Danke an fuer den Gruss via Radio Pilatus an wen auch immer!
Hoere gerade, wie sich der FCL im Cupfinal schlaegt…
Na ja, genuetzt hat’s nichts

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Na ja, genuetzt hat’s nichts

So, mal wieder ein Bericht darueber, wie es sich als Gringo in Chile lebt. Nach praktisch neun Monaten gibt es viele neue Erkentnisse.
Auch heute, wo ich ein akzeptables Spanisch spreche, werde ich meistens immer noch wie ein Tourist behandelt. Das liegt natuerlich voellig an meinem Aussehen. Ganz wenige Menschen auf Santiagos Strassen sind groesser als 1.85 Meter und haben helle Haare. Was nervt ist, dass einige mich auf englisch ansprechen und manchmal – wenn ich keine Pesos geben will – auch nach Dollars fragen… als ob alle Nicht-Latinos US-Amerikaner waeren!
Ganz selten wird mir Gringo mit negativem Unterton nachgerufen. Meistens ist es jedoch nicht abwertend gemeint. So nennt auch die Frau die die Waescherei betreibt, wo ich meine Waesche waschen lasse Gringo oder Gringuito.
Gringo bezeichnet in seiner urspruenglichen Form einen Weissen, der eine nichtromanische Sprache spricht. Und diese Sprachen toenen fuer die Latinos “griechisch” oder eben griego. Und aus diesem Term hat sich dann der Begriff Gringo gebildet.
Allerdings werden hier auch blonde Chilenen als Gringo bezeichnet.
Einige Chilenen sind auch ganz versessen darauf, mit einem Englisch zu reden. Ich sehe den Punkt nicht ein, mich mit einem Nicht-Muttersprachler in einer dritten Sprache zu verstaendigen und antworte beharrlich auf Spanisch. Erst nach der Klaerung, dass Englisch nicht Landesprache in der Schweiz ist, schwenken dann viele wieder auf Spanisch um.
Aber im Generellen muss ich sagen, dass ich mich sehr willkommen fuehle. Sehr schnell kommt man mit den Leuten ins Gespraech, die wissen wollen, woher man kommt, was man tut, und vor allem: “Wieso um alles in der Welt bist du nach Chile gekommen?”
Hier tue ich, was ich in der Schweiz nie gemacht habe: Alleine in eine Bar oder Disco gehen. Haeufig werde ich noch vor dem Bestellen eines Biers angequatscht und die Leute empfehlen mir dann noch andere gute Orte oder schleppen mich gleich mit in eine andere Bar. Ziemlich offen und unkompliziert also und man bleibt nie alleine.
Meistens werden dann noch sehr schnell Telefonnummern ausgetauscht und man verspricht sich, sich irgendwann wieder auf ein Bier zu treffen. Das ist aber ziemlich oberflaechlich gemeint. Nie hat mich jemand danach wieder angerufen und meine Muehe haelt sich mittlerweilen in Grenzen. Aber eigentlich auch aus dem Grund, weil ich weiss, dass ich am naechsten Wochenende wieder Leute kennen lerne. Ein bisschen traurig trotzdem, wie oberflaechlich das alles ablaeuft.
Dieses Willkommen fuehlen aber nicht alle Auslaender hier. Viele mit dunklerer Hautfarbe muessen sich Ablehnung und Rufe a la “Peruano de mierda” anhoeren. Und noch peinlicher: Nach Klaerung, dass sie zum Beispiel aus Mexiko kommen, aendern sich die Leute vollstaendig und wechseln ihren Gesichtsausdruck und ihre Einstellung um 180 Grad. Neben den Peruanern muessen sich auch Bolivianer einiges anhoeren.