Heiraten auf der Osterinsel – Sonntag 27. April 2008

Eigentlich habe ich mich lange nicht mit dem Thema Heiraten beschaeftigt. Als Paola und ich den Entschluss fassten, war fuer mich aber klar, dass es keine gewoehnliche Zeremonie sein soll.

An Chile gefaellt mir vor allem die vielseitige Natur und ich wollte unbedingt irgendwo “draussen” heiraten. Aber wo? Berge, Wueste, Strand? An der Strand-Idee gefiel mir der Gedanke an Waerme, Sand und Meer. Also habe ich mich mal im Internet umgeschaut und stiess auf TripAdvisor auf einen Post eines deutschen Paares, das sich auf der Osterinsel am Anakena Strand getraut hat.

Anakena Beach

Ich war von der Idee sofort begeistert und Paola zu ueberzeugen kostete keine fuenf Sekunden. Auch wenn das fuer sie bedeuten wuerde, dass sie ohne Familie und Freunde heiraten wuerde. Aber unsere Meinung war, dass es unser Fest, unser Tag sei und wir beide die Zeremonie machen werden, mit der wir gluecklich werden.

Der Entschluss war also gefasst und der Zeitpunkt war auch schnell geklaert: Nach meiner Kuendigung bei Oracle und vor der Rueckkehr in die Schweiz, also irgendwann Ende April.

In Santiago muss man den Termin auf dem Standesamt zwei Monate vorher anmelden und so haben wir im Februar erstmals Kontakt mit den Hoteleigentuemern – die dem deutschen Paar bei der Heirat geholfen haben – aufgenommen. Edith, die Chefin, hat uns aber gesagt, dass auf der Insel alles ein bisschen anders laeuft als in Chile – dem “Conti”, wie sie den Rest des Landes nennen. Sie teilte uns mit, wir sollen nach unserer Ankunft einfach auf das Standesamt, einen Termin fuer den folgenden Tag verlangen und so koennten wir also schon am zweiten Tag heiraten und den Rest des Aufenthalts in vollen Zuegen geniessen.

Es war uns auch klar, dass wir Gabrielito, Paolas Sohn, dabei haben wollten und dachten eigentlich, dass wir zu dritt auf die Osterinsel fliegen werden. Ein paar Wochen vor dem Abflug hatte ich aber dann von Paolas Schwester erfahren, dass als Ueberraschung Paolas Mutter mitkommen wuerde. Wir schafften es, unseren Mund halten, so dass es fuer Paola eine riesige Ueberraschung wurde, als sie erst am Flughafen erfuhr, dass ihre Mutter uns begleiten wird.

Vor dem Flugzeug

Am kleinen Flughafen auf der Osterinsel wurden wir vom Hotelpersonal mit einem Blumenkranz begruesst. Im Hotel erwartete uns eine Ueberraschung: Edith – die Eigentuemerin, mit der wir alles besprachen – war gerade in Santiago und wuerde bis Ende Woche nicht auf der Insel eintreffen. Und als wir unser Zimmer sahen, fragten wir uns, wie gut die Kommunikation geklappt hatte: Obwohl wir immer erwaehnten, mit dem fuenfjaehrigen Gabriel zu reisen, wurde uns ein Doppelzimmer reserviert… Es war nur noch ein Fuenf-Bett-Zimmer da, welches mehr Platz bot, allerdings natuerlich auch teurer waere. Wir beschlossen, erst mal den Fuenfer-Schlag zu beanspruchen.

Edith hatte uns am Telefon erzaehlt, dass viele Paerchen sich an einer Stelle mit Moais am Meer trauen lassen. Miguel, einer der 21 Geschwister von Edith, bot uns an, diesen Platz zu besichtigen aber mir war sofort klar – ohne den Anakena Strand persoenlich gesehen zu haben – dass es der Strand sein muss.

Im Hotel erwartete uns Ruby – Ediths Schwester – mit einer Preisliste von Hochzeitszeremonien. Nicht nur, weil sie dachte, wir wollten am Montag heiraten, sondern auch weil die Preise bei 2500 Dollar starteten, wunderten wir uns einmal mehr ueber die Fehlkommunikation. Oder aber ich haette nach praktisch zwei Jahren Chile mich nicht auf ein “Wenn ihr rueberkommt, wird alles organisiert sein. Mach dir keine Sorgen!” verlassen sollen.

Es lag nun auf der Hand, dass von nun an wir alles selber organisieren wollten und auch mussten.

Leave a Reply