Archive for September, 2007

In der Schlange…

Saturday, September 29th, 2007

Beim Geldabheben gestern stand ich an siebter Stelle in der Schlange – fuenf Typen, die irgendwie zusammen gehoerten, eine Frau und dann ich. Weitere zwei Maenner kamen rein und einer davon lief einfach an der Schlange vorbei und draengte sich vorne rein. Der andere rief noch: “He, hier hat es eine Reihe” aber der andere tat so, als haette er nichts gehoert.
Leider alltaeglich, aber ich biss auf meine Zunge, da es schien als gehoerte er zu der Gruppe der ersten fuenf.
Dies nur so zur Einleitung…

Im Oktober steht ein langes Wochenende auf dem Programm und ich wuerde gerne dafuer nach Argentinien fahren. Da die Webseite vom Busunternehmen TurBus ziemlich unbrauchbar ist, dachte ich, ich gehe mal in eines der unzaehligen Bueros die ueberall in der Stadt sind.

Von zwei Schaltern war einer geoeffnet. Ein Angestellter bediente eine Frau, der andere versteckte sich daeumchendrehend hinter dem “Cerrado”-Schild. Ausserdem wartete ein aelterer Herr im Buero. Ein paar Minuten nach mir kam eine weitere Frau vorbei und der aeltere Mann wurde bedient. Als dann schliesslich ich an der Reihe gewesen waere, draengte sich die neu dazugekommene Frau an mir vorbei. Ich: “Entschuldigung, aber ich war zuerst da.” Sie: “Ich habe dich nicht gesehen, als ich reinkam. Du musst nach mir reingekommen sein.” Jaja, nicht gesehen. Waere ich 1.65 Meter mit schwarzen Haaren und dunklen Augen wie 99.9% der Maenner hier, haette ich ihr den Spruch ja abgekauft. Nun bin ich aber 1.87 Meter gross mit blonden Haaren und gruenen Augen – und damit falle ich mehr auf als ein rot angemaltes Lama in der zuercher Bahnhofstrasse. :roll:

Ich also nochmals: “Ich stand die ganze Zeit hier beim Eingang. Nur der aeltere Mann war vor mir hier.” Wie aber in allen vergleichbaren Situationen bleiben die Leute aber auf ihrem dumm-dreisten Standpunkt – so auch sie. Und der Angestellte, der ja genau wusste, was sich abspielte, reagierte auch typisch: Nur bedacht, einen “Konflikt” zu umgehen, statt die Frau zurechtzuweisen. Schnell riss er seinen Kollegen aus der Siesta und rief ihm zu, er solle seinen Schalter oeffnen und die Kundin bedienen… Argh!! :mad:

Tja, es scheint so, als ob die Vordraengler halt ihre Lektion niemals lernen. Ich werde es auf jeden Fall nicht aufgeben, sie zurechtzuweisen. Auch wenn ich dafuer nur unverstaendliche Blicke ernte… :neutral:

Vor Gericht

Wednesday, September 26th, 2007

Am Sonntag warem wir per Auto nach Norden unterwegs, um im Nationalpark La Campana zu wandern. Und dieses Mal passierte es… ich wurde von den Carabinieros angehalten. Hatte nur meinen Personalausweis dabei, aber nicht meinen Fuehrerausweis. Und als Konsequenz darauf gab es nicht etwa eine Ordnungsbusse, sondern gleich eine Gerichtsvorladung!

Auf jeden Fall stand da, ich muesse mich am 12. Oktober um 9 Uhr morgens in Colina (die Gemeinde, wo ich gestoppt wurde) beim Gericht melden. Am Montag habe ich da mal angerufen und gefragt, ob ich nicht auf einen Polizeiposten in Santiago gehen koennte, um meinen Ausweis zu praesentieren. Ausserdem muesse ich am 12. Oktober (hoffentlich) arbeiten und haette auch kein Auto zur Verfuegung. Es handelte sich ja um eine Bagatelle wie Ausweis vergessen… nicht, dass ich jemanden in betrunkenem Zustand ueberfahren haette.

Nein, unmoeglich. Ich muesse unbedingt nach Colina fahren, allerdings habe das Gericht drei Mal pro Woche fuer das Publikum geoeffnet und ich koenne ohne Voranmeldung vorbei kommen. Also habe ich ein Auto organisiert und mich auf die 40 Kilometer lange Fahrt gemacht.

Beim Gericht habe ich nur meinen Ausweis gezeigt, und schon kam die gesalzene Rechnung: 50′000 Pesos (115 Franken am 26.09.07)! Na ja, die muessen ihre Buerokratie und die Beamten ja irgendwie bezahlen. Ich finde es nur unglaublich uebertrieben, fuer eine Bagatelle mehr als 2 Stunden aufzuwenden.

Immerhin haben sie mich in der Naehe von Santiago erwischt und nicht etwa in Arica oder Punta Arenas und ich haette fuer den Kleinkram etxra dahin fliegen muessen ;)

Was fuer eine Woche!

Saturday, September 15th, 2007

…sie fing damit an, dass vor unserem Haus an heiterhellem Tag versucht wurde, eine Frau zu ueberfallen.

Am Dienstag gabs dann die traditionellen 11.-September-Proteste, die am Jahrestag des Militaerputsches durchgefuerht werden. “Proteste” ist der beschoenigende Ausdruck fuer Pluenderungen, Brandschatzungen, Diebstaehle und purer Vandalismus. Politische Veranstaltungen finden auch statt, aber voellig am Rand… und werden natuerlich von den Gewalttaten voellig verdraengt.
Umso mehr, als dass dieses Jahr zum ersten Mal seit 1987 ein Polizist bei den Protesten umgebracht (erschossen) wurde.

Die Polizei hat schon am naechsten Tag den “Hauptverdaechtigen” praesentiert, der “nach intensivem Verhoer” den Mord zugegeben habe. Seine Eltern beteuern zwar, ihr Junge sei den ganzen Abend in der Wohnung gewesen. Sein Leben wird trotzdem sich aendern, da er schon mit Name und Foto in allen Medien zu sehen war.
“Unschuldig so lange bis seine Schuld bewiesen ist” versteht man hier irgendwie anders…

Und gestern Freitag hatten wir mit Kollegen in unserem neuen Haus abgemacht. Beim Rausgehen sahen wir, dass jemand beim Auto von Paola das Schloss aufgebrochen hatte. Da aber niemand da war und die Tuer weiter verschlossen blieb, dachten wir, der Dieb haette sein Vorhaben abgebrochen. Also sind wir mit einem mulmigen Gefuehl im Magen trotzdem los… das mich aber nie verliess. Nach 30 Minuten in einem Restaurant entschloss ich mich, nochmals nach Hause zu laufen um mich zu ueberzeugen, ob wir alle Fenster und Tueren abgeschlossen hatten.

Als ich in unsere Strasse einbog, dachte ich, ich haette Halluzinationen… Wo ist das Auto! Der Dieb hatte sein Vorhaben nicht abgebrochen, sondern wurde wahrscheinlich von uns gestoert und hat dann seelenruhig gewartet und das Auto aufgebrochen.
Also schnell den Notruf angerufen, was unglaublich umstaendlich ist. Sofort haben wir uns aber entschieden, auf den Polizeiposten zu fahren, um moeglichst schnell den Autotyp und Nummernschild durchzugeben, damit die Streifenwagen nach dem gestohlenen Fahrzeug Ausschau halten koennen.

Aber Kyle hat schon beschrieben (englisch), wie schnell und effizient die chilenische Polizei im Notfall arbeitet. Erstmal die Identitaet pruefen, eine Nummer loesen, vier mal nach der Adresse fragen. Nachdem etwa schon 15 Minuten vergangen waren, senkte sich meine Hoffnung von 10% auf weniger als 1% und ich fragte – langsam ungeduldig und mit erhoehtem Puls – “Und wann endlich nimmst du die Daten des Autos auf, damit ihr auf den Strassen die Augen aufhalten koennt?”

Das passte dem Paco (abfaellige Bezeichnung fuer Polizist in Chile) allerdings gar nicht. Er erklaerte mir – wie der Typ bei der Snowboardverleihung in Chillán – dass er eben auch nichts machen koenne, das System schreibe das vor. Ausserdem muesste Paola nun noch einen dreiseitigen Bericht per Hand ausfuellen – Was hat der Typ eigentlich die ganze Zeit am Computer gemacht… wieder mal ein Paradebeispiel fuer die galoppierende Buerokratie in Chile.

Als wir dann schliesslich den Polizeiposten verliessen, hatten die Diebe das Auto sicher schon auf die letzte Schraube zerlegt. Ich fuehlte mich wie der “Dude” in The Big Lebowski:

Ich, der Medienstar oder Schweiz gegen Chile

Monday, September 10th, 2007

Das Spiel Schweiz gegen Chile am vergangenen Freitag war natuerlich schon lange ein Gespraechsthema. Die Chilenen wissen zwar, dass ihr Team nicht zu den besten Suedamerikas zaehlt, aber das wuerde ja immer noch genuegen, um die Schweiz zu besiegen. Wenn ich dann einwende, dass wir 2006 an der WM waren und Chile nicht, ist ihr Einwand: “Wir muessen uns gegen Argentinien und Brasilien qualifizieren, ihr hingegen gegen Andorra, San Marino und Lichtenstein.”

Na ja, wie auch immer. Ich war auf jeden Fall zuversichtlich. Die Chilenen moegen vielleicht eher die Zauberer in ihren Reihen haben, aber sie sind vor allem auch immer wegen Disziplinlosigkeit und Unordnung im Spiel aufgefallen.

Der Kickoff des Matchs war in Santiago um 12 Uhr Mittags Ortszeit und ich wollte das Spiel unbedingt inmitten von Chilenen sehen. Ich traf mich mit einem anderen Schweizer (ebenfalls Roman) in der Fussgaengerzone vor einem Grossbildschirm.

Typisch Windows

Der Platz fuellte sich langsam mit Leuten und da sich der andere Roman noch nicht getraute, Farbe zu bekennen, war ich im roten schweizer Natidress natuerlich die Attraktion in Mitten hunderter Chilenen.

Ball im Spiel

Vor allem bei den Toren fuehlte ich hunderte Augenpaare auf mich gerichtet. Trotzdem waren die Fans in der Pause beim Stand von 1-1 noch guter Dinge. In der Pause wollten die Teams von ChileVision und Canal 13 Interviews mit mir machen. Sie wollten beide wissen, wieso ich hier bin, wieso ich gerade hier das Spiel schaue und wie ich mich fuehle in Mitten so vieler Chilenen.

Interview mit Canal 13

Das war ueberhaupt kein Problem: Ich fuehlte mich zwar noch viel exotischer als sonst schon, aber ausser Spruechen von Seiten der Chilenen passierte ueberhaupt nichts.

In der zweiten Haelfte konnten wir anhand des Tors fuer die Schweizer, des nichtgegebenen Goals fuer Chile und auf Grund der vergebenen Chancen der chilenischen Mannschaft noch unser Fluchwort-Repertoire erweitern. Gefaehrlich – wie es der andere Roman erwartete – wurde es aber nie. Schliesslich war es nur ein Freundschaftsspiel und wir trugen das schweizer Dress – und nicht ein argentinisches oder peruanisches.

Zuschauer in der Fussgaengerzone

Auch nach dem Schlusspfiff blieb es freundlich: Wir mussten unzaehlige Haende schuetteln und auch wir gratulierten hoeflich zu einem guten Spiel. Es folgte noch ein Interview mit TVN und dem Revolverblatt der Zeitung Las Últimas Noticias, welche wissen wollten, wie wir das Spiel bewerteten.

Bericht LUN

In der Samstagsausgabe von LUN war dann tatsaechlich meine Aussage (“Die Schweiz hatte mehr Glueck als Chile”) der Titel des Berichts… ich wollte ja nicht provozieren ;)

Ob allerdings meine Fernsehinterviews ausgestrahlt wurden, weiss ich nicht. Ich fuehle mich jetzt trotzdem ein bisschen (C-) prominent. :D