Archive for the ‘Patagonien’ Category

Punta Arenas

Friday, November 24th, 2006

Um fuenf Uhr morgens nahm ich den Bus von Ushuaia in Richtung Chile, die Reise sollte ungefaehr 12 Stunden dauern. Die FaehreDas war nur halb so schlimm, denn die Landschaft war ausserordentlich abwechslungsreich: Zuerst die Berglandschaft um Ushuaia, dann die Steppe und schliesslich der Atlantik. Nach dem Grenzuebertritt, der wieder langes Anstehen bedeutete, erreichten wir die Faehre an der Magellanstrasse. Die Stelle, an der wir die Meeresenge ueberquerten, war mit 4.5km eine der schmalsten Stelle der Magellanstrasse.

Der Bus hatte dann Probleme mit der Kuehlung, so dass wir dann nur noch mit ca 40 bis 50 km/h Richtung Punta Arenas tuckerten und schliesslich nach 19 Uhr da ankamen. Die Zeit reichte aber noch, um mir einen Platz in einer Tour zu einer Pinguinkolonie fuer den naechsten Tag zu sichern.

Das Mausoleum von MenendezPunta Arenas gefiel mir auf den ersten Blick sehr gut. Etwas Grossstadtcharme nach einigen Wochen Patagonien tat mir gut. Uebrigens ist ein paar Kilometer suedlich von hier der geografische Mittelpunkt Chiles. Toent komisch, ist aber so. Wenn man naemlich die von Chile beanspruchten Gebiete der Antarktis beruecksichtigt, ist man hier tief im Sueden trotzdem im Mittelpunkt des Landes.

Da der Ausflug zur Pinguinkolonie erst am Nachmittag auf dem Programm stand, besichtigte ich am Vormittag den Friedhof von Punta Arenas. Laut Eigenwerbung einer der schoensten Friedhoefe Suedamerikas. Da ich schon in Buenos Aires den Friedhof La Recoleta gesehen habe, fand ich das ein bisschen ein grosses Versprechen. Aber sie haben nicht uebertrieben: einige der Mausoleen in Arenas wuerden auch eine gute Figur in Buenos Aires machen.
Von Oktober bis Maerz brueten die Magellanpinguine am Strand des Otway-Sound, ein Meeresarm des Pazifiks. Diese Pinguinkolonie ist ca 60km von Arenas entfernt. Da die Pinguine von morgens acht Uhr bis Nachmittags 15 Uhr im Wasser sind, starten die Tours in die Kolonie jeweils um 16 Uhr.
Magellan-Pinguine
Die Magellanpinguine sind monogam und nutzen jedes Jahr den selben Brutplatz. Die kleinen Pinguine verlassen schon im Alter von 60 Tagen das Nest und folgen dem kalten Meerestrom nordwaerts – manche werden bis Rio de Janeiro gesichtet. Die Eltern raeumen den Nistplatz auf und folgen dann ein paar Tage spaeter ihren Jungen.

Nationalpark Torres del Paine

Sunday, November 19th, 2006

Was macht man in Puerto Natales? Richtig, man bucht seinen Trip in den Nationalpark Torres del Paine.

Als ich also mit der Navimag in Natales ankam, ging es darum, mich fuer eine Route zu entscheiden und einen Platz in den entsprechenden Berghuetten zu reservieren.
Wie die meisten entschied ich mich, das “W” zu machen. das wDer W-Kurs (rot) sieht vor, dass man das Tal der Torres del Paine, dann das Valle Francés und zum Schluss am Lago Grey bis zum Grey-Gletscher wandert und hat eine Laenge von 75km. Es wird empfohlen, fuer diese Route drei bis vier Tage zu planen. Da ich genuegend Zeit habe, habe ich fuenf Tage vorgesehen und habe vier Naechte in Refugios (Berghuetten) gebucht. Trotzdem dass erst November ist und damit Nebensaison, war ein Refugio schon ausgebucht und ich musste dann eine Nacht in einem Zelt verbringen.

Tag 1:
Torres del PaineUm 7 Uhr wurde ich bei meinem Hostal abgeholt und nach zwei Stunden kamen wir im Nationalpark an und wurden beim Eingang aus dem Bus geworfen. Da warteten schon Minibusse, die uns zum Ausgangspunkt der Wanderung zu den Torres fuehren wuerden… fuer 1000 Pesos (2.50CHF) mehr. Irgendwie hatte ich genug von diesen Extra-Sachen. Immer, wenn man in Chile einen Alles-Inklusive-Trip bucht, kommt irgendwo noch ein Typ daher und verlangt zusaetzliche Kohle. Ich bin ja wohl eher jemand, der sein Geld mit beiden Haenden aus dem Fenster wirft, aber dieses Mal hatte ich genug, habe mir das Geld gespart und zusaetzliche 7.5km gelaufen.

Auf dem Weg zu den Torres sind immer nur zwei Tuerme sichtbar, deshalb muss man die ganzen vier Stunden laufen, um dann alle drei zu sehen. Das Wetter wurde immer besser und der Aufstieg wurde mit einer grandiosen Sicht auf die Torres wirklich belohnt.

Weil der W-Kurs aus drei Talwanderungen besteht, muss man die Wege immer zwei Mal machen… was aber andererseits den Vorteil hat, dass man den schweren Rucksack am Anfang des Tales deponieren kann.

Beim Nachtessen habe ich dann Leute wieder getroffen, mit denen ich in Pucón den Vulkan bestiegen habe und habe noch ein schweizer Paerchen – Gregor und Simone – kennengelernt.
Meine Beine waren auf jeden Fall sehr muede nach fast zehn Stunden wandern und ich fragte mich noch, wie sie sich am naechsten Tag anfuehlen werden.

Tag 2:Los Cuernos

Erstaunlicherweise waren meine Beine sehr gut erholt. Gemeinsam mit Gregor und Simone machte ich mich auf den Weg. Die Ruhe und die Einsamkeit unterwegs waren sehr eindruecklich.
Ausserdem war es erstaunlich warm, statt wie erwartet mit Wollmuetze und Winterjacke wanderten wir mit Shirts und Shorts.
Am zweiten Tag sind wir zwar “nur” vier Stunden gelaufen, aber da ich den ganzen Weg den Rucksack trug, war es trotzdem ermuedend. Wir wurden aber mit einer schoenen Aussicht auf die Cuernos del Paine belohnt.
Da das Refugio ausgebucht war, musste ich in einem Zelt schlafen, welches ich aber gluecklicherweise nicht selber tragen musste, sondern vor Ort mieten konnte. In der Nacht regnete es dann, aber weil jemand mit Ahnung (nicht ich ;) ) das Zelt aufgestellt hatte, blieb ich und meine Sachen im Zelt trocken.

Valle FrancésTag 3:

Mittlerweile war unser schweizer Grueppchen schon auf fuenf Personen angewachsen: Carmen und Marco schlossen sich der Expedition an. Der Trip fuehrte uns an den Cuernos vorbei auf den mittleren Arm des W-Rundkurses in das Valle Francés, ein Tal mit Waeldern und Gletschern.
Am Nachmittag setzte Wind und Regen ein und schliesslich kamen wir voellig durchnaesst im naechsten Refugio an – so hatten wir also trotzdem unsere Patagonienerfahrung ;)
Dieses Refugio war brandneu… nicht mit Berghuettencharme wie das zuvor, aber immerhin mit einer grandiosen Aussicht auf den See und die Berge.

Gletscher GreyTag 4:

An diesem Tag stand nur eine Wanderung von 3.5 Stunden am Lago Grey entlang auf dem Progamm. Es war seeeeehr windig und drohte eigentlich dauernd zu regnen, aber es blieb trocken. Nach dem Mittag waren wir im Refugio angekommen, checkten ein und liefen dann noch naeher an den Gletscher. Hier hatte ich dann wirklich das Gefuehl als waere ich am Ende der Welt. Ich war froh, fuenf Tage fuer den Nationalpark geplant zu haben anstatt in drei Tagen hier durchzurennen. So konnte ich mich auch gut erholen, denn der Rucksack fuehlte sich jeden Tag ein bisschen schwerer an :)
Viele Touristen, die ich hier sah, hatten zu wenig Zeit. Die meisten machten ein Gesicht, als ob sie auf einem Gefangenentransport waeren und nicht in ihren Ferien. Ausserdem waren nachts um 10 Uhr immer schon alle anderen im Bett. Unser kleines Grueppchen war regelmaessig das letzte im Restaurant… aber trotzdem morgens nicht das letzte, das aus der Huette ging.

Tag 5:

Wir machten uns schon um 8 Uhr auf den Weg, um den Mittagskatamaran zu kriegen. So wuerden wir den fruehren Bus nach Puerto Natales erreichen und so um 17 Uhr zurueck sein, anstatt erst um 22 Uhr. Das Wetter war einmal mehr sensationell. Unglaublich, in fuenf Tagen hatten wir nur ganz wenig Regen. Ich hatte eher Schnee und Regen erwartet, aber statt dessen lief ich an zwei Tagen mit Shorts.
Am Abend trafen wir uns dann im Mesita Grande und genossen eine sensationelle Pizza. Zum Dessert konnte ich mich nicht zwischen Mousse au (Toblerone-)Chocolat und Panna Cotta entscheiden und hab dann halt schweren Herzens beide gegessen…

Von Puerto Montt nach Puerto Natales

Thursday, November 9th, 2006

Jedes Mal, wenn in meiner Abteilung bei Siemens jemand gekuendigt hat, wurde fuer diese Person Geld gesammelt. In meinem Fall haben meine Kollegen Geld zusammengelegt fuer die Fahrt mit der Faehre von Puerto Montt nach Puerto Natales. Vielen Dank nochmals dafuer!

Von Pucón ankommend, checkte ich gleich im Hafen ein Navimagund traf sogleich auf 5 Amerikaner, die ich an der Schule in Santiago kennengelernt habe. Auch eine Englaenderin, die im selben Hostal in Pucón untergebracht war, hatte die selbe Fahrt gebucht. Dummerweise war die Englaenderin sogar im selben Schlag wie ich untergebracht. Dummerweise deswegen, weil sie in Pucón so laut schnarchte, dass ich sie in der Nacht jeweils hoeren konnte, obwohl sie im ersten Stock und ich im Erdgeschoss schlief…

Da ich dauernd seekrank werde, habe ich in einer Apotheke Pillen gegen Reisekrankheit gekauft. Die Verkaeuferin hat mir gesagt, ich solle eine Pille zwei Stunden vor der Reise und dann alle acht Stunden eine nehmen. Auf dem Schiff wollte ich dann die erste zu mir nehmen, aber da der Beipackzettel fehlte, wusste ich nicht, ob ich das Medikament schlucken oder kauen sollte. Um ganz sicher zu gehen, habe ich eine Pille geschluckt und eine gekaut.
Auf jeden Fall war ich dann am Abend sehr muede und habe von 21 Uhr bis zum naechsten Tag um 8 Uhr geschlafen.

RegenbogenDas Wetter war hervorragend und die Landschaft sehr schoen und abwechslungsreich. Und zu wissen, dass die Leute die Geld fuer diesen Trip gesammelt haben, zu diesem Zeitpunkt wohl gerade alle arbeiten, machte den Aufenthalt sogar noch schoener ;)  

Danach nahm die Faehre Kurs auf die offene See und fuer die naechsten 12 Stunden waren Wellen angesagt. Ich war maechtig stolz, dass ich diese Phase heil ueberstanden habe.

Die Besatzung unternahm alles, um unseren Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu machen, entweder mit Vortraegen ueber die Region oder mit Filmen. Am Dienstagabend schauten wir den Film “Mi mejor enemigo” (Mein liebster Feind). Der Film spielt in Patagonien im Jahr 1978, als Chile und Argentinien kurz davor waren, einen Krieg um drei Inseln im Sueden anzufangen.

Am dritten Morgen kehrte die Faehre wieder in den Fjord zurueck und das Wasser wurde ruhiger. Wir machten wir einen Halt in Puerto Edén, einem kleinen Fischerdorf, das nur per Faehre erreichbar ist. Die 200 Bewohner gehoeren dem Stamm der Kawesqar an.
Pio XIAm Nachmittag erreichten wir den Gletscher Pio XI., der groesste Gletscher auf der Suedhalbkugel. Sehr eindruecklich: er ist ca 6 km breit und 75m hoch.

Am Abend schauten wir den Film “Machuca”, der sehr beruehrend die Geschichte dreier Kinder vor und waehrend des Militaerputsches in Chile zeigte.

Am vierten Tag passierten wir die schmalste Stelle der Reise, die 80m breit war und um 11 Uhr morgens kamen wir in Puerto Natales an.
Alles in allem eine sehr schoene Reise in einer wunderschoenen Landschaft.