Archive for the ‘Typisch Chile’ Category

It’s a man’s world

Monday, November 5th, 2007

Die Tatsache, dass mit Michelle Bachelet eine Frau Praesidentin ist, darf nicht darueber wegtaeuschen, dass der Machismus in Chile weit verbreitet ist.

Die Frauen stellen nur 35% der chilenischen Arbeitskraft, der niedrigste Anteil in Lateinamerika. Dafuer verdienen sie dann aber auch ungefaehr 25% bis 50% weniger als ein Mann mit gleichen Qualifikationen. (Loehne in Chile nach Berufen und Geschlecht).

Laut einer Untersuchung des World Economic Forum in 125 Laendern nimmt Chile Position 110 ein wenn es darum geht, ob Frauen Zugang zu Toppositionen haben.

Bemerkenswert auch das Frauenbild in Fernsehen und Werbung… Oder wo koennte man ein Vitaminpraeparat folgendermassen bewerben:

Simipower Werbung

Wenn du so eine Frau willst, dann benutze SIMIPOWER

Ok, ich muss fair bleiben: Farmacias Similares ist ein mexikanisches Unternehmen und die gleiche sexistische Werbung haengt auch in anderen lateinamerikanischen Laendern, nicht nur in Chile.

Vor ein paar Wochen wurde der Fall der 14-jaehrigen Schuelerin Naty bekannt, die beim Oralsex mit einem Gleichaltrigen von seinem Kumpel gefilmt wurde. Diese Sequenz machte auf dem Schulhof die Runde und – nachdem jemand den Film ins Internet gestellt hatte – dann auch in ganz Chile.

Die Folge: Maenner kaufen sich nun einen “Wena Naty”-Klingelton, Maedchen/Frauen werden als Schlampen noch mehr verteufelt, Naty wurde von der Schule geworfen… Und die beiden Jungs gehen weiterhin ganz normal zur Schule.

Werbung haelt nicht immer…

Thursday, October 25th, 2007

…was sie verspricht.

Nehmen wir mal die Chilenische Post. Sie schreiben:

Wir kennen den Wert, den deine Sendungen haben.

Vertraue in Correos Chile.

Werbung Correos Chile

Und so sieht das dann aus:

Packet

Packet 2

Packet 3

RUT

Tuesday, October 9th, 2007

Um diese drei Buchstaben kommt man in Chile nicht herum. RUT bedeutet Rol Único Tributario und uebersetzt man auf deutsch am besten mit Steuernummer. Alle natuerlichen – hier muesste man richtigerweise von RUN (Rol Único Nacional) sprechen, ist aber die selbe Zahlenfolge – und juristischen Personen in Chile haben so eine Nummer. Das bedeutet auch, dass jedes Neugeborene eine RUN bekommt und Auslaender ebenfalls nach erfolgreichem Visumsantrag.

Cédula de identidad

Dieses oben kursiv dargestellte nach hat es in sich: Denn ein Visum kann man nur beantragen, wenn man einen Arbeitsvertrag hat. Und ein Arbeitgeber darf eine Person nur einstellen, die eine RUT hat. Hier beisst sich die Katze natuerlich in den Schwanz…

Das umgeht man am einfachsten, in dem man auf ein Steueramt geht, ein Formular (nur eines!!) ausfuellt und seinen Pass vorweist (mit Touristenvisum). Dann bekommt man eine temporaer gueltige RUT, mit der dann Arbeitgeber und Auslaenderbehoerde zufrieden sind. Geht erstaunlicherweise sehr unkompliziert und schnell.

Lange Einleitung, kurzer Sinn: Der RUT ist eigentlich die Steuernummer, in Wirklichkeit ist er der Identitaetsschluessel in Chile. Ueberall wird er angegeben: Im Lebenslauf bei der Jobsuche, beim Bonuspunkte sammeln im Supermarkt oder Apotheke, als Zugangscode in’s Fitnessstudio… die Liste koennte unendlich fortgesetzt werden.

Die Nummer wurde so entworfen, dass sie keinen Aufschluss gibt ueber Geschlecht, Name oder Alter der Person. Also eigentlich aus Datenschutzsicht optimal. Das Problem ist aber, dass die Leute jeweils ihren RUT an der Supermarktkasse oder wo auch immer mehr oder weniger laut aussprechen. Wenn man also mit etwas offenen Ohren durch Santiago laeuft, koennte man tonnenweise RUTs sammeln…

Kuerzlich war ich bei einem Vorstellungsgespraech bei einer Apotheke. Jede Wette, die checken mit jedem RUT der Bewerber ihre Verkaufsdatenbank, was die so einkaufen. Und ich kann mir vorstellen, dass ein Bewerber, der sich woechentlich mit Alka Seltzer oder Migraenemedikamenten eindeckt, schlechtere Chancen hat.
Na ja, ich als bekennender Paranoiker im Zusammenhang mit Datenschutz verweigere sowieso jede moegliche Kundenbindung… habe das Jobangebot dann aber aus anderen Gruenden abgelehnt.

Am 11. November wird in Santiago ein 10-Kilometer-Lauf stattfinden. Wieso ich da bei der Anmeldung meinen RUT angeben muss, werde ich wohl nie verstehen…

In der Schlange…

Saturday, September 29th, 2007

Beim Geldabheben gestern stand ich an siebter Stelle in der Schlange – fuenf Typen, die irgendwie zusammen gehoerten, eine Frau und dann ich. Weitere zwei Maenner kamen rein und einer davon lief einfach an der Schlange vorbei und draengte sich vorne rein. Der andere rief noch: “He, hier hat es eine Reihe” aber der andere tat so, als haette er nichts gehoert.
Leider alltaeglich, aber ich biss auf meine Zunge, da es schien als gehoerte er zu der Gruppe der ersten fuenf.
Dies nur so zur Einleitung…

Im Oktober steht ein langes Wochenende auf dem Programm und ich wuerde gerne dafuer nach Argentinien fahren. Da die Webseite vom Busunternehmen TurBus ziemlich unbrauchbar ist, dachte ich, ich gehe mal in eines der unzaehligen Bueros die ueberall in der Stadt sind.

Von zwei Schaltern war einer geoeffnet. Ein Angestellter bediente eine Frau, der andere versteckte sich daeumchendrehend hinter dem “Cerrado”-Schild. Ausserdem wartete ein aelterer Herr im Buero. Ein paar Minuten nach mir kam eine weitere Frau vorbei und der aeltere Mann wurde bedient. Als dann schliesslich ich an der Reihe gewesen waere, draengte sich die neu dazugekommene Frau an mir vorbei. Ich: “Entschuldigung, aber ich war zuerst da.” Sie: “Ich habe dich nicht gesehen, als ich reinkam. Du musst nach mir reingekommen sein.” Jaja, nicht gesehen. Waere ich 1.65 Meter mit schwarzen Haaren und dunklen Augen wie 99.9% der Maenner hier, haette ich ihr den Spruch ja abgekauft. Nun bin ich aber 1.87 Meter gross mit blonden Haaren und gruenen Augen – und damit falle ich mehr auf als ein rot angemaltes Lama in der zuercher Bahnhofstrasse. :roll:

Ich also nochmals: “Ich stand die ganze Zeit hier beim Eingang. Nur der aeltere Mann war vor mir hier.” Wie aber in allen vergleichbaren Situationen bleiben die Leute aber auf ihrem dumm-dreisten Standpunkt – so auch sie. Und der Angestellte, der ja genau wusste, was sich abspielte, reagierte auch typisch: Nur bedacht, einen “Konflikt” zu umgehen, statt die Frau zurechtzuweisen. Schnell riss er seinen Kollegen aus der Siesta und rief ihm zu, er solle seinen Schalter oeffnen und die Kundin bedienen… Argh!! :mad:

Tja, es scheint so, als ob die Vordraengler halt ihre Lektion niemals lernen. Ich werde es auf jeden Fall nicht aufgeben, sie zurechtzuweisen. Auch wenn ich dafuer nur unverstaendliche Blicke ernte… :neutral:

Vor Gericht

Wednesday, September 26th, 2007

Am Sonntag warem wir per Auto nach Norden unterwegs, um im Nationalpark La Campana zu wandern. Und dieses Mal passierte es… ich wurde von den Carabinieros angehalten. Hatte nur meinen Personalausweis dabei, aber nicht meinen Fuehrerausweis. Und als Konsequenz darauf gab es nicht etwa eine Ordnungsbusse, sondern gleich eine Gerichtsvorladung!

Auf jeden Fall stand da, ich muesse mich am 12. Oktober um 9 Uhr morgens in Colina (die Gemeinde, wo ich gestoppt wurde) beim Gericht melden. Am Montag habe ich da mal angerufen und gefragt, ob ich nicht auf einen Polizeiposten in Santiago gehen koennte, um meinen Ausweis zu praesentieren. Ausserdem muesse ich am 12. Oktober (hoffentlich) arbeiten und haette auch kein Auto zur Verfuegung. Es handelte sich ja um eine Bagatelle wie Ausweis vergessen… nicht, dass ich jemanden in betrunkenem Zustand ueberfahren haette.

Nein, unmoeglich. Ich muesse unbedingt nach Colina fahren, allerdings habe das Gericht drei Mal pro Woche fuer das Publikum geoeffnet und ich koenne ohne Voranmeldung vorbei kommen. Also habe ich ein Auto organisiert und mich auf die 40 Kilometer lange Fahrt gemacht.

Beim Gericht habe ich nur meinen Ausweis gezeigt, und schon kam die gesalzene Rechnung: 50’000 Pesos (115 Franken am 26.09.07)! Na ja, die muessen ihre Buerokratie und die Beamten ja irgendwie bezahlen. Ich finde es nur unglaublich uebertrieben, fuer eine Bagatelle mehr als 2 Stunden aufzuwenden.

Immerhin haben sie mich in der Naehe von Santiago erwischt und nicht etwa in Arica oder Punta Arenas und ich haette fuer den Kleinkram etxra dahin fliegen muessen ;)