Archive for the ‘Schweiz’ Category

Vorurteile

Thursday, November 8th, 2007

Obwohl die Mehrheit der Chilenen niemals in Europa – geschweige denn im Ausland ueberhaupt – war, haben alle ein Vorurteil ueber die Schweiz (sofern sie die Schweiz nicht mit Schweden verwechseln): Die Schweizer sind “cuadrado”, was man am besten wohl mit kleinkariert uebersetzt. Und das Verblueffende: Sie wissen das, obwohl sie vorher noch nie mit einem Schweizer geredet haben!

Wenn ich aber taeglich in der Metro und im Bus die Leute in ihrem taeglichen Alle-gegen-alle-Kampf beobachte, wie sie rennend und griesgraemig sich vordraengelnd in die Metro zwaengen, dabei sich die Ellenboegen in die Maegen schlagen und nie ein Wort der Entschuldigung zu hoeren ist, dann braucht man schon seeeehr grosse Fantasie, die viel- und selbstgepriesene Latino-Lebensfreude und Offenheit zu erkennen.

Das Chaotische hat auch seine guten Seiten: Man parkiert einfach ueberall – Ausser im Parkverbot (existiert wirklich, und die Bussen sind saftig). Als meine Freundin gestern nach Hause kam, war allerdings alles zuparkiert und sie hat das Auto im Parkverbot parkiert.

Heute morgen, als ich um halb acht das Haus verliess, parkierten wir das Auto um, weil es nun mehr Platz hatte und stellten das Auto am Strassenrand ab, wie das Millionen andere auch tun. Aber so ein Typ kam wie von der Tarantel gestochen aus seinem Haus gerannt und verlangte, dass wir umparkieren, da dies “sein Parkplatz” sei. Ich bat ihn, mir das Schild zu zeigen, wo sein Name drauf waere. Er meinte, dass man ein Recht darauf habe, innerhalb 20 Metern um sein Haus zu parkieren. Wir: “Ja, dann passt es ja, wir wohnen gleich da vorne.” Er wurde nur noch aggressiver und sagte, wir koennten das Auto da lassen, aber es wuerde dem Auto “etwas” (una huea) passieren.

Ging dann zur Arbeit und da passte es gerade zu meiner Laune, dass so ein Typ mich dauernd anstarrte. Das ist an sich zwar nichts neues, aber da war ich wirklich nicht in der Stimmung. Ich starrte also zurueck und jeder normale Mensch wuerde wegschauen… aber nicht in Chile. Der starrte und starrte Loecher – Bis ich dann mich offensichtlich zu ihm rueberbeugte und ihn anstarrte.

Kurze Zeit spaeter schickte mir Paola eine Nachricht, dass sie in der Beifahrertuere des Autos eine Beule entdeckte, die ganz neu war! Der Fall war natuerlich klar, aber ohne Zeugen ein bisschen schwierig. Ausserdem nach dem Erlebnis mit dem gestohlenen Auto war auch klar, dass die Carabineros nicht die grosse Hilfe sein werden.

Nach der Arbeit hatte ich mir die Beule mal angeschaut und zufaellig kam der Nachbar auch gerade angefahren. Schon beim Aussteigen sah ich, dass er fast in die Hosen machte – Ich meine, was gibt es feigeres als eine Beule in ein Auto zu machen…?

Ich sagte ihm nur, dass ich keine Lust habe, mit ihm zu diskutieren und wir nun zur Polizei gingen um Anzeige zu erstatten. Danach koenne er dann via unserem Anwalt kommunizieren. Ausserdem haetten wir eine Zeugin. (Nicht wirklich – Nur eine Nachbarin, die aehnliche Erfahrungen mit dem Kerl gemacht hatte.)

Er wollte mir dann klar machen, dass es “in Chile” halt eine Regel gaebe. Neuzugezogene muessten den Befehlen den Alteingesessenen folgen! Das sei eine Frage von Moral und Respekt! Ich teilte ihm mit, dass seine Beulenaktion wohl kaum von Moral und/oder Respekt zeuge.

Aber eigentlich wollte ich auf diesen Bloedsinn wirklich nicht reagieren und ich kam ja nicht um zu streiten, sondern nur um ihm ein bisschen Angst zu machen… Habe dann auch noch demonstrativ meine Kamera hervorgeholt, um ein paar Fotos zu machen.

Auto 1

Auto 2

Auto 3

Wir waren dann schon bereit, zur Polizei zu gehen, als es an unsere Tuere haemmerte. Mal die Kette montiert und vorsichtig geschaut: Ah, perfekt, wir koennen den Weg sparen. Denn da waren sie ja schon, die Carabineros!

Der Paco hat dann in einem aggressiven Ton erklaert, dass es eine Beschwerde gaebe und wir das Auto umparkieren muessten. Es wuerde ausserdem schon Tage da stehen.
Wir haben ihm dann unsere Sichtweise erklaert und ihm wurde schnell klar, was wirklich abging. Aber auch er riet mir, den Widerstaenden auszuweichen, umzuparkieren und in Zukunft nicht mehr vor dem Nachbarshaus zu parkieren.

Ich fragte ihn dann, ob Chile so funktioniere, dass der Recht bekomme, der Gewalt und Drohungen anwende. Natuerlich sei das nicht so und riet uns trotzdem, auf eine Anzeige zu verzichten, da am Schluss eh Wort gegen Wort stehen wuerde. Und ausserdem koennte das fuer mich als Auslaender unangenehm werden.

Na ja, die Cops werden einen Bericht ueber diesen Einsatz schreiben. Deshalb verzichteten wir dann darauf, eine Anzeige einzureichen – was ja eh nutzlos waere. Das beste ist sowieso, Idioten zu ignorieren.

UND DER NAECHSTE CHILENE, DER MIR ERKLAEREN WILL, DASS SCHWEIZER “CUADRADO” SIND, KRIEGT EINE LUSTIGE GESCHICHTE ZU HOEREN!

Ich, der Medienstar oder Schweiz gegen Chile

Monday, September 10th, 2007

Das Spiel Schweiz gegen Chile am vergangenen Freitag war natuerlich schon lange ein Gespraechsthema. Die Chilenen wissen zwar, dass ihr Team nicht zu den besten Suedamerikas zaehlt, aber das wuerde ja immer noch genuegen, um die Schweiz zu besiegen. Wenn ich dann einwende, dass wir 2006 an der WM waren und Chile nicht, ist ihr Einwand: “Wir muessen uns gegen Argentinien und Brasilien qualifizieren, ihr hingegen gegen Andorra, San Marino und Lichtenstein.”

Na ja, wie auch immer. Ich war auf jeden Fall zuversichtlich. Die Chilenen moegen vielleicht eher die Zauberer in ihren Reihen haben, aber sie sind vor allem auch immer wegen Disziplinlosigkeit und Unordnung im Spiel aufgefallen.

Der Kickoff des Matchs war in Santiago um 12 Uhr Mittags Ortszeit und ich wollte das Spiel unbedingt inmitten von Chilenen sehen. Ich traf mich mit einem anderen Schweizer (ebenfalls Roman) in der Fussgaengerzone vor einem Grossbildschirm.

Typisch Windows

Der Platz fuellte sich langsam mit Leuten und da sich der andere Roman noch nicht getraute, Farbe zu bekennen, war ich im roten schweizer Natidress natuerlich die Attraktion in Mitten hunderter Chilenen.

Ball im Spiel

Vor allem bei den Toren fuehlte ich hunderte Augenpaare auf mich gerichtet. Trotzdem waren die Fans in der Pause beim Stand von 1-1 noch guter Dinge. In der Pause wollten die Teams von ChileVision und Canal 13 Interviews mit mir machen. Sie wollten beide wissen, wieso ich hier bin, wieso ich gerade hier das Spiel schaue und wie ich mich fuehle in Mitten so vieler Chilenen.

Interview mit Canal 13

Das war ueberhaupt kein Problem: Ich fuehlte mich zwar noch viel exotischer als sonst schon, aber ausser Spruechen von Seiten der Chilenen passierte ueberhaupt nichts.

In der zweiten Haelfte konnten wir anhand des Tors fuer die Schweizer, des nichtgegebenen Goals fuer Chile und auf Grund der vergebenen Chancen der chilenischen Mannschaft noch unser Fluchwort-Repertoire erweitern. Gefaehrlich – wie es der andere Roman erwartete – wurde es aber nie. Schliesslich war es nur ein Freundschaftsspiel und wir trugen das schweizer Dress – und nicht ein argentinisches oder peruanisches.

Zuschauer in der Fussgaengerzone

Auch nach dem Schlusspfiff blieb es freundlich: Wir mussten unzaehlige Haende schuetteln und auch wir gratulierten hoeflich zu einem guten Spiel. Es folgte noch ein Interview mit TVN und dem Revolverblatt der Zeitung Las Últimas Noticias, welche wissen wollten, wie wir das Spiel bewerteten.

Bericht LUN

In der Samstagsausgabe von LUN war dann tatsaechlich meine Aussage (“Die Schweiz hatte mehr Glueck als Chile”) der Titel des Berichts… ich wollte ja nicht provozieren ;)

Ob allerdings meine Fernsehinterviews ausgestrahlt wurden, weiss ich nicht. Ich fuehle mich jetzt trotzdem ein bisschen (C-) prominent. :D

Saludos desde Chile

Tuesday, August 21st, 2007

Schon seit ueber einer Woche bin ich nun wieder zurueck hier in Santiago und vertreibe meine Zeit mit Job- und Wohnungssuche – und Snowboarden ;)

Die drei Wochen Ferien in Europa waren wunderschoen und gingen natuerlich viel zu schnell vorbei. Vielen Dank an alle, wir haben es sehr genossen.
Andererseits konnten wir natuerlich in dieser beschraenkten Zeit nicht allen Leuten die Zeit widmen, die sie verdient gehabt haetten. Aber man sieht sich ja wieder!

Hier nachfolgend ein paar Impressionen aus drei Wochen Schweiz und Spanien:

Hopp FCL

Monday, May 28th, 2007

Danke an fuer den Gruss via Radio Pilatus an wen auch immer!

Hoere gerade, wie sich der FCL im Cupfinal schlaegt…

Na ja, genuetzt hat’s nichts :(

Livescore

Besuch aus der Schweiz und wieder mal im Stadion

Tuesday, April 24th, 2007

Das Highlight der letzten Woche war natuerlich, dass endlich ein Techniker von Telefonica vorbeigekommen ist. Nach vier Monaten Warten habe ich nun endlich einen Telefon- und Internetanschluss in meiner Wohnung!

Das andere erfreuliche Ereignis war der Besuch aus der Schweiz: Zum Abschluss seiner Suedamerika-Tournee ist mein alter Fussballkumpel Reto mit seinem Kollegen Flavian in Santiago eingetroffen. Die beiden haben sich bei mir einquartiert, was ein bisschen eng wurde, aber trotzdem irgendwie gut ging.
Habe mich als Touristenfuehrer betaetigt, was grossen Spass gemacht hat.

Estadio Nacional

Die beiden wollten ein Spiel der chilenischen Fussballmeisterschaft sehen, und so sind wir am Sonntag ins Estadio Nacional gefahren, um die hochklassige Partie zwischen Palestino (15.) und Universidad de Chile (10.) sehen. Da Palestino das Heimteam war (allerdings nuetzt auch La U das Nationalstadion als Heimstadion) wurde neben der chilenischen auch die palestinensische Flagge gehisst und aus den Lautsprechern droehnte arabische Musik… irgendwie fast wie an einem Laenderspiel.

die palestinensische Flagge

Das Spiel war auf niedrigem Niveau. Selten kamen die letzten Paesse an, viele Fehler und schliesslich – als Palestino mal vors Tor kam – das 1-0 per Foulpenalty… anders konnte man sich kaum vorstellen, dass eine Mannschaft ein Tor schiessen koennte.

1-0 fuer Palestino

In der zweiten Haelfte drehte La U auf. Mehr als ein weiterer Penalty, der zum Ausgleich fuehrte, schaute allerdings nicht raus.

Spielerisch wie gesagt sehr schwach. Erstklassig aber einmal mehr die Fans von La U, die ihr Team 90 Minuten anfeuerte. Leider kommt die Stimmung auf meinem Youtube-Video nicht so toll rueber.

Und hier noch saemtliche Highlights vom Spiel:

Am naechsten Wochenende kommt es in Santiago zum Superclásico zwischen Colo Colo und La U, den beiden Mannschaften mit den meisten Fans. Im Buero sind fast alle Colo Colo Fans und wollen mich unbedingt ins Stadion mitnehmen. Das wird aber wahrscheinlich ziemlich gefaehrlich werden, denn Ausschreitungen sind ueblich. Werde mir das Spiel also wahrscheinlich irgendwo in einer Bar im Stadtzentrum anschauen.