac kaufen kann? In Santiago muss 56 Minuten gearbeitet werden, fast vier Mal laenger als in Zuerich (15 Minuten). Das weltweite Mittel liegt bei 35 Minuten. Nicht erstaunlich ist, dass in den USA am kuerzesten dafuer gearbeitet werden muss, waehrend in Nairobi oder Lima erst nach eineinhalb Stunden das benoetigte Geld beisammen ist!
Auch ein Kilo Brot muss man sich in Santiago (32 Minuten) haerter erarbeiten als in Zuerich (10 Minuten). Schaut man die Grundnahrungsmittel an, betraegt deren Preis ungefaehr 50% der schweizerischen Preise. Man kauft in Santiago etwa gleich teuer ein wie in Moskau oder Bangkok.
Eine komplette Herrengarderobe (Anzug, Jacke, Hemd, Jeans, Socken und Schuhe) kostet in Zuerich 870 Euro, in Santiago blaettert man 500 Euro hin was ungefaehr dem weltweiten Mittel entspricht. Will man sich hier mit Kuehlschrank, Farbfernsehgeraet, Digitalkamera, Buegeleisen, Staubsauger, Bratpfanne, Foehn und PC eindecken muss man 85% des Preises hinlegen, fuer den man die gleichen Sachen auch in der Schweiz bekaeme!
Die Durchschnittsmiete einer Wohnung liegt bei 430 Euro und damit bei ungefaehr einem Drittel der zuercher Durchschnittsmiete. Man wohnt hier etwa gleich guenstig wie in Prag, Warschau oder Dehli.
Autofahren ist relativ teuer. Die Autos kosten etwa die Haelfte wie in der Schweiz, die Steuern dafuer sind aber fast gleich hoch wie in der Schweiz. Ein Liter Benzin kostet etwa 1 Franken 30 Rappen. Was Ausfluege auch teuer macht: Die Mautstellen. Auf dem Weg ans Meer nach Valparaiso (120 Kilometer) passiert man zwei oder drei dieser Bezahlstationen und jedesmal werden zwischen 2.50 bis 5 Franken faellig, was sich dann bei Hin- und Rueckweg zu etwa 20 bis 25 Franken summiert.
Restaurant und Hotel
Ein Dreigaenger ohne Getraenke in einem Restaurant kostet in Santiago 28 Euro und liegt damit genau im Durchschnitt aller untersuchten Weltstaedte. In Zuerich ist es mit 39 Euro natuerlich teurer, aber immer noch billiger als in Tokio (64 EUR) oder London (53 EUR). Eine Nacht in einem Hotel in Santiago kostet durchschnittlich 70 EUR und damit genau die Haelfte einer Nacht in einem zuercher Hotel.
Ein Wochenendaufenthalt (fuer zwei Personen; eine Uebernachtung, zwei Abendessen, Verkehrsmittel und verschiedene kleine Ausgaben) in Santiago ist fuer 410 EUR zu haben, 70% des Preises, den man in Zuerich ausgeben wuerde. Am teuersten in so ein Wochende in Tokio oder London.
Loehne und Abgaben
In Zuerich verdient man im Durchschnitt 17 EUR netto pro Stunde, ueber fuenf mal mehr als in Santiago mit 3.20 EUR. Die Steuern und Sozialabgaben sind vergleichbar (ZH: 25%, Stgo: 23%).
Hier noch ein paar Durchschnittsloehne (Netto in EUR):
| |
Zuerich |
Santiago |
| Automechaniker |
28200 |
6200 |
| Bauhandlanger |
24000 |
4500 |
| Arbeiterinnen |
24900 |
5100 |
| Ingenieure |
51100 |
14100 |
| Abteilungsleiter |
68900 |
13800 |
| Volksschullehrer |
43000 |
6000 |
| Buschauffeure |
44300 |
5700 |
| Koeche |
30700 |
10500 |