Archive for the ‘Arbeitsleben’ Category

FONASA, ISAPRE und AFP

Wednesday, April 9th, 2008

Ich bin gerade krank und deshalb verspuere ich irgendwie Lust, mal was ueber die Krankenversicherung und die Pensionskassen in Chile zu schreiben.

In Chile bezahlen alle Leute gleich viel, naemlich 7% vom Bruttolohn, fuer die Krankenversicherung – sofern sie denn eine haben, denn obligatorisch ist das natuerlich nicht. Alle, die es sich leisten koennen, werden mindestens von der staatlichen Krankenversicherung FONASA (Fondo Nacional de Salud) versichert. Besserverdienende werden von den privaten Krankenkassen (ISAPRE – Instituciones de Salud Previsional) umworben. Wenn man schon 7% so oder so abliefern muss, schliesst man also mit einer privaten Krankenkasse einen Vertrag ab wo man eine bessere Versorgung kriegt als bei der staatlichen FONASA.

Wie so vieles andere in Chile sind auch die Pensionskassen privatisiert. Knappe 13% des Bruttolohnes werden jeden Monat an die AFP (Administradoras de Fondos de Pensiones) abgeliefert. Hier kann man dann auch noch zwischen fuenf verschiedenen Modellen waehlen, wo man einzahlen will. Fond A verspricht bis zu 30% Gewinn in 12 Jahren aber im schlechtesten Fall hat man zu dem Zeitpunkt nur noch 60% vom urspruenglich einbezahltem Geld. So wird das dann nach Risiko abgestuft bis Fond E, wo man weder verliert noch was gewinnt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie viel Geld ich aus meinem Fond A zurueck kriege…

Arbeitsleben, eine weitere Story

Wednesday, February 27th, 2008

pisco_bau1.jpgSchon ein paar Jahre gehoert Bauzá zu den Kunden meiner Freundin. Sie ist unter anderem verantwortlich fuer das Design der Flasche und der Verpackung des Vorzeigeproduktes des Unternehmens, des Piscos – das Webseiten-”Design” hat allerdings jemand anderes verbrochen.

Bauzá stellt sich auf dem Markt gerne als Produkt fuer die Oberklasse dar und hebt sich auch preislich von den anderen Pisco-Produzenten ab.

Das heisst natuerlich nicht, dass sie fuer das Design viel Geld ausgeben wollen. Immer wieder rufen sie an und sagen schon im ersten Gespraech, wie viel im Budget fuer das Design vorgesehen ist. Und leider, leider, wirklich ganz ehrlich liege mehr ganz einfach nicht drin. Aber es sei ein riiiiesiges Projekt in der Pipeline, wo meine Freundin dann den Auftrag kriege.

Paola hat auch schon unter Hinweis auf die momentane Arbeitsbelastung auf andere Design-Bueros verweisen wollen. Bauzá wollte aber immer exklusiv mit ihr arbeiten – das Design gefaellt ihnen scheinbar, sie wollen nur keinen angemessenen Preis bezahlen.

Die Geschichte hat sich nun schon ein paar mal wiederholt, immer mit treuem Hundeblick den tiefen Preis mit dem Ausblick auf ein grosses Projekt in der Zukunft gerechtfertigt.

Vor ein paar Tagen ein weiterer Anruf von Bauzá: Wir wollten dir nur mitteilen, dass wir unser naechstes Projekt mit Capel - einer der groessten Pisco-Produzenten Chiles – mit einem anderen Design-Buero machen werden! Wir moechten allerdings noch schnell bei dir vorbei kommen und ein paar Kopien von alten Design-Entwuerfen mitnehmen…

Arbeiten in Chile: Ein Beispiel

Monday, February 4th, 2008

Stellt euch mal vor, ihr arbeitet an einem Produkt. Jedes Jahr kommt dieses Produkt in ueberarbeiteter Form auf den Markt. Es faengt gut an, der Erfolg wird groesser und was mit nationalem Vertrieb angefangen hat, wird auf den ganzen Kontinent ausgeweitet. Anfangs gab es ein Produkt, nun eine ganze Palette von Abwandlungen dieses Produktes.

Ein voller Erfolg.

Das Problem ist, dass ihr Freelancer fuer eine grosse Firma seid, die die Rechte an diesem Produkt hat. Der erste Auftrag war etwas knapp kalkuliert und deshalb fragt ihr nach einem Jahr um mehr Geld. Keine Frechheit, nur zehn Prozent. Stichwort Teuerung, Anteil am grossen Erfolg, Anerkennung oder einfach nur ein fairer Preis. Die Antwort ist jedes Mal gleich: Nein. Und wenn ihr das fuer dieses Geld nicht macht, dann droht die Firma mit einem Ersatz, der fuer diese Summe dieselbe Arbeit machen wird.

Im dritten Jahr, wo es also um die Aushandlung fuer das vierte Jahr geht, fragt ihr wieder um eine zehnprozentige Erhoehung. Die Preise steigen weiter, der Winter war hart, saemtliche Waren sind teurer geworden – wir sprechen ja von einer Periode von vier Jahren.

Die Antwort: Das sei eine Unverschaemtheit. Der Preis bleibe gleich und wenn ihr nicht zusagt, werden auch alle anderen Vertraege, die ihr mit dieser Firma habt, gekuendigt. Ihr verlangt den Chef und auch der bleibt hart und will keinen lumpigen Peso drauflegen.

Auf eine Nachfrage eine Woche spaeter meint der Boss, dass dem Hausjurist der Vertrag vorliege und man ihn auf eine vorzeitige Aufloesung pruefe. In Wirklichkeit aber spielt der Chef wahrscheinlich nur auf Zeit, denn er sieht seinen eigenen Lohnanstieg gefaehrdet.

In der Zwischenzeit ruft die zustaendige Person der Firma an und schreit am Telefon: Dass du mit uns arbeiten kannst, damit tun wir dir einen Gefallen! Und ueberhaupt, man habe ja selbst Zulieferer. Dann gebe man denen halt weniger Geld, dann bliebe unter dem Strich mehr fuer sich selbst!

Dass diese Mitarbeiter weder per Telefon noch per Email kontaktierbar sind, weil sie die letzte Telefonrechnung nicht zahlen konnten, ist nur ein Detail.

Schliesslich wird dann unter Zaehneknirschen dieser Ungeheuerlichkeit nachgegeben – Die schmutzigen Spiele sind aber noch nicht zu Ende. Denn schliesslich muss man es diesem frechen Arbeiter ja noch zurueck zahlen.

Mittlerweile steht Weihnachten vor der Tuer und ihr moechtet langsam eure Rechnungen zahlen, wieder mal das Noetigste oder natuerlich Geschenke kaufen. Die Bezahlung der ersten Rate von Ende November wird unangekuendigt auf Anfang Dezember verschoben – Ein altbekanntes Spiel. Aber auch dann ist der Weg umsonst – Aber am 17. Dezember soll es nun wirklich so weit sein: Aber statt der versprochenen 5000 Franken sind es nur 200 Franken! Wir koennen dir nicht mehr zahlen – EHRLICH!

Nach einer Streikdrohung ist es dann am naechsten Tag doch soweit und du kannst das versprochene Geld abholen und auch an deine Mitarbeiter verteilen.

Immerhin geben sie dir den Scheck einfach so – ohne dass du ihnen die Fuesse kuesst.

Mein neuer Job

Monday, December 10th, 2007

Nun bin ich schon fast zwei Monate wieder am Arbeiten und so wird es hoechste Zeit, etwas ueber meine neue Arbeitsstelle zu schreiben.

Euphorisiert ueber die Leichtigkeit, mit der ich meinen ersten Job gefunden habe, habe ich mich im August – nach den Ferien in Europa – wieder auf Arbeitssuche begeben. Ich suchte dieses Mal aber eher etwas in einer multinationalen Firma, wo ich auch von meiner Mehrsprachigkeit profitieren koennte.

In Chile ist es so, dass man bei der ersten Bewerbung auch immer seine Lohnforderung angibt. Ich wollte natuerlich denselben oder hoeheren Lohn, aber der Arbeitsmarkt hatte sich in diesen paar Monaten ein wenig uebersaettigt und die Loehne sind generell gleich geblieben oder sogar gesunken. Preise in den Supermaerkten oder Tankstellen sind natuerlich trotzdem gestiegen. Und seither rege ich mich auch ein wenig auf, wenn ich in der Zeitung oder im Fernsehen die chileneischen Politiker sehe, wie sie sich angesichts des Wirtschaftswachstums auf die Schultern klopfen. Wo bitte hat der Arbeiter etwas von diesem Wachstum, wenn nur die Preise, aber nicht die Loehne steigen?

Aber ich schweife ab…
Wie gesagt, haette ich fuer 20 bis 25 Prozent weniger gearbeitet, haette ich sofort loslegen koennen. Aber ich wollte alles: Ein Job, der mich fordert; ein angenehmes Arbeitsklima; ein multinationales Unternehmen, wovon ich auch fuer die Zukunft in der Schweiz profitieren koennte und ein gleichwertiger Lohn. Und ausserdem kostet ein guter Kaffee hier auch 3 Franken…

Wenigstens habe ich nun auch die Erfahrung gemacht, unzaehlige Lebenslaeufe eingeschickt zu haben, ohne je ein Feedback zu kriegen. Am 18. September, dem chilenischen Nationalfeiertag, morgens um 10 Uhr (also dann, als alle Chilenen ihren Rausch ausgeschlafen haben) kriegte ich dann den ersten Anruf von Oracle. Und sogleich wurde am Telefon das erste Interview durchgefuehrt.

Mein Lallen war wohl nicht soo schlimm, denn bald hatte ich das erste “richtige” Interview mit meinem potentiellen Chef in Santiago. Es folgten noch zwei Telefoninterviews mit Kalifornien mit Leuten, die am Hauptsitz arbeiten. Nochmals mit dem Personal-Chef in Santiago und schliesslich lag mir die Jobofferte vor.

Nun arbeite ich als Support Engineer fuer PeopleSoft. PeopleSoft war eine Firma, die 2004 von Oracle uebernommen wurde und Software-Loesungen fuer grosse Firmen anbot.
Oracle will nun in Santiago das Support-Zentrum fuer ganz Amerika (Sued und Nord) einrichten und innerhalb dieses Geschaeftsjahres von circa 150 auf 400 Angestellte wachsen.

Support Center bedeutet aber nicht, dass ich nun 9 Stunden am Tag am Telefon sitze und telefoniere. Der Kundenkontakt ist meistens immer per Internet-Seite, wo die Kunden ihre Probleme beschreiben. Diese Anfragen werden dann per Email an den meist geeigneten Ingenieur weitergeleitet. Dann wird meistens probiert das Problem nachzuvollziehen und dem Kunden zu helfen. Oft geschieht das auch per Webkonferenz, das heisst, dass der Ingenieur die Arbeitsoberflaeche des Kunden sieht und ihm so helfen kann. Aber die meiste Zeit der Problemloesung besteht in der Erforschung, der Untersuchung und der Nachvollziehbarkeit des Problems.

So habe ich schon zwei Anrufe zu Kunden in den USA hinter mir. Und es macht auch Spass, mal von der Software-Entwicklung wegzukommen und mal was anderes, etwas mit Kundenkontakt, zu machen.

Arbeiter gesucht

Monday, February 26th, 2007

Da wir sehr viel Arbeit haben, suchen wir noch einige neue Mitarbeiter.

Der Typ, der die Interviews mit den Kandidaten vornimmt, hat seinen Arbeitsplatz gerade neben mir, und so bekomme ich einiges mit. Zum einen die zum Teil katastrophalen Lebenslaeufe mit unzaehligen Fehlern. Einige schaffen es sogar, ihren Namen falsch zu schreiben. Zum anderen dann auch die Kandidaten selbst beim Interview.

Einer tauchte auf mit Shorts und T-Shirt mit den Worten: “Ich war gerade auf dem Weg ins Fitness-Center, da dachte ich, ich koennte vorher noch schnell zum Interview erscheinen.” Ein anderer zeigte seine Knarre, ohne die er seit einem Ueberfall nicht sein Haus verlasse… Einer bewarb sich als Datenbank-Administrator, scheiterte aber schon an elementarsten Fragen. (“Schreib mal ein kurzes Select-Statement.” “Oehm… Select…?”) Viele bekommen gar keine Einladung fuer das Interview, weil sie gar nicht den Anforderungen entsprechen – oder was sollen wir mit einer Masseurin?

Tatsaechlich hat es aber jemand geschafft, die riesiegen Huerden zu ueberspringen und hatte letzten Dienstag seinen ersten Arbeitstag. Sein Gesicht wurde aber irgendwie blass, als er entdeckte, dass auf seiner Maschine das Betriebssystem Linux installiert war. Er hat sich um 13 Uhr zum Mittagessen verabschiedet… und wurde seither nicht mehr gesehen.