Archive for the ‘Arbeitssuche’ Category

Mein neuer Job

Monday, December 10th, 2007

Nun bin ich schon fast zwei Monate wieder am Arbeiten und so wird es hoechste Zeit, etwas ueber meine neue Arbeitsstelle zu schreiben.

Euphorisiert ueber die Leichtigkeit, mit der ich meinen ersten Job gefunden habe, habe ich mich im August – nach den Ferien in Europa – wieder auf Arbeitssuche begeben. Ich suchte dieses Mal aber eher etwas in einer multinationalen Firma, wo ich auch von meiner Mehrsprachigkeit profitieren koennte.

In Chile ist es so, dass man bei der ersten Bewerbung auch immer seine Lohnforderung angibt. Ich wollte natuerlich denselben oder hoeheren Lohn, aber der Arbeitsmarkt hatte sich in diesen paar Monaten ein wenig uebersaettigt und die Loehne sind generell gleich geblieben oder sogar gesunken. Preise in den Supermaerkten oder Tankstellen sind natuerlich trotzdem gestiegen. Und seither rege ich mich auch ein wenig auf, wenn ich in der Zeitung oder im Fernsehen die chileneischen Politiker sehe, wie sie sich angesichts des Wirtschaftswachstums auf die Schultern klopfen. Wo bitte hat der Arbeiter etwas von diesem Wachstum, wenn nur die Preise, aber nicht die Loehne steigen?

Aber ich schweife ab…
Wie gesagt, haette ich fuer 20 bis 25 Prozent weniger gearbeitet, haette ich sofort loslegen koennen. Aber ich wollte alles: Ein Job, der mich fordert; ein angenehmes Arbeitsklima; ein multinationales Unternehmen, wovon ich auch fuer die Zukunft in der Schweiz profitieren koennte und ein gleichwertiger Lohn. Und ausserdem kostet ein guter Kaffee hier auch 3 Franken…

Wenigstens habe ich nun auch die Erfahrung gemacht, unzaehlige Lebenslaeufe eingeschickt zu haben, ohne je ein Feedback zu kriegen. Am 18. September, dem chilenischen Nationalfeiertag, morgens um 10 Uhr (also dann, als alle Chilenen ihren Rausch ausgeschlafen haben) kriegte ich dann den ersten Anruf von Oracle. Und sogleich wurde am Telefon das erste Interview durchgefuehrt.

Mein Lallen war wohl nicht soo schlimm, denn bald hatte ich das erste “richtige” Interview mit meinem potentiellen Chef in Santiago. Es folgten noch zwei Telefoninterviews mit Kalifornien mit Leuten, die am Hauptsitz arbeiten. Nochmals mit dem Personal-Chef in Santiago und schliesslich lag mir die Jobofferte vor.

Nun arbeite ich als Support Engineer fuer PeopleSoft. PeopleSoft war eine Firma, die 2004 von Oracle uebernommen wurde und Software-Loesungen fuer grosse Firmen anbot.
Oracle will nun in Santiago das Support-Zentrum fuer ganz Amerika (Sued und Nord) einrichten und innerhalb dieses Geschaeftsjahres von circa 150 auf 400 Angestellte wachsen.

Support Center bedeutet aber nicht, dass ich nun 9 Stunden am Tag am Telefon sitze und telefoniere. Der Kundenkontakt ist meistens immer per Internet-Seite, wo die Kunden ihre Probleme beschreiben. Diese Anfragen werden dann per Email an den meist geeigneten Ingenieur weitergeleitet. Dann wird meistens probiert das Problem nachzuvollziehen und dem Kunden zu helfen. Oft geschieht das auch per Webkonferenz, das heisst, dass der Ingenieur die Arbeitsoberflaeche des Kunden sieht und ihm so helfen kann. Aber die meiste Zeit der Problemloesung besteht in der Erforschung, der Untersuchung und der Nachvollziehbarkeit des Problems.

So habe ich schon zwei Anrufe zu Kunden in den USA hinter mir. Und es macht auch Spass, mal von der Software-Entwicklung wegzukommen und mal was anderes, etwas mit Kundenkontakt, zu machen.

RUT

Tuesday, October 9th, 2007

Um diese drei Buchstaben kommt man in Chile nicht herum. RUT bedeutet Rol Único Tributario und uebersetzt man auf deutsch am besten mit Steuernummer. Alle natuerlichen – hier muesste man richtigerweise von RUN (Rol Único Nacional) sprechen, ist aber die selbe Zahlenfolge – und juristischen Personen in Chile haben so eine Nummer. Das bedeutet auch, dass jedes Neugeborene eine RUN bekommt und Auslaender ebenfalls nach erfolgreichem Visumsantrag.

Cédula de identidad

Dieses oben kursiv dargestellte nach hat es in sich: Denn ein Visum kann man nur beantragen, wenn man einen Arbeitsvertrag hat. Und ein Arbeitgeber darf eine Person nur einstellen, die eine RUT hat. Hier beisst sich die Katze natuerlich in den Schwanz…

Das umgeht man am einfachsten, in dem man auf ein Steueramt geht, ein Formular (nur eines!!) ausfuellt und seinen Pass vorweist (mit Touristenvisum). Dann bekommt man eine temporaer gueltige RUT, mit der dann Arbeitgeber und Auslaenderbehoerde zufrieden sind. Geht erstaunlicherweise sehr unkompliziert und schnell.

Lange Einleitung, kurzer Sinn: Der RUT ist eigentlich die Steuernummer, in Wirklichkeit ist er der Identitaetsschluessel in Chile. Ueberall wird er angegeben: Im Lebenslauf bei der Jobsuche, beim Bonuspunkte sammeln im Supermarkt oder Apotheke, als Zugangscode in’s Fitnessstudio… die Liste koennte unendlich fortgesetzt werden.

Die Nummer wurde so entworfen, dass sie keinen Aufschluss gibt ueber Geschlecht, Name oder Alter der Person. Also eigentlich aus Datenschutzsicht optimal. Das Problem ist aber, dass die Leute jeweils ihren RUT an der Supermarktkasse oder wo auch immer mehr oder weniger laut aussprechen. Wenn man also mit etwas offenen Ohren durch Santiago laeuft, koennte man tonnenweise RUTs sammeln…

Kuerzlich war ich bei einem Vorstellungsgespraech bei einer Apotheke. Jede Wette, die checken mit jedem RUT der Bewerber ihre Verkaufsdatenbank, was die so einkaufen. Und ich kann mir vorstellen, dass ein Bewerber, der sich woechentlich mit Alka Seltzer oder Migraenemedikamenten eindeckt, schlechtere Chancen hat.
Na ja, ich als bekennender Paranoiker im Zusammenhang mit Datenschutz verweigere sowieso jede moegliche Kundenbindung… habe das Jobangebot dann aber aus anderen Gruenden abgelehnt.

Am 11. November wird in Santiago ein 10-Kilometer-Lauf stattfinden. Wieso ich da bei der Anmeldung meinen RUT angeben muss, werde ich wohl nie verstehen…

Millionär!

Sunday, December 24th, 2006

Die Gringos bei Adecco haben mir angekuendigt, innerhalb von zwei Wochen mitzuteilen, ob ich noch im Rennen sei. Aber noch am gleichen Tag haben sie mir angerufen und wollten mich sofort unter Vertrag nehmen! Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber schon fuer das Angebot von BBR entschieden. Zum einen interessiert mich die Arbeit da mehr, die Leute scheinen sympatisch und nach Siemens wollte ich sowieso fuer eine kleine Firma arbeiten. Ausserdem waere die Arbeitssprache bei den Amis englisch und ich sehe eigentlich keinen Grund, nach Chile zu gehen und dann den ganzen Tag englisch zu sprechen ;)

Der Lohn ist mit 1’000’000 Pesos ok, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittslohn in Santiago bei 400’000 Pesos und der Minimallohn bei ungefaehr 200 Franken monatlich liegt. Da die Firma fuer Auslaender keine Abgaben fuer die staatliche Kranken- und Pensionsversicherung zahlen muss, zahlen sie mir diesen Betrag (circa 20% des Lohnes) zusaetzlich aus… nicht schlecht, auch wenn ich diese Kohle dann der freiwilligen AHV “spenden” werde. Auf jeden Fall werde ich mir dann ganz schoen reich vorkommen, wenn ich dann ab Ende Januar siebenstellige Betraege auf meinem Konto haben werde ;)
Mein erster Arbeitstag wird dann schon der 2. Januar 2007 sein. Die Arbeitszeiten liegen fest bei 9 bis 19 Uhr mit einer bis eineinhalb Stunden Mittagspause… ich vermisse die Gleitzeit jetzt schon :( Aber das ist hier so ueblich. Ferien habe ich drei Wochen pro Jahr. Besser als nichts: In Chile kann es auch sein, dass man in seinem ersten Arbeitsjahr bei einem neuen Arbeitgeber gar keine Ferien hat!

So muss ich also meine letzten “Ferientage” hier noch ausnutzen. Habe mir einen Flug nach Calama gekauft, werde mir da die Kupfermine Chuquicamata anschauen und dann weiterreisen nach San Pedro de Atacama. Da hoffe ich dann, eine Tour zu machen zum Salar de Uyuni (Bolivien), dem groessten Salzsee der Welt. Abflug ist am 25. und am 31. werde ich wieder in Santiago sein, um das neue Jahr zu feiern bevor dann frueh schon der Ernst des Lebens wieder los geht.

Die Entscheidung?

Wednesday, December 20th, 2006

Die letzten Tage waren ziemlich ereignisreich. Praktisch taeglich riefen mich Leute an, um ein Vorstellungsgespraech zu vereinbaren.

BBR lud mich gestern zu einem weiteren Interview ein, das allerdings nur daraus bestand, mir den Job anzubieten, fuer den ich mich beworben habe. Ich muss sagen, dass mich diese Arbeit wirklich sehr interessieren wuerde. Sie arbeiten mit den neuesten Technologien und die groessten Firmen Chiles zaehlen zu ihren Kunden. Die Leute machen einen guten Eindruck und wuerden mich natuerlich auch bei der Visabeschaffung helfen, was allerdings kein grosses Problem sein wird.

Der Grund, warum ich nicht sofort zusagte, ist, dass ich durch Adecco zu einem weiteren Interview gekommen bin. Zuerst hatte ich zwei psychologische Tests (Luescher-Farbtest, eine Art IQ-Test, und noch weitere) und da es sich um eine nordamerikanische Firma handelte, musste ich noch am Instituto Chileno Norteamericano den TOEIC-Test ablegen.

Da die Amis scheinbar mein CV mochten und ich den besten Englisch-Test aller Adecco-Kandidaten ablegte, wurde ich heute morgen als erster zum Interview gebeten. Zum Gespraech waren sechs Leute anwesend und ich musste zuerst einen Fuenfminuten-Vortrag halten. Das Thema war voellig offen und so waehlte ich das Thema “Gletscher“. Das Interview lief eigentlich ganz gut. Sie fragten mich, welchen Abschnitt in der Softwareentwicklung ich am wenigsten mag. Ich antwortete, dass ich lieber implementiere und teste als den Unterhalt zu machen. Das Problem war, dass sie gerade Leute fuer diesen Bereich (Maintenance & Customizing) suchen… autsch ;)

Nun, wie weiter? Ich habe BBR gesagt, dass ich mich bis morgen Donnerstag bei ihnen melde betreffend Zu- oder Absage. Von Adecco erhalte ich erst in ca zwei Wochen Bescheid, ob ich noch weiter im Rennen liege. Lohnmaessig ist das Angebot etwa gleich… Groesse: BBR: ca 60 Leute, amerikanische Firma: 12’500.

Entscheidungshilfen nehme ich gerne bis morgen per Mail oder Comment entgegen ;)

Das erste Jobinterview

Wednesday, December 13th, 2006

Gestern hatte ich mein erstes Jobinterview in Chile bei einer kleineren Software-Firma in Santiago. Ich habe mich also in meinen Anzug geschmissen, Krawatte umgebunden – muss ich erwaehnen, dass es gerade ueber 30 Grad heiss war? – und mit der Metro nach Las Condes (der Geschaeftsbezirk Santiagos) gefahren.

Die Ueberraschung meinerseits war dann gross, als der Chef der Entwicklungsabteilung mich auf Deutsch angespochen hat. Er ist Deutscher und lebt seit ueber drei Jahren in Santiago und mit ihm habe ich dann praktisch eine Stunde geredet. Meine Papiere – Lebenslauf, beglaubigtes und uebersetztes Diplom – haben ihn nicht gross interessiert. Papiere seien nicht so viel Wert in Chile, da die Chilenen sehr viele Sachen in ihre Lebenslaeufe schreiben wuerden, die nicht der Wahrheit entsprechen. So wollte er also von meinen vorherigen Projekten hoeren und stellte mir einige technische Fragen. (Was ist Polymorphismus, wozu dienen Interfaces, aus welchen Schritten besteht normalerweise ein Prozess zur Herstellung einer Software…) Eigentlich ueberraschend einfache Fragen, denn die Jobbeschreibung hoerte sich komplexer an.

In der letzten Viertelstunde kam dann noch einer der Geschaeftsleiter dazu und mit ihm fuehrte ich dann mehr oder weniger Smalltalk: Wie lange schon in Chile, wieso Chile, was wissen die Schweizer ueber Chile… Es ist uebrigens ueblich in Chile, beim Absenden der Bewerbung auch seine Gehaltsforderung anzugeben. Meine Forderung ist sicher hoch, bin aber bereit, darueber zu verhandeln. Aber der Boss hat akzeptiert ohne zu handeln.

Das Interview ist also vielversprechend verlaufen. Der einzig schlechte Punkt war, dass die Firma schon einige schlechte Erfahrungen mit Auslaendern gemacht hat, weil einige schon nach drei bis vier Monaten wieder gegangen sind. So oder so kann ich von ihnen in der naechsten Woche die Entscheidung erwarten.