Cerro Provincia

Schon im September habe ich davon erfahren, dass sich Schweizer in Santiago jeweils einmal im Monat treffen. Da hatte ich aber eigentlich gar keine grosse Lust, Schweizer zu sehen.

Als ich dann aber nicht mehr an die Sprachschule ging und rausfand, dass meine Arbeitskollegen – wie die Chilenen im allgemeinen – am Wochenende nicht viel unternehmen, bin ich nun regelmaessig an diese “Swisstreffs” gegangen, um Kollegen fuer Wanderungen oder sonstige Unternehmungen zu suchen. Und natuerlich macht es auch Spass, mal wieder schwiizerduetsch zu reden.

Diese Treffs werden zwar von der schweizerischen Botschaft organisiert, sind aber voellig informal. Jedes mal treffen wir uns in irgendeiner Bar irgendwo in Santiago. Und es kommen alle moeglichen Leute: Schweizer – natuerlich. Aber auch Deutsche, die fuer schweizer Firmen in Chile arbeiten. Oder Chilenische Partner von Schweizern. Oder Chilenen mit schweizer Vorfahren, die zwar nur noch Spanisch reden… aber ihre blonden Haare oder ihr Nachname weisen auf ihre Wurzeln hin.

Auf jeden Fall geht da auch Urs hin, der hier fuer Schindler arbeitet und auch in Luzern ans Tech ging – kleine Welt. Wir haben dann beschlossen, den Berg Cerro Provincia zu besteigen. Der liegt nur etwa 5km ausserhalb der Stadtgrenzen, soll sehr gut signalisiert sein und mit 2000 Metern Hoehenunterschied auch recht anspruchsvoll sein.

Den ersten Termin am 1. Mai haben wir wegen schlechter Wettervorhersagen auf vergangenen Samstag verschoben.

Wir fuhren also in Richtung der Skigebiete in den Anden und machten uns auf den Weg. Nach viereinhalb Stunden sollten wir auf dem 2800 Meter hohen Gipfel angekommen sein.

Bald kamen wir an eine Weggabelung und entschieden uns fuer den Weg, der bergauf fuehrte. Dieser flachte aber bald ab und wurde zu einer Art Hoehenweg.

Laut meinem Buch sollten wir nach zwei Stunden eigentlich schon 1000 Meter aufgestiegen sein, aber auf dem Weg, auf dem wir uns befanden, gab es weder Steigung noch Gefaelle. Schlussendlich entschieden wir uns, umzukehren und waren knapp zwei Stunden nach dem Start wieder am Ausgangspunkt… Es war schon Mittag und es blieb zu beruecksichtigen, dass die Sonne jetzt schon um 18 Uhr untergeht. Trotzdem liefen wir los und bei der Weggabelung stellte sich dann heraus, dass der Weg, der nach unten fuehrte, nach einer kleinen Kurve anstieg. Und es wimmelte auch nur so von Markierungen am Wegrand…

Trotzdem kamen wir nochmals vom Weg ab, fanden dann aber wieder auf den Hauptpfad.

Die Aussicht auf die Stadt hielt sich in Grenzen: Saemtliche Haeuser lagen unter einer Dunstglocke. Auf der anderen Seite aber sahen wir die Fuenftausender der Anden, zum Beispiel den Cerro Plomo, den Urs schon bestiegen hat und (von der Hoehe – 5500m – abgesehen) relativ leicht zu begehen ist.

Nach zwei Stunden legten wir eine Mittagspause ein und die letzten zweieinhalb Stunden und 1000 Meter Hoehenunterschied lagen noch vor uns. Je hoeher wir kamen, desto weniger Pflanzen hatte es. Und auf den letzten 500 Metern unterhalb des Gipfels schaute es dann endgueltig wie eine Mondlandschaft aus.

Urs ging ein zuegiges Tempo voraus und wartete oben auf dem Gipfel auf mich. Ich kam kurz vor Schluss wieder etwas vom Weg ab und Urs wollte mir entgegen laufen. Wir muessen uns so irgendwie verpasst haben. Auf jeden Fall war natuerlich absolut niemand oben, als ich ankam. Mal auf die Uhr geschaut: Ui, schon 17 Uhr. Und nur noch eine Stunde, bis die Sonne unterging.

Gluecklicherweise funktionierten die Handies aber auch da oben und Urs wartete spaeter weiter unten auf mich. Er hatte Stirn- und Taschenlampen mitgebracht, so dass wir den Weg nach unten fanden – ich haette keine Chance gehabt ohne Lampen. Ein weiterer Beweis dafuer, dass man nie alleine in die Berge gehen sollte.

So konnten wir in der Dunkelheit doch noch einen atemberaubenden Ausblick auf das Lichtermeer von Santiago geniessen. Nach fast elf Stunden Wanderung und todmuede kamen wir dann um 21 Uhr wieder beim Auto an und wir freuten uns schon auf den kommenden Muskelkater.

Fotos vom Trip koennt ihr in der Gallerie anschauen.

Leave a Reply