Nach mehr als eineinhalb Jahren in Chile faellt es mir nicht mehr so auf, wenn mich Leute anstarren. Gehe ja ganz gewoehnlich wie alle anderen zur Arbeit und bin Abends nicht unbedingt an Touristenorten (gibt’s die ueberhaupt in Santiago?), sondern wo Einheimische hingehen. Fuehle mich eigentlich gut integriert.
Ab und zu kommt es aber vor, dass wildfremde Leute mit mir reden wollen und mich willkommen in Chile heissen. Ich sage ihnen dann auf spanisch, dass ich eigentlich ganz langweilig hier wohne und arbeite und das auch schon fast zwei Jahre. Die Chilenen stoeren sich nicht daran und heissen mich trotzdem – oder eben deswegen – nochmals willkommen.
Letzten Sonntag machten wir unsere Einkaeufe auf dem Markt und als wir Hunger hatten, wollten wir ein Choripan essen. Ich bestellte meinen mit wenig Zwiebeln und ohne Mayonnaise. Der Verkaeufer: “Ja, ich weiss.” Ich habe ihn nur voellig ueberrascht angeschaut. Woher kann der das wissen? Fuer mich war er ein voellig Fremder.
Er hat mir erklaert, dass er mir schon einmal an der Metrostation Quinta Normal ein Choripan verkauft habe und ich schon damals mit wenig Zwiebeln und ohne Mayonnaise bestellt haette.
Ich habe mir ueberlegt, wann das gewesen sein soll. Das muss so irgendwann vor sechs Monaten gewesen sein, denn ich bin ziemlich sicher, nur einmal Choripan auf der Strasse gegessen zu haben. Und der Verkaeufer wird sich kaum an alle Leute erinnern, die je bei ihm etwas gekauft haben… irgendwie unheimlich
Wenn mich also Leute fragen, ob ich mich je einmal hier heimisch fuehlen koennte, erzaehle ich ihnen Geschichten wie diese und dass ich bin an’s Lebensende in Chile aus der Menschenmenge heraussteche wie ein bunter Hund.