Archive for the ‘Argentinien’ Category

San Carlos de Bariloche, Argentina

Tuesday, July 17th, 2007

Ich habe mir Gedanken gemacht, wo ich am besten ungefaehr 10 Tage Snowboard-Ferien machen koennte. Die Orte rund um Santiago fielen aus der Auswahl, da die Hotels alle hoch in den Bergen und sehr teuer sind. Ausserdem wollte ich nicht die ganze Zeit die selben Gesichter sehen… am Tag auf der Piste, am Abend im Hotel.

Bariloche schien mir die beste Alternative. In Nordpatagonien gelegen und mit einem grossen Skigebiet in der Naehe. Und eine 100’000-Einwohner-Stadt sollte auch etwas Abwechslung bieten. Ausserdem fliegt LAN Chile von Santiago direkt nach Bariloche in zwei Stunden was irgendwie besser toente als mehr als 30 Stunden Busfahren.

Im Juni hatte ich in Santiago einen Neuseelaender kennengelernt, der die ganze Saison in Bariloche verbringen wird. Er hatte ein Doppelzimmer in einem Hostal gebucht und mir angeboten, waehrend 10 Tagen bei ihm im Zimmer (gratis) zu wohnen.
Ein paar Tage vor dem Abflug teilte er mir aber mit, er haette eine Argentinierin kennen gelerent und deshalb muesse ich nun doch im Massenschlag uebernachten… ich vermute ja, es hat mit dem Alinghi-Sieg im America’s Cup zu tun, dass er nichts mehr von seinem Versprechen wissen wollte ;)

Es stellte sich dann aber heraus, dass das von ihm empfohlene Hostal eine gute Wahl war. Voll mit Leuten, die ebenso schneesport-begeistert waren und aus englischsprachigen Laendern (England, Schottland, Kanada, USA, Australien und Neuseeland) stammten. Jeweils am Morgen traf man sich zum Fruehstueck und machte sich dann gemeinsam mit dem oeffentlichen Bus ins 20 Kilometer entfernte Skigebiet auf.

Die Pisten am Cerro Catedral sind vor allem fuer Fortgeschrittene, also im Gegensatz zu den meisten Pisten in Chile, die meistens sehr einfach sind. Und Nordpatagonien ist sehr aehnlich zur Schweiz: Sehr gruen, die Berge nicht ganz so hoch und die Temperaturen lagen deutlich unter denen von Chile. Das war aber fuer die Schneeverhaeltnisse optimal: Trockener Pulverschnee – nicht nass, wie man es in Chile haeufig hat.

Abends hat Bariloche die gewuenschte Abwechslung geboten. Der Ort ist voll auf Touristen ausgelegt, was die vielen Restaurants und Bars bewiesen. Kulinarisch ist Argentinien sowieso immer eine Reise wert.

Bariloche war also in jeder Hinsicht die perfekte Wahl.

Habe noch jede Menge Fotos vom Snowboarden raufgeladen, ihr findet sie in der Fotogallerie.

Nun geht es langsam ans Packen denn am Freitag werde ich nach knapp 11 Monaten wieder Europa besuchen. Fuer die naechsten ungefaehr 4 Wochen wird also hier Sendepause herrschen…

Grenzstreitigkeiten

Wednesday, May 2nd, 2007

Das chilenische Aussenministerium hat bei Google protestiert und den Konzern aufgefordert, seine Karten bei den Diensten Google Maps und Google Earth zu aendern. Ausloeser dafuer ist, dass Google den kleinen Ort Villa O’Higgins im Sueden Chiles Argentinien zugesprochen hat.

Bisher war dieses kleine Nest nur bekannt, da es der Endpunkt der Strasse Carretera Austral ist. Von da aus ist es unmoeglich, per Auto noch weiter suedlich zu kommen, da Gletscher und Fjorde einen Ausbau des Weges verunmoeglichen.

Ich habe es bei Google Earth nachgemessen, und tatsaechlich fehlt Villa O’Higgins 1.2 Kilometer, um zu Chile zu gehoeren. (Karte bei Google Maps.)
Wer nun denkt, dass das nicht wirklich wichtig ist, der sollte bedenken, dass es 1978 wegen drei Steinhaeufen im Beagle-Kanal fast zum Krieg zwischen Chile und Argentinien gekommen ist.
Auch der Grenzverlauf beim Berg Fitz Roy ist zwischen den beiden Laendern auesserst umstritten.

Ausserdem gibt es im Norden Unstimmigkeiten mit Bolivien, die seit dem Ende des Salpeterkrieges 1884 ihren Zugang zum Meer verloren haben. Es gibt keine offiziellen Gespraeche, aber Chile schliesst eine Gebietsabtretung kategorisch aus. Bolivien liefert dafuer kein Erdgas nach Chile und verkauft das Gas an andere Laender nur unter der Auflage, es nicht an Chile weiterzuverkaufen…

El fin del mundo: Ushuaia

Tuesday, November 21st, 2006

Von El Chaltén gab es zwei Moeglichkeiten, nach Ushuaia zu gelangen: zuerst mit dem Bus vier Stunden nach El Calafate zu fahren und dann weitere 19 Stunden mit dem Bus zu fahren (50$) oder eine Stunde zu fliegen (150$) – keine wirklich schwere Entscheidung…

UshuaiaGut erholt kam ich also am Ende der Welt an: Laut Eigenwerbung ist Ushuaia die suedlichste Stadt der Welt. Sie ignorieren damit, dass Puerto Williams (Chile) auf der anderen Seite des Beagle-Kanals noch 1,5 Grade tiefer liegt und immerhin auch fast 3000 Einwohner hat – aber so sind sie halt, die Argentinier ;)
Auf jeden Fall war ich ueberrascht, wie viele hohe Berge es hier noch hat.

Die Stadt wurde uebrigens Ende 19. Jahrhundert als Straeflingskolonie gegruendet, als Vorbild dienten den Argies Australien (Grossbritannien) oder Neukaledonien (Frankreich). Das Gefaengnis wurde 1947 geschlossen und zu einem Museum umgebaut. Heute ist Ushuaia vor allem Ausgangspunkt oder letzte Haltestelle auf einem Trip in die Antarktis.
Unser BootGestern habe ich eine Bootstour im Beagle-Kanal unternommen. Habe extra noch gefragt, ob das Meer ruhig sei oder ob die Gefahr der Seekrankheit besteht. Der Typ hat mir gesagt, dass das Wasser voellig ruhig sei. Ich habe ihm trotzdem misstraut und meine Navimag-erprobten Medis eingeworfen. Und tatsaechlich, das Wetter verschlechterte sich ein bisschen und die Wellen wurden ca einen Meter hoch – also ziemlich hoch fuer meinen Geschmack. Aber ich hab mich hier schon zum Seebaer entwickelt (oder aber die Medikamente wirkten): Ich fuehlte mich absolut wohl.

Kormorane und SeeloewenWir fuhren also ein paar Stunden im Beagle-Kanal rum und sahen einige Kormorane und Seeloewen.

Zufaelligerweise war auch die Englaenderin, die ich in Pucón traf und mit der ich auf dem Schiff war, auch gerade in Ushuaia. Hab mich mit ihr auf ein Bier getroffen und sie hat mir den Tipp gegeben, moeglichst bald ein Busticket nach Punta Arenas zu besorgen, weil die Gefahr besteht, dass die Busse oft tagelang ausgebucht sind.

Ich habe auf jeden Fall ein Ticket fuer den Mittwoch gekriegt und werde morgen wieder Chile und damit das Festland betreten. Die Fahrt beinhaltet auch noch eine Fahrt mit der Faehre ueber die Magellanstrasse und wird deshalb ungefaehr zwoelf Stunden dauern…

El Chaltén: Fitzroy und Pferdereiten

Sunday, November 19th, 2006

Die Fahrt von El Calafate nach El Chaltén war eine der schoensten und eindruecklichsten, die ich je unternommen habe: Pampas, flach, keine Menschen, steckengerade Strassen bis zum Horizont, kitschiger Sonnenuntergang ueber dem Fitzroy. (Muss ich erwaehnen, dass der Kamera-Akku gerade leer war und der Ersatz unten im Bus lag?)

Fitz Roy
El Chaltén ist das neueste Dorf in Argentinien – es wurde 1985 von den Argentiniern gegruendet, bevor die Chilenen Anspruch erheben konnten. Die Grenzstreitigkeiten an dieser Stelle sind bis heute noch nicht geloest. Der Berg Fitzroy heisst in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén – deshalb der Name des Dorfes. Chaltén bedeutet eigentlich “Vulkan”… die Indianer haben es irgendwie nicht so genau genommen. Das Dorf hat einen gewissen Charme, da die Berge unmittelbar sichtbar sind und man nicht noch eine stundenlange Busfahrt vor sich hat wie in Puerto Natales oder in El Calafate. Ausserdem gibt es hier keine Bankautomaten, keine Handyantennen und keine Zeitungen – wirklich sehr abgelegen.

Am ersten Tag haben wir uns fuer den Aufstieg zu einem Aussichtspunkt auf den Fitzroy entschieden. Wir waren vier Stunden unterwegs. Am Schluss folgte ein harter Aufstieg zur Laguna de los Tres von wo aus ein unglaublich blauer Bergsee sichtbar wurde… irgendwie scheinen das Wasser und die Gletscher hier in Patagonien blauer als in den Alpen…?

Gaucho RomanAm zweiten Tag wollten wir die Cerro Torres besichtigen. Ein Berg uebrigens, der immer noch unbestiegen ist – sogar Reinhold Messner ist hier schon gescheitert. Und ich probierte mal etwas ganz neues aus: Pferdereiten!
Auf einem Weg ueber drei Stunden sollten wir an einen Aussichtspunkt gelangen, von wo wir den Cerro Torres besichtigen koennten.
Wir kriegten noch schnell eine kleine Einfuehrung im Reiten: Der Guide schaffte es, uns innerhalb einer Minute zu kleinen Gauchos auszubilden. Aber die Aufregung war nur halb so wild, ich sass einfach oben drauf und mein Pferd folgte brav dem Guide.
Der Weg fuehrte durch Baeche, Moore, Stock und Stein. Eine kleine Aufregung gabs fuer mich jeweils wenn ich spuerte, dass das Pferd rutschte… aber im Grossen und Ganzen war das Pferd sehr sicher. Spektakulaer wurde es dann, als Gregors Pferd einen Umweg durch die Baeume einschlug aber die Koerperhoehe des Reiters nicht einkalkulierte. Gregor landete mit dem Hintern im Moor. Ich sah es passieren, aber mein Minimum an Anstand verbot es mir, die Kamera zu zuecken….

Cerro Torres ohne Wolken ;)Als wir dann den Aussichtspunkt erreichten, war der Cerro Torres dann voellig in den Wolken und es gab keine Aussicht auf Besserung, so dass wir dann nochmals drei Stunden auf den Pferden talwaerts verbrachten… Am Abend waren wir fast noch mehr kaputt als nach fuenf Tagen Torres del Paine und gewisse Koerperteile schmerzten sehr ;)

Puerto Natales – El Calafate

Sunday, November 19th, 2006

Als naechstes stand der argentinische Teil Patagoniens auf dem Programm. Auf der (vorwiegend Schotterpiste) 200km langen Strecke zwischen Puerto Natales und El Calafate fuhren wir an einigen Minenfeldern vorbei – wohl noch Ueberbleibsel vom Konflikt von 1978. Genau an der Grenze setzte dann ein Hagel- und Schneeschauer ein. Ein erstes Mal bot sich mir ein endloses Bild der Pampa.

Gletscher Perito Moreno
Von El Calafate fahren jeden Tag unzaehlige Busse in den Nationalpark “Los Glaciares”, wo der Gletscher Perito Moreno die Hauptattraktion ist. Pro Tag waechst dieser Gletscher ungefaehr einen Meter und es gibt dauernd Abbrueche. Die toenen zwar spektakulaer, aber wirklich grosse Brocken abbrechen sahen wir nicht. Wir hatten drei Stunden Aufenthalt am Gletscher, aber einem Gletscher beim Wachsen zuschauen ist etwa so interessant, wie einer Waschmaschine beim Waschen zuzuschauen.
Leider gibt es in diesem Park kaum Wanderwege, so dass sich die Zeit bis zur Rueckfahrt ein bisschen hinzog.