Was macht man, wenn man dringend mit der Polizei reden will? Man ruft den Notruf! In Chile ist das die Nummer 133.
Also zum Beispiel, wenn dein Auto geklaut wird. Problem: Niemand nimmt ab. Da keine Zeit zu verlieren ist, muss man also das Taxi zum Polizeiposten nehmen, denn jede Minute koennte zaehlen… wie das dann weitergegangen ist, koennt ihr im verlinkten Blogpost lesen. Und seither ist betreffend geklautem Auto nie wieder was passiert. Pech, in Santiago werden ja auch mehr als nur unser Auto geklaut.
Andererseits leben im Haus gegenueber ungefaehr 10000 Leute. 24 Stunden am Tag gehen die Leute ein und aus. Schluessel gibt es scheinbar auch keine, denn wenn man rein will, muss man an die massive Holztuere oder an die Fensterscheiben klopfen. Und wie gesagt, das 24 Stunden am Tag.
Das eigentliche Problem sind aber die Alkis, die da auch wohnen. Sind jeden Tag besoffen, lallen, schreien, streiten. Und was ich auch gemerkt habe: Fenster, die nicht gegen Kaelte schuetzen, nuetzen auch nichts gegen Laerm von der Strasse. Wenn also jemand vor unserem Haus Laerm macht, haben wir das praktisch ungefiltert in der Wohnung.
Aber ja, man gewoehnt sich ja und passt sich an. Als dann die Besoffenen aber begannen, mit Bierflaschen massenweise um sich zu werfen und das vor allem auch in Richtung unseres Hauses, wars dann mit meiner Ruhe vorbei: Wieder probierte ich, 133 anzurufen. Ist ja nicht so, dass die Leitungen besetzt waeren. Nein, es nimmt einfach niemand ab.
Es gibt ja noch die Seguridad Ciudadana, der Sicherheitsdienst des Staats. Also probierten wir unser Glueck da. Aber natuerlich erklaerten die uns, dass sie dafuer nicht zustaendig seien… wir muessten die Seguridad einer anderen comuna anrufen. Die Frage, ob sie uns gleich noch die Nummer der anderen Seguridad geben koenne, beantwortete sie mit: “Nein, das ist nicht mein Job.” Wow, dieser Frau sage ich grosse Karriere im Kundendienst einer grossen chilenischen Firma voraus. Sie koennte zum Beispiel die Schulung der Angestellten uebernehmen.
133 stellte sich immer noch tot und den Besoffenen gingen nach einer gewissen Zeit auch die Flaschen aus. Denn immerhin kann man hier richtige 1-Liter-Bierflaschen kaufen, nicht so Baby-3dl-Flaeschchen. Das Arsenal ist dann nicht ganz so gross und die Wurfweite auch entsprechend kleiner.
Letzte Nacht gabs dann in der Nachbarschaft ein Fest. Lustig wurde es dann, als sie nach Mitternacht die Band samt Schlagzeug auf die Strasse versetzten.
Nennt mich einen Spiesser, aber um 4 Uhr morgens probierte ich einmal mehr, 133 zu erreichen. Tuuut, tuuut, tuuut, tuuut, tuuut , tuuut , tuuut , tuuut. Auch die Seguridad Ciudadana machte auf tot.
Um 6 Uhr 30 wurde es dann langsam still draussen, aber bis dahin war weder 133 erreichbar noch kam die Polizei vorbei. Wahrscheinlich ging einfach der Alk aus…
So, ich muss mal weg. Kaufe mir einen Baseballschlaeger zur Selbstverteidigung…