Archive for October, 2007

Werbung haelt nicht immer…

Thursday, October 25th, 2007

…was sie verspricht.

Nehmen wir mal die Chilenische Post. Sie schreiben:

Wir kennen den Wert, den deine Sendungen haben.

Vertraue in Correos Chile.

Werbung Correos Chile

Und so sieht das dann aus:

Packet

Packet 2

Packet 3

Santiago más seguro – Ein sichereres Santiago

Wednesday, October 17th, 2007

Das titelten die beiden Gratiszeitungen La Hora und Publimetro auf ihrer Titelseite:

La Hora

Ich hoffte schon, ich koenne nachlesen, wie ein strengeres Waffenkontrollgesetz eingefuehrt wird, saubere Strassen versprochen werden und mehr Polizisten, die gestohlene Autos suchen, wuerden eingestellt. Oder es wuerde etwas gegen den Drogenhandel und die vielen Besoffenen nachts in den Strassen unternommen werden. Oder vielleicht eine Kampagne gegen haeusliche Gewalt. (Laut UNICEF werden drei von vier chilenischen Kindern missbraucht. Und durchschnittlich wird eine Frau pro Woche von ihrem (Ex-)Partner umgebracht.)

Also schnell weitergeblaettert:

Publimetro La Hora

Das Projekt “Santiago Más Seguro” wurde gestern offiziell gestartet. Es werden nun Bussen zwischen 80 und 240 Franken an Leute verteilt, die “Piraterie”-Ware in den Strassen kaufen. Das Ziel sei, Santiago Centro wieder fuer die ehrlichen Leute zurueckzugewinnen. Ausserdem soll die Zahl an Ueberwachungskameras erhoeht werden.Wow – fuer einen Moment hatte ich wirklich getraeumt, die Politiker wuerden sich den wirklichen Problemen annehmen… war wohl etwas zu naiv gedacht.

RUT

Tuesday, October 9th, 2007

Um diese drei Buchstaben kommt man in Chile nicht herum. RUT bedeutet Rol Único Tributario und uebersetzt man auf deutsch am besten mit Steuernummer. Alle natuerlichen – hier muesste man richtigerweise von RUN (Rol Único Nacional) sprechen, ist aber die selbe Zahlenfolge – und juristischen Personen in Chile haben so eine Nummer. Das bedeutet auch, dass jedes Neugeborene eine RUN bekommt und Auslaender ebenfalls nach erfolgreichem Visumsantrag.

Cédula de identidad

Dieses oben kursiv dargestellte nach hat es in sich: Denn ein Visum kann man nur beantragen, wenn man einen Arbeitsvertrag hat. Und ein Arbeitgeber darf eine Person nur einstellen, die eine RUT hat. Hier beisst sich die Katze natuerlich in den Schwanz…

Das umgeht man am einfachsten, in dem man auf ein Steueramt geht, ein Formular (nur eines!!) ausfuellt und seinen Pass vorweist (mit Touristenvisum). Dann bekommt man eine temporaer gueltige RUT, mit der dann Arbeitgeber und Auslaenderbehoerde zufrieden sind. Geht erstaunlicherweise sehr unkompliziert und schnell.

Lange Einleitung, kurzer Sinn: Der RUT ist eigentlich die Steuernummer, in Wirklichkeit ist er der Identitaetsschluessel in Chile. Ueberall wird er angegeben: Im Lebenslauf bei der Jobsuche, beim Bonuspunkte sammeln im Supermarkt oder Apotheke, als Zugangscode in’s Fitnessstudio… die Liste koennte unendlich fortgesetzt werden.

Die Nummer wurde so entworfen, dass sie keinen Aufschluss gibt ueber Geschlecht, Name oder Alter der Person. Also eigentlich aus Datenschutzsicht optimal. Das Problem ist aber, dass die Leute jeweils ihren RUT an der Supermarktkasse oder wo auch immer mehr oder weniger laut aussprechen. Wenn man also mit etwas offenen Ohren durch Santiago laeuft, koennte man tonnenweise RUTs sammeln…

Kuerzlich war ich bei einem Vorstellungsgespraech bei einer Apotheke. Jede Wette, die checken mit jedem RUT der Bewerber ihre Verkaufsdatenbank, was die so einkaufen. Und ich kann mir vorstellen, dass ein Bewerber, der sich woechentlich mit Alka Seltzer oder Migraenemedikamenten eindeckt, schlechtere Chancen hat.
Na ja, ich als bekennender Paranoiker im Zusammenhang mit Datenschutz verweigere sowieso jede moegliche Kundenbindung… habe das Jobangebot dann aber aus anderen Gruenden abgelehnt.

Am 11. November wird in Santiago ein 10-Kilometer-Lauf stattfinden. Wieso ich da bei der Anmeldung meinen RUT angeben muss, werde ich wohl nie verstehen…

European Must-have-drunk-theres

Friday, October 5th, 2007

Unter diesem Titel praesentiert das Blog Zum Runden Leder Reise- und Stadiontipps auf der ganzen Welt. Mein Besuch im Estadio Monumental gestern beim Spiel Colo Colo gegen Millonarios de Bogotá nehme ich mal zum Anlass, einen Fuehrer im selben Stil zu schreiben. Und vielleicht findet er ja Beruecksichtigung auf der Seite des “Runden Leders”.

Estadio Monumental David ArellanoDer heutige Reisetipp fuehrt uns ans Ende der Welt in ein monumentales Stadion. Genauer gesagt ins Estadio Monumental David Arellano in Santiago de Chile.

Anreise: Fluege von Zuerich nach Santiago gibt’s via Frankfurt, Madrid, Paris, Sao Paolo, Toronto oder Atlanta mit Swiss, Lan, TAM, Lufthansa, Iberia, Delta, KLM, Air France, Air Canada oder Air China.
Die Preise starten ab circa 1500 Franken retour.Transantiago
In Santiago angekommen, benutzen Sie die zuverlaessige Metro und lernen Sie viele neue Freunde kennen. Die gruene Linie benutzen sie in Richtung Vicente Valdés bis Station Pedrero. Von da an einfach der Masse folgen.

Tickets: Sind meistens an der Abendkasse erhaeltlich. Sicherer ist es jedoch, sein Billet in der Stadt in einem Office von Feriaticket zu besorgen. Preise starten bei internationalen Spielen ab 5000 CLP (11.60 CHF), bei nationalen bei 3000 CLP (7 CHF). Besser ist es, ein bisschen mehr auszugeben (7000 CLP, 16.20 CHF) und ein Ticket im Sektor Caupolicán zu kaufen. Klemmen sie sich aber beim Kauf ein Kind unter den Arm, denn es handelt sich hierbei um den Familiensektor und ohne Kind kein Zutritt. Ausser natuerlich, sie bringen ihr eigenes Feuerwerk mit und wollen sich in zur Garra Blanca gesellen.

Verpflegung: Die chilenischen Stadien sind bei saemtlichen Spielen bierfrei (alkoholfreies chilenisches Bier existiert meines Wissens gar nicht) – zur Wahl stehen Coca Cola, Sprite und Fanta. Auch nach einer (Brat-)Wurst sucht man vergeblich. Die guenstigste Wahl beim Essen sind vier Kaese-Empanadas (Teigtaschen) fuer 500 CLP (1.15 CHF). Weitere typische Verpflegungen sind Completo (Hotdog mit Sauerkraut, Avocado- und Tomatensauce), Lomito (duenn geschnittenes und gebratenes Rindsfleisch, mit Avocado- und Tomatensauce) und Hamburguesas zwischen 1000 und 1500 CLP (2.30 bis 3.50 CHF). Fliegende Haendler versorgen Sie ausserdem mit Nuessen und Keksen.

Ueberlebenstipps:

  • Kleiden Sie sich bei einem Spiel von Colo Colo weiss oder schwarz… vermeiden Sie auf jeden Fall blaue Kleidung. Denn Blau ist die Farbe des Erzfeindes Universidad de Chile.
  • Erwaehnen Sie unbedingt, wenn Sie aus St. Gallen stammen oder aus Vevey. Ostschweiz deswegen, weil Iván Zamorano immer noch ein Volksheld ist und alle Chilenen wissen, dass er seine Karriere in der Schweiz lanciert hat. Vevey, weil sie sich bei Ihnen fuer die Erfindung von Nescafé und Sahne Nuss bedanken wollen.