Archive for the ‘Chile’ Category

Heiraten auf der Osterinsel – Montag 28. April 2008

Friday, May 9th, 2008

Es sollte also am Anakena Strand stattfinden.

Dafuer mussten wir uns auf dem Zivilstandsamt einen Termin reservieren. Die Friedensrichterin, die die Zermonie durchfuehren wuerde, machte uns ein bisschen Bammel, weil Anakena – wie praktisch die ganze Insel zum Nationalpark – gehoert. Und deshalb muss man sich erst die Erlaubnis von CONAF (chilenische Forstbehoerde, die die Nationalparks ueberwacht) einholen, was sich in letzter Zeit als immer schwieriger herausgestellt haette.

Anakena

Sie erzaehlte uns, dass wir auch im Buero heiraten koennten – ja klar, deswegen sind wir auch extra fuenfeinhalb Stunden hergeflogen. Erst als ich ihr versprach, dass ich ihre 50 Franken Gebuehren und zusaetzlich auch ihr Taxi im voraus zahlen wuerde, freundete sie sich mit dem Gedanken an.

Der Heiratsvorgang auf dem chilenischen Standesamt ist sehr einfach: Chilenen brauchen nur ihre Cédula (Identitaetskarte), Auslaender ihren Pass.

Wenn man als Auslaender in Chile einreist, kriegt man an der Grenze ein Papierchen mit dem Einreiseort und Datum, was vom Zoellner abgestempelt wird. Man kommt in ziemliche Schwierigkeiten, wenn man dieses Papierchen bei der Ausreise nicht vorweisen kann. Wenn man allerdings ein Visum beantraegt, muss man dieses Papier an die Policía Internacional abgeben. Da ich nun also kein Papierchen mehr hatte und mein Visum am 24. April abgelaufen war, kam die Friedensrichterin ziemlich ins Schwitzen.

Ich hatte ihr zwar erklaert, dass ich extra vorher auf die Policía Internacional angerufen habe und mir versichert wurde, dass man nach Ablauf des Visums sich noch 30 Tage als Tourist im Land aufhalten koennte. Und weil ich die chilenischen Behoerden kenne und zwei Beamte mindestens drei Meinungen haben, habe ich dreimal an verschiedenen Orten angerufen und habe tatsaechlich drei Mal dieselbe Antwort erhalten.

Der Gemeindepolizist wollte mich aber belehren und mir sagen, dass ich eigentlich gerade illegal im Land waere. Ich haette naemlich wieder so ein Papierchen beantragen sollen, nach dem mein Visum abgelaufen waere. Tja, da hatte er sich aber geirrt und irgendwie gelang es der Friedensrichterin, meine Daten im System einzugeben.

Nun mussten auch noch die Zeugen erfasst werden. Neben Paolas Mutter hatte sich auch Miguel, der Hotelangestellte, sich bereit erklaert, diese wichtige Rolle zu uebernehemen. Aber auch bei Paolas Mutter gab es Probleme: Sie ist zwar in Chile geboren, waehrend ihrem Exil in Australien hat sie aber die Nationalitaet verloren und ist heute Australierin. Sie koennte laengstens wieder den chilenischen Pass beantragen, muesste dafuer aber den australischen abgeben, was sie aber nicht will.

So fragten wir eine Frau in der Schlange an, ob sie sich als Zeugin zur Verfuegung stellen wuerde, was sie natuerlich tat. Dann stand es fest: Wir heiraten am Dienstag 29. April 2008 um 1400 Uhr Ortszeit.

Ok, nun fehlte noch:

  • Anakena besichtigen
  • Erlaubnis einholen, um in Anakena zu heiraten
  • Fotograf (“ist organisiert, macht euch keine Sorgen”)
  • das Mittagessen nach der Zeremonie
  • zwei Zeugen organisieren

Wir stoppten also das erstbeste Taxi, dessen Fahrer Raúl sich als sehr sympatisch herausstellte und sowas wie unser Privatchauffeur in diesen Tagen wurde. Er war als 17jaehriger von Chile her auf der Insel angekommen und diese nun waehrend knapp 30 Jahren nicht mehr verlassen.

Auf den 15 Kilometern zum Strand quer ueber die Insel kamen wir ins Gespraech und er versprach uns, zu helfen, wo und wie es nur ginge.

Als wir ankamen, war es fuer Paola und mich klar: Das muss es sein! Wir sprachen mit den Souvenir-Verkaeufern, der Parkwaechterin und der Kioskfrau. Die Parkwaechterin wollte unbedingt Zeugin sein bei der Zeremonie und versprach, fuer Paola eine Blumenkrone zu organisieren. Die Kioskfrau meinte, wir sollten Fisch und Fleisch mitbringen, was die Leute dann am Strand fuer uns zubereiten wuerden. Sie selbst wuerde Salat machen.

Wir badeten im Sandstrand und zum ersten Mal fror ich nicht im chilenischen Meer ;)

Im Hotel angekommen, nahmen wir mit dem von Edith vermittelten Fotografen Kontakt auf. Eine Ueberraschung mehr: Der macht gar keine Fotos, er filmt… Er meinte zwar, man koennte ja dann aus Standbildern Fotos extrahieren. Aber erstens ist die Qualitaet schlecht und ich bin ueberhaupt kein Video-Fan. Gute Fotos, das wollten wir.

Raúl fuhr uns in ein Restaurant, wo wir assen und auch eine Liveshow sahen. Raúl sagte, er wuerde jemanden kennen, der einen guten Fotografen kenne… wie auch immer: Waehrend des Essens kam ein Kellner an unseren Tisch und meinte, es wuerde jemand an der Bar auf uns warten.

Es war der verspochene Fotograf! Er war zwar ein bisschen teuer und er hatte keine Referenzen zu bieten. Aber wir hatten ein gutes Gefuehl und gaben ihm den Auftrag fuer den naechsten Tag.

Heiraten auf der Osterinsel – Sonntag 27. April 2008

Wednesday, May 7th, 2008

Eigentlich habe ich mich lange nicht mit dem Thema Heiraten beschaeftigt. Als Paola und ich den Entschluss fassten, war fuer mich aber klar, dass es keine gewoehnliche Zeremonie sein soll.

An Chile gefaellt mir vor allem die vielseitige Natur und ich wollte unbedingt irgendwo “draussen” heiraten. Aber wo? Berge, Wueste, Strand? An der Strand-Idee gefiel mir der Gedanke an Waerme, Sand und Meer. Also habe ich mich mal im Internet umgeschaut und stiess auf TripAdvisor auf einen Post eines deutschen Paares, das sich auf der Osterinsel am Anakena Strand getraut hat.

Anakena Beach

Ich war von der Idee sofort begeistert und Paola zu ueberzeugen kostete keine fuenf Sekunden. Auch wenn das fuer sie bedeuten wuerde, dass sie ohne Familie und Freunde heiraten wuerde. Aber unsere Meinung war, dass es unser Fest, unser Tag sei und wir beide die Zeremonie machen werden, mit der wir gluecklich werden.

Der Entschluss war also gefasst und der Zeitpunkt war auch schnell geklaert: Nach meiner Kuendigung bei Oracle und vor der Rueckkehr in die Schweiz, also irgendwann Ende April.

In Santiago muss man den Termin auf dem Standesamt zwei Monate vorher anmelden und so haben wir im Februar erstmals Kontakt mit den Hoteleigentuemern – die dem deutschen Paar bei der Heirat geholfen haben – aufgenommen. Edith, die Chefin, hat uns aber gesagt, dass auf der Insel alles ein bisschen anders laeuft als in Chile – dem “Conti”, wie sie den Rest des Landes nennen. Sie teilte uns mit, wir sollen nach unserer Ankunft einfach auf das Standesamt, einen Termin fuer den folgenden Tag verlangen und so koennten wir also schon am zweiten Tag heiraten und den Rest des Aufenthalts in vollen Zuegen geniessen.

Es war uns auch klar, dass wir Gabrielito, Paolas Sohn, dabei haben wollten und dachten eigentlich, dass wir zu dritt auf die Osterinsel fliegen werden. Ein paar Wochen vor dem Abflug hatte ich aber dann von Paolas Schwester erfahren, dass als Ueberraschung Paolas Mutter mitkommen wuerde. Wir schafften es, unseren Mund halten, so dass es fuer Paola eine riesige Ueberraschung wurde, als sie erst am Flughafen erfuhr, dass ihre Mutter uns begleiten wird.

Vor dem Flugzeug

Am kleinen Flughafen auf der Osterinsel wurden wir vom Hotelpersonal mit einem Blumenkranz begruesst. Im Hotel erwartete uns eine Ueberraschung: Edith – die Eigentuemerin, mit der wir alles besprachen – war gerade in Santiago und wuerde bis Ende Woche nicht auf der Insel eintreffen. Und als wir unser Zimmer sahen, fragten wir uns, wie gut die Kommunikation geklappt hatte: Obwohl wir immer erwaehnten, mit dem fuenfjaehrigen Gabriel zu reisen, wurde uns ein Doppelzimmer reserviert… Es war nur noch ein Fuenf-Bett-Zimmer da, welches mehr Platz bot, allerdings natuerlich auch teurer waere. Wir beschlossen, erst mal den Fuenfer-Schlag zu beanspruchen.

Edith hatte uns am Telefon erzaehlt, dass viele Paerchen sich an einer Stelle mit Moais am Meer trauen lassen. Miguel, einer der 21 Geschwister von Edith, bot uns an, diesen Platz zu besichtigen aber mir war sofort klar – ohne den Anakena Strand persoenlich gesehen zu haben – dass es der Strand sein muss.

Im Hotel erwartete uns Ruby – Ediths Schwester – mit einer Preisliste von Hochzeitszeremonien. Nicht nur, weil sie dachte, wir wollten am Montag heiraten, sondern auch weil die Preise bei 2500 Dollar starteten, wunderten wir uns einmal mehr ueber die Fehlkommunikation. Oder aber ich haette nach praktisch zwei Jahren Chile mich nicht auf ein “Wenn ihr rueberkommt, wird alles organisiert sein. Mach dir keine Sorgen!” verlassen sollen.

Es lag nun auf der Hand, dass von nun an wir alles selber organisieren wollten und auch mussten.

Happy End

Friday, May 2nd, 2008

Weil jede Geschichte ihr Happy End braucht…

Herbst in Yerba Loca

Sunday, April 13th, 2008

Herbst in Yerba Loca

FONASA, ISAPRE und AFP

Wednesday, April 9th, 2008

Ich bin gerade krank und deshalb verspuere ich irgendwie Lust, mal was ueber die Krankenversicherung und die Pensionskassen in Chile zu schreiben.

In Chile bezahlen alle Leute gleich viel, naemlich 7% vom Bruttolohn, fuer die Krankenversicherung – sofern sie denn eine haben, denn obligatorisch ist das natuerlich nicht. Alle, die es sich leisten koennen, werden mindestens von der staatlichen Krankenversicherung FONASA (Fondo Nacional de Salud) versichert. Besserverdienende werden von den privaten Krankenkassen (ISAPRE – Instituciones de Salud Previsional) umworben. Wenn man schon 7% so oder so abliefern muss, schliesst man also mit einer privaten Krankenkasse einen Vertrag ab wo man eine bessere Versorgung kriegt als bei der staatlichen FONASA.

Wie so vieles andere in Chile sind auch die Pensionskassen privatisiert. Knappe 13% des Bruttolohnes werden jeden Monat an die AFP (Administradoras de Fondos de Pensiones) abgeliefert. Hier kann man dann auch noch zwischen fuenf verschiedenen Modellen waehlen, wo man einzahlen will. Fond A verspricht bis zu 30% Gewinn in 12 Jahren aber im schlechtesten Fall hat man zu dem Zeitpunkt nur noch 60% vom urspruenglich einbezahltem Geld. So wird das dann nach Risiko abgestuft bis Fond E, wo man weder verliert noch was gewinnt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie viel Geld ich aus meinem Fond A zurueck kriege…