Archive for December, 2007

Chilenische Musik – Teil I

Saturday, December 29th, 2007

Bei meinem Abschiedsfest im September 2006 in der Schweiz wollte ich eigentlich neben chilenischem Essen auch chilenische Musik spielen. Ich konnte immerhin Empanadas auftreiben, aber bei der Musik blieb ich ratlos. Chilenische Musik? Keine Ahnung…

Grund genug also, hier mal die chilenische Musik vorzustellen. Zuerst die traditionellen Stile:

  • Cueca[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=kmc6xMjQikg[/youtube]Cueca ist so chilenisch so wie das Jodeln schweizerisch ist.
  • Cumbia[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=V5oXXPbZ0kU[/youtube]Cumbia hat seinen Ursprung zwar in der Karibik, aber in praktisch allen lateinamerikanischen Regionen gibt es eine eigene Form, die durch die Folklore der Laender beeinflusst wird. Die chilenische Cumbia wird auch Cumbia Andina genannt.
    Das Video wurde uebrigens in Valparaiso aufgenommen.
  • Reggaeton[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=HA9mmDg76j8[/youtube]Passt hier eigentlich nicht wirklich rein, aber Reggaeton ist unter den Jungen sehr beliebt. Es gibt kaum ein Auto oder ein Disco in Chile, aus denen nicht die Baesse des Reggaeton droehnen. Reggaeton ist – vereinfacht gesagt – eine Mischung aus Reggae und Hip-Hop und hat seinen Ursprung in Puerto Rico, woher auch die meisten Interpreten stammen.

Soviel zu den Musikstilen, in Teil 2 werden die Altstars der chilenischen Musik vorgestellt…

Mein neuer Job

Monday, December 10th, 2007

Nun bin ich schon fast zwei Monate wieder am Arbeiten und so wird es hoechste Zeit, etwas ueber meine neue Arbeitsstelle zu schreiben.

Euphorisiert ueber die Leichtigkeit, mit der ich meinen ersten Job gefunden habe, habe ich mich im August – nach den Ferien in Europa – wieder auf Arbeitssuche begeben. Ich suchte dieses Mal aber eher etwas in einer multinationalen Firma, wo ich auch von meiner Mehrsprachigkeit profitieren koennte.

In Chile ist es so, dass man bei der ersten Bewerbung auch immer seine Lohnforderung angibt. Ich wollte natuerlich denselben oder hoeheren Lohn, aber der Arbeitsmarkt hatte sich in diesen paar Monaten ein wenig uebersaettigt und die Loehne sind generell gleich geblieben oder sogar gesunken. Preise in den Supermaerkten oder Tankstellen sind natuerlich trotzdem gestiegen. Und seither rege ich mich auch ein wenig auf, wenn ich in der Zeitung oder im Fernsehen die chileneischen Politiker sehe, wie sie sich angesichts des Wirtschaftswachstums auf die Schultern klopfen. Wo bitte hat der Arbeiter etwas von diesem Wachstum, wenn nur die Preise, aber nicht die Loehne steigen?

Aber ich schweife ab…
Wie gesagt, haette ich fuer 20 bis 25 Prozent weniger gearbeitet, haette ich sofort loslegen koennen. Aber ich wollte alles: Ein Job, der mich fordert; ein angenehmes Arbeitsklima; ein multinationales Unternehmen, wovon ich auch fuer die Zukunft in der Schweiz profitieren koennte und ein gleichwertiger Lohn. Und ausserdem kostet ein guter Kaffee hier auch 3 Franken…

Wenigstens habe ich nun auch die Erfahrung gemacht, unzaehlige Lebenslaeufe eingeschickt zu haben, ohne je ein Feedback zu kriegen. Am 18. September, dem chilenischen Nationalfeiertag, morgens um 10 Uhr (also dann, als alle Chilenen ihren Rausch ausgeschlafen haben) kriegte ich dann den ersten Anruf von Oracle. Und sogleich wurde am Telefon das erste Interview durchgefuehrt.

Mein Lallen war wohl nicht soo schlimm, denn bald hatte ich das erste “richtige” Interview mit meinem potentiellen Chef in Santiago. Es folgten noch zwei Telefoninterviews mit Kalifornien mit Leuten, die am Hauptsitz arbeiten. Nochmals mit dem Personal-Chef in Santiago und schliesslich lag mir die Jobofferte vor.

Nun arbeite ich als Support Engineer fuer PeopleSoft. PeopleSoft war eine Firma, die 2004 von Oracle uebernommen wurde und Software-Loesungen fuer grosse Firmen anbot.
Oracle will nun in Santiago das Support-Zentrum fuer ganz Amerika (Sued und Nord) einrichten und innerhalb dieses Geschaeftsjahres von circa 150 auf 400 Angestellte wachsen.

Support Center bedeutet aber nicht, dass ich nun 9 Stunden am Tag am Telefon sitze und telefoniere. Der Kundenkontakt ist meistens immer per Internet-Seite, wo die Kunden ihre Probleme beschreiben. Diese Anfragen werden dann per Email an den meist geeigneten Ingenieur weitergeleitet. Dann wird meistens probiert das Problem nachzuvollziehen und dem Kunden zu helfen. Oft geschieht das auch per Webkonferenz, das heisst, dass der Ingenieur die Arbeitsoberflaeche des Kunden sieht und ihm so helfen kann. Aber die meiste Zeit der Problemloesung besteht in der Erforschung, der Untersuchung und der Nachvollziehbarkeit des Problems.

So habe ich schon zwei Anrufe zu Kunden in den USA hinter mir. Und es macht auch Spass, mal von der Software-Entwicklung wegzukommen und mal was anderes, etwas mit Kundenkontakt, zu machen.

Siete Tazas

Tuesday, December 4th, 2007

Wenn Touristen Chile bereisen, kommen sie haeufig in Santiago an, reisen an die Kueste, um den Strand von Viña del Mar oder den Haufen von Valparaiso zu besichtigen und ziehen dann weiter in den Norden in die Atacama-Wueste oder in den Sueden nach Patagonien.

IMG_1602.JPGZentral-Chile wird meistens vernachlaessigt – zu Unrecht. Angefangen beim Cajon del Maipo, der vor der Tuere Santiagos liegt, gibt es noch einige weitere schoene Naturparks und -reservate.

Das letzte Wochenende machten wir uns also auf, Zentralchile vorzunehmen. Der Weg fuehrte zuerst nach Curicó, eine kleine Stadt, die ungefaehr 200km suedlich von Santiago liegt.

Nach einer Uebernachtung gings am Samstagmorgen los: Zuerst ins nahegelegene Molina und von dort aus auf einer holprigen Naturstrasse ueber 50km nach Radal, dem Ausgangspunkt des Naturreservates “Siete Tazas”.

IMG_1619.JPGSiete Tazas bedeutet soviel wie “sieben Tassen” und beschreibt die tassenfoermigen Becken, durch die sich der Fluss seinen Weg bahnt. Diese sieben Tassen waren etwa sechs Kilometer von Radal entfernt, wo wir das Auto parkierten. Als wir nach dem Weg fragten, sahen uns alle fragend an: Aber wieso lauft ihr denn dahin? Ihr koennt das Auto nehmen? Meine Antwort, dass wir den ganzen Tag dafuer Zeit haetten, verstanden sie nicht wirklich. ;)

Auch danach auf dem Weg hielt jedes ueberholende Auto an, um zu fragen, ob wir eine Mitfahrgelegenheit brauchten :) Wirklich hilfsbereit.IMG_1607.JPG

Nach der halben Distanz kam der erste Hoehepunkt: Der Wasserfall la vela de la novia. Obwohl “nur” 200 km suedlich von Santiago war die Vegetation hier deutlich anders… viel gruener. Die Luft sauber, kein Laerm – natuerlich. Traumhaft.

Auch an vielen Bauernhaeusern liefen wir vorbei. Kuehe, Pferde, Huehner, Schafe, Ziegen, Schweine – alles lief einfach frei herum. Keine Zaeune. Auch fuer die Tiere ein wahres Paradies.

IMG_1645.JPG Schliesslich kamen wir dann zum Star des Parks: Siete Tazas! Erst mal musste noch Eintritt bezahlt werden: 4 Franken fuer Chilenen und 8 Franken fuer Auslaender. Habe mich natuerlich als Einheimischen ausgegeben. Verdiene ja auch nur einen chilenischen Lohn und zahle auch meine Steuern…

Der Zugang zu den Becken und der Abstieg zum Fluss waren super schoen gestaltet. Das Wasser natuerlich transparent, wie es nur ein Bergbach sein kann. Hatte aber zu viele Steine um zu baden – und das Wasser war natuerlich auch eiskalt. Und der Anblick der Siete Tazas war super schoen. Schoener und viel groesser, als ich es mir vorgestellt habe.

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Auf dem Rueckweg wussten wir noch nicht so recht, ob wir zurueck nach Curicó fahren wollten oder von da weiter entweder noerdlich nach Santiago oder suedlich nach Talca. Mitten in der Praerie sahen wir dann ein Schild “Talca” und der Entschluss war schnell gefallen.

Auf dem Weg nach Talca fuhren wir an ein paar Doerfchen vorbei, wo die Leute immer noch in alten Haeusern wohnen, die aus Lehm und Stroh gebaut sind.

IMG_1668.JPGZiemlich eindruecklich, wenn man sich wieder mal vor Augen fuehrt, in welcher harten Realitaet die meisten Chilenen leben.

Talca liegt etwa 60km von Curicó und liegt in Mitten unzaehliger Weingueter. Beruehmt in Chile ist die Stadt ausserdem, weil hier 1818 die chilenische Unabhaengigkeiterklaerung unterzeichnet wurde.

Am Sonntag sollte es eigentlich rechtzeitig zurueck nach Santiago gehen. Doch nach ungefaehr 20km ueberhitzte sich das Auto und liess sich auch nach laengerem Warten nicht mehr starten.

Zum Glueck hat Paola praktisch ueberall Verwandte und so kam ein Onkel nach einem Telefonanruf mit seinem Jeep vorbei und schleppte uns nach Talca zurueck. Und bevor man in die Werkstatt gehen konnte, “mussten” wir natuerlich beim ueppigen Mittagessen mitmachen und in deren Pool baden…

Wir machten uns dann auf die Heimreise nach Santiago – drei Stunden im Bus – waehrend sich Tío Carlos sich um das Auto kuemmerte. Scheinbar soll es morgen oder uebermorgen bereit sein, was einen kurzen Trip nach Talca nach der Arbeit mit sich bringen wird…

Habe uebrigens auch wieder mal Fotos raufgeladen: Gallerie.