Arbeiten in Chile: Ein Beispiel

Stellt euch mal vor, ihr arbeitet an einem Produkt. Jedes Jahr kommt dieses Produkt in ueberarbeiteter Form auf den Markt. Es faengt gut an, der Erfolg wird groesser und was mit nationalem Vertrieb angefangen hat, wird auf den ganzen Kontinent ausgeweitet. Anfangs gab es ein Produkt, nun eine ganze Palette von Abwandlungen dieses Produktes.

Ein voller Erfolg.

Das Problem ist, dass ihr Freelancer fuer eine grosse Firma seid, die die Rechte an diesem Produkt hat. Der erste Auftrag war etwas knapp kalkuliert und deshalb fragt ihr nach einem Jahr um mehr Geld. Keine Frechheit, nur zehn Prozent. Stichwort Teuerung, Anteil am grossen Erfolg, Anerkennung oder einfach nur ein fairer Preis. Die Antwort ist jedes Mal gleich: Nein. Und wenn ihr das fuer dieses Geld nicht macht, dann droht die Firma mit einem Ersatz, der fuer diese Summe dieselbe Arbeit machen wird.

Im dritten Jahr, wo es also um die Aushandlung fuer das vierte Jahr geht, fragt ihr wieder um eine zehnprozentige Erhoehung. Die Preise steigen weiter, der Winter war hart, saemtliche Waren sind teurer geworden – wir sprechen ja von einer Periode von vier Jahren.

Die Antwort: Das sei eine Unverschaemtheit. Der Preis bleibe gleich und wenn ihr nicht zusagt, werden auch alle anderen Vertraege, die ihr mit dieser Firma habt, gekuendigt. Ihr verlangt den Chef und auch der bleibt hart und will keinen lumpigen Peso drauflegen.

Auf eine Nachfrage eine Woche spaeter meint der Boss, dass dem Hausjurist der Vertrag vorliege und man ihn auf eine vorzeitige Aufloesung pruefe. In Wirklichkeit aber spielt der Chef wahrscheinlich nur auf Zeit, denn er sieht seinen eigenen Lohnanstieg gefaehrdet.

In der Zwischenzeit ruft die zustaendige Person der Firma an und schreit am Telefon: Dass du mit uns arbeiten kannst, damit tun wir dir einen Gefallen! Und ueberhaupt, man habe ja selbst Zulieferer. Dann gebe man denen halt weniger Geld, dann bliebe unter dem Strich mehr fuer sich selbst!

Dass diese Mitarbeiter weder per Telefon noch per Email kontaktierbar sind, weil sie die letzte Telefonrechnung nicht zahlen konnten, ist nur ein Detail.

Schliesslich wird dann unter Zaehneknirschen dieser Ungeheuerlichkeit nachgegeben – Die schmutzigen Spiele sind aber noch nicht zu Ende. Denn schliesslich muss man es diesem frechen Arbeiter ja noch zurueck zahlen.

Mittlerweile steht Weihnachten vor der Tuer und ihr moechtet langsam eure Rechnungen zahlen, wieder mal das Noetigste oder natuerlich Geschenke kaufen. Die Bezahlung der ersten Rate von Ende November wird unangekuendigt auf Anfang Dezember verschoben – Ein altbekanntes Spiel. Aber auch dann ist der Weg umsonst – Aber am 17. Dezember soll es nun wirklich so weit sein: Aber statt der versprochenen 5000 Franken sind es nur 200 Franken! Wir koennen dir nicht mehr zahlen – EHRLICH!

Nach einer Streikdrohung ist es dann am naechsten Tag doch soweit und du kannst das versprochene Geld abholen und auch an deine Mitarbeiter verteilen.

Immerhin geben sie dir den Scheck einfach so – ohne dass du ihnen die Fuesse kuesst.

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